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Billigkrippen oder was?

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Familienergänzende Kinderbetreuung kann für manche Eltern sehr teuer werden. Die FDP fordert deshalb sogenannte Billigkrippen. Jacqueline Fehr von der SP fragt sich in ihrer neuen Kolumne, ob das eine gute Idee ist.

Jacqueline Fehr über Billigkrippen.

Krippen müssen bezahlbar sein, findet Jaqueline Fehr.

Kinderbetreuung ist teuer - für Haushalte mit mittleren und kleinen Einkommen oft zu teuer. Kein Wunder profitieren vor allem Kinder, deren Eltern nicht nur bildungsbewusst, sondern auch finanziell gut situiert sind, von den guten Angeboten der familienergänzenden Kinderbetreuung. Nun will die FDP Abhilfe schaffen und fordert sogenannte Billigkrippen. Eine gute Idee oder ein falsch verstandener Begriff?

Wer gute Kinderbetreuung will, muss dafür zahlen. Entweder mit dem Verzicht auf ein Erwerbseinkommen, verminderten Steuererträgen und Sozialabgaben oder mit Elternbeiträgen und Subventionen. Billige Kinderbetreuung gibt es nur, wenn die Betreuerinnen gratis resp. zu schlechten Löhnen arbeiten oder viele Kinder aufs Mal betreuen.

Kinder sind (uns) teuer und eine gute Kinderbetreuung anzubieten, lohnt sich aus verschiedenen Gründen: erstens weil Kinder ein Recht darauf haben, zweitens weil gut betreute Kinder sich gut entwickeln können und drittens weil damit die Kinder bessere Chancen haben, in der Schule und später im Beruf mit ihren Talenten und Fähigkeiten erfolgreich zu sein.

Sind die heutigen Krippen und Kitas zu teuer? Nein. Zu diesem Befund kommt eine detaillierte Studie des Bundesamtes für Sozialversicherungen. 80 Prozent der Kosten einer Kita oder Krippe sind Personalkosten. Die Hälfte des Personals in den deutschschweizer Einrichtungen ist nicht ausgebildet und sogar die Löhne für ausgebildete und erfahrene Kita-/Krippenangestellte sind so tief, dass sie nicht noch weiter gesenkt werden können. Die Gruppengrösse und damit letztlich die personelle Ausstattung entspricht dem europäischen Standard. Jene Länder (und bei uns die Romandie) mit besser ausgebildetem und besser bezahltem Personal haben eher etwas grössere Gruppen und jene Länder mit tieferer Qualifikation haben eher kleinere Gruppen. Ob feuer- und hygienepolizeiliche Regulierungen abgebaut werden sollen, kann diskutiert werden. Bezüglich der Kosten ist ihr Einfluss allerdings vernachlässigbar.

Billiger können Kinderkrippen nicht werden

Nun will die FDP also Billigkrippen. Was meint sie damit? Sollen die Krippen billiger werden oder sollen die Krippen für die Eltern billiger werden?

Will die FDP ersteres, lohnt sich die Debatte kaum. Billiger können die Krippen/Kitas nicht werden, ohne dass man spürbare Qualitätseinbussen in Kauf nehmen müsste oder auf Gratisarbeit setzt. Und wer will seine Kinder schon in eine schlechte Kita stecken und woher sollen die Tausenden ehrenamtlichen Frauen kommen, die nichts lieber wollen, als unbezahlt den Tag mit einer fordernden Kleinkinderschar zu verbringen? Ergo: Gute Kinderbetreuung kostet. Die entscheidende Frage ist aber, für wen kostet sie wie viel?

Und damit sind wir beim möglichen zweiten Ziel der FDP. Will die FDP, dass die Kitas/Krippen für die Eltern billiger werden?

Kinderkrippen müssen bezahlbar werden

Sollte das die Absicht sein, lohnt sich eine Diskussion sehr wohl. Denn wo’s keine subventionierten Plätze hat, ist die Kinderbetreuung für die Eltern mit kleinen und mittleren Einkommen zu teuer. Und selbst dort, wo die Gemeinde einkommensabhängige Tarife ermöglicht, sind diese für mittlere Einkommen mit mehr als einem Kind zu hoch. Die Betreuungskosten fressen einen erheblichen Teil des Lohnes weg, so dass der Familie unter dem Strich trotz Mehrleistung beinahe nichts bleibt.

Hier müssen wir ansetzen: mit mehr Geldern der öffentlichen Hand oder von Privaten wie Stiftungen, Kirchen und Unternehmen. Denn nicht billig, sondern qualitativ gut und bezahlbar müssen Krippen/Kitas sein.

Text: Jacqueline Fehr

Jaqueline Fehr, Nationalrätin und Vizepräsidentin SP Schweiz

Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»

 

Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

 


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