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Der integrative Unterricht hat versagt. Davon ist SVP-Familienpolitikerin Silvia Blocher überzeugt. Sie kann in diesem Konzept nur eines erkennen: überforderte Lehrer und Schüler, die unter Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Sie fordert in ihrer Kolumne die Erziehungsdirektion auf, Mut zur Realität zu beweisen.
«Wenn mehrere Lehrer im Schulzimmer gleichzeitig unterrichten, herrscht ein Durcheinander», sagt Silvia Blocher.
Unsere Volksschulen haben sich im Laufe der letzten Jahre den Erfordernissen der Erziehungsdirektionen angepasst und folgenschwere Anordnungen getroffen: In unseren Primarschulklassen werden neu zusammen mit den durchschnittlichen Schülern auch solche mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, solche mit Verhaltenstörungen oder schwierigem familiären Umfeld, solche ohne Deutschkenntnisse und solche mit mangelndem Integrationswillen unterrichtet. Klein- und Sonderklassen wurden aufgelöst.
Schnell hat sich gezeigt, dass unsere Lehrer dadurch überfordert sind. Um Abhilfe zu schaffen, hat man die Heilpädagogen, die Sozialpädagogen, die Deutschlehrer, die Logopäden, die Spezialisten für Dyskalkulie, die Hilfen für Langsame, kurz die Spezialisten für die speziell Begabten, in die normalen Schulklassen aufgeboten. Was dazu führt, dass nicht selten 5 oder mehr Lehrpersonen zur gleichen Zeit im gleichen Schulzimmer unterrichten. Entsprechend gross ist die Unruhe in den Klassenzimmern. Die Schüler leiden unter Konzentrationsschwäche, und die Lehrer stöhnen über die notwendigen Absprachen, die ihnen die wertvolle Vorbereitungszeit nehmen, und über den «Betrieb», der einen geregelten Lehrbetrieb verunmöglicht.
Unzählige Lehrkräfte haben dieses kräfteraubende Durcheinander verlassen und eine andere Stelle angenommen. Daraus resultiert akuter Lehrermangel. Dies führt zu verschiedenen Notfallrezepten der Erziehungsdirektion: Mit Sofortmassnahmen werden Personen aus anderen Berufen für den Lehrerberuf umgeschult. Doch selbst M. Wendelspiess, Leiter des Zürcher Volksschulamtes, gibt zu, dass der Mangel an Lehrkräften den Kanton noch manche Jahre beschäftigen wird (NZZ 12.06.2012).
«Entlastungsmassnahmen» für überforderte Lehrer werden vorgeschlagen: Z. B. sollen die Lehrer zwei Stunden pro Woche weniger unterrichten (also ihre eigentliche Aufgabe vernachlässigen) um mehr Zeit fürs Organisatorische zu haben. Und: Die Lehrer sollen nur noch ein statt zwei Zeugnisse pro Jahr ausstellen und die Eltern stattdessen in Gesprächen über den Wissensstand ihrer Sprösslinge orientieren (als ob das weniger zeit- oder kräfteintensiv wäre). Und: Per Rundschreiben wurden die Schulleiter angewiesen, die Anzahl Lehrpersonen, die gleichzeitig im Schulzimmer anwesend sind, zu reduzieren (doch wer erteilt so wann die nötigen Unterstützungs - und Nachhilfestunden?).
Vor wenigen Wochen nun wieder ein neues Eingeständnis der unmöglichen Situationen in den Schulzimmern: Die Erziehungsdirektion will anordnen, dass nur noch zwei bis drei Personen gleichzeitig im Schulzimmer anwesend sind. Zu diesem Zweck sollen die angestammten Lehrkräfte in Heilpädagogik geschult werden. Zwar sind sie eingestandenermassen überfordert, aber um der schönen Theorie willen mutet man ihnen das sang- und klanglos auch noch zu. Und was geschieht mit den Heerscharen von Spezialpädagogen?
Wann endlich stellt sich die Erziehungsdirektion der Realität und gibt zu, dass ihr Konzept des integrativen Unterricht ganz einfach versagt hat? Unter diesem falschen Konzept leiden unsere Kinder, normal- oder sonderbegabte, und unsere Lehrer und Spezialpädagogen. Vor allem aber leidet die Volksschule: Wissensvermittlung und das Erreichen der Lernziele wird unnötig erschwert.
Text: Silvia Blocher

Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von acht Enkeln sind Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
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