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Silvia Blocher, SVP-Familienpolitikerin, berichtet in ihrer Kolumne über ihre Freundin, die an Alzheimer erkrankt ist. Seitdem hat sich die Freundin sehr verändert. Sie vergisst Dinge, die lange Zeit eine Selbstverständlichkeit waren. Silvia Blocher erklärt, wie wichtig der Mann an der Seite ihrer Freundin ist.
Silvia Blocher erzählt, wie wichtig die Betreuung von Alzheimer-Patienten ist.
Eine langjährige Freundin ist an Alzheimer erkrankt. Wir nehmen teil an ihren charakterlichen Veränderungen und an ihrem zunehmend eingeschränkten Umgang mit unserer Realität. Und immer wieder sind wir erstaunt darüber, wie sie gewisse Handgriffe noch mühelos beherrscht, während sie andere Dinge, die ihr jahrelang eine Selbstverständlichkeit waren, total vergessen hat.
Nach meiner Beobachtung haben diese unterschiedlichen Fähigkeiten nichts mit ihrer Gefühlswelt zu tun: Es ist nicht so, dass sie Dinge, die sie besonders gerne tat, noch verrichten kann und die unangenehmen vergessen hat. Im Gegenteil, ihre Wahrnehmungsausfälle und ihre Unfähigkeit, sich an etwas Bestimmtes zu erinnern, etwas auszuführen oder nicht, sind rein zufällig. Es gibt dafür keine Begründung oder Erklärung, was es für die Umgebung nicht einfacher macht. Wir sind uns so gewohnt, die Reaktionen und Verhaltensweisen unserer Mitmenschen gemäss unseren rationalen Erfahrungen einzuordnen und zu werten, dass wir schnell hilflos werden, wenn wir uns an keinen Normen mehr orientieren können.
Zum Glück macht unsere Freundin einen zufriedenen Eindruck, ihre frühere krankheitsbedingte Aggressivität hat sich gelegt. Nur selten tritt eine gewisse Starrköpfigkeit auf, die sich mit rationalen Argumenten nicht auflösen lässt. Für die Betreuungspersonen, meist nahe Angehörige, sind diese Tatsachen besonders belastend. Nicht nur ist der Alzheimerkranke nicht mehr der, der er war, sondern er verhält sich auch ganz allgemein sonderbar und unverständlich. Es ist unmöglich, wirklich mit ihm zu kommunizieren. Das Schwierige an der Betreuung ist, den Kranken so zu nehmen wie er ist, in seiner ganzen Unverständlichkeit und Unzugänglichkeit. Man kann ihn nicht ändern oder seine Fähigkeiten verbessern.
Unsere Freundin wird von ihrem Mann betreut, der versucht ihre noch vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten. So glaubt sie, dass sie noch immer den Haushalt erledige, obwohl sie keine Ahnung mehr hat, wo sich was befindet. Zum Glück unternimmt sie täglich mehrmals selbständig den immer gleichen Spaziergang und gibt ihrem Mann so Gelegenheit aufzuschnaufen und etwas zu erledigen. Denn unsere Freundin ist ganz auf ihren Mann konzentriert, andere Bezugspersonen kennt sie nicht mehr. Unablässig sucht sie seine Gegenwart und stellt ihm die immer gleichen Fragen. Um sich etwas zu entlasten, bringt er sie einige Tage im Monat in ein auf Alzheimer spezialisiertes Heim, wo sie glücklich und fröhlich ist. Sobald aber die Pflegerin ihren Mann ankündet, steht sie auf und eilt ihm entgegen. Er ist ihr Heimat und Geborgenheit. Ohne ihn wäre sie verloren, immer wieder bringt sie das in ihrem Verhalten zum Ausdruck. Bei ihm fühlt sie sich aufgehoben, was sicher der Grund ist für ihre Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Sie leidet nicht - wie viele Alzheimer-Kranke - am Verlassenheitsgefühl.
Text: Silvia Blocher
Lesen Sie hier den ersten Teil des Berichts über Silvia Blochers Freundin und die Krankheit Alzheimer: www.familienleben.ch/47-familiensache/2242-alzheimer-eine-unheimliche-krankheit

Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

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