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Seit der Neuorganisation der Zürcher Volksschule sind viele Lehrer massiv überfordert. Silvia Blocher kritisiert, dass die Erziehungsdirektion ihre Fehler nicht zugibt und die Überforderung der Lehrer stattdessen mit Trostpflästerli mildern will. Sind weniger Zeugnisse und Unterrichtsstunden tatsächlich sinnvoll?
Die «Reformitis» in Zürcher Volksschulen muss laut Silvia Blocher gestoppt werden.
Seit der Neuorganisation der Zürcher Volksschule ist die Erziehungsdirektion vor allem damit beschäftigt, die daraus resultierenden Missstände durch Behelfsmassnahmen notdürftig zu decken. Die Lehrer sind durch die Umorganisation massiv überfordert. Seltsamerweise nehmen sich die Lehrerverbände diesem Problem - wenn überhaupt - nur sehr oberflächlich an. Mit dem Resultat, dass viele Lehrer die gute Wirtschaftslage ausnützen und in andere Berufe wechseln.
Daraus resultiert ein gravierender Lehrermangel, welcher nun die Erziehungsdirektion dazu zwingt zu handeln. Leider kann diese nicht über ihren Schatten springen und die mit dem neuen Volksschulgesetz beschlossenen verhängnisvollen Entscheide grundsätzlich neu überdenken und entsprechend ändern. Anscheinend fehlt dazu der Mut, die Energie oder die Bescheidenheit, die eigenen Fehler zuzugeben. Stattdessen greift man zu Trostpflästerchen um die Überlastung und Überforderung der Lehrer zu mildern.
Eines dieser wenig sinnvollen Pflästerli heisst: Nur noch ein Zeugnis pro Jahr. Dagegen wurde eine parlamentarische Initiative eingereicht. Dank der breiten Unterstützung im Kantonsrat will man in der Erziehungsdirektion diesen Entscheid nun wenigstens vorläufig aussetzen.
Sowohl Eltern wie auch Schüler, denen Schulbildung und Leistung nicht gleichgültig sind, werden darauf bestehen, mindestens zweimal pro Jahr über die Schulerfolge oder allenfalls Misserfolge unterrichtet zu werden. Der Vorschlag der Erziehungsdirektion, das zweite Zeugnis könne durch Elterngespräche ersetzt werden, zeigt in beunruhigender Weise, wie wenig realistische Vorstellungen die Theoretiker in der Erziehungsdirektion von der Arbeit der Lehrer an der Front haben. Elterngespräche gehören zu den aufreibendsten Arbeiten der Lehrer.
Als weiteres Trostpflästerchen gegen die Überlastung der Lehrer hat die Erziehungsdirektion angeboten, die Zahl der Unterrichtsstunden pro Woche um zwei zu senken! Dabei ist es ja gerade die Hauptaufgabe der Lehrer zu unterrichten. Und ausgerechnet diese wichtigste und ureigenste Tätigkeit des Lehrers soll nun eingeschränkt werden. Da diese zwei Unterrichtsstunden aus Kostengründen nicht von anderen Lehrkräften übernommen werden können, heisst das nichts anderes als: Unsere Kinder lernen in der Volksschule noch weniger als bisher!
Angesichts dieser absurden Entscheide fragt man sich, ob sich die Erziehungsdirektion eigentlich IHRER Aufgabe bewusst ist. Sicher täte sie gut daran, ihre Ideologien zu vergessen und sich stattdessen an der Realität zu orientieren.
Sinnvoller wäre es doch zu fragen: Welche anderen Aufgaben sind für die Lehrer eine grosse zeitliche Belastung? Gemäss einer Studie brauchen sie viel Zeit für Koordinationsaufgaben, also Absprachen innerhalb der Lehrer-Teams (eine Klasse hat bis zu 10 verschiedene Lehrer), Sitzungen (mit den klassenübergreifenden ...ogen und ...päden) und für Elterngespräche.
Offensichtlich sind es die organisatorischen Belastungen, welche zur Überlastung der Lehrer und damit zu deren Abwanderung in andere Berufe führen. Und da gibt es nur eine Abhilfe: Die Reformitis in der Schule ist zu stoppen. Das bedeutet eine Abkehr vom sozialistischen Gleichheitswahn, also: Verzicht auf die hochgejubelte Integrative Schule, Wieder-Einführung von Sonderklassen und weitgehender Verzicht auf den Unterricht von Sonderpädagogen und Unterrichtshilfen während der allgemeinen Schulstunden, also gleichzeitig mit dem Fachlehrer! Dies brächte nicht nur Entlastung in Organisation und Absprachen, sondern eine ruhigere Atmosphäre in die Schulzimmer, was eine grössere Konzentration der Schüler und damit auch ein besseres Lehr- und Lernergebnis ermöglichen würde. Zusätzlich wäre das Thema der "Elternbetreuung" (zu dem sich die Elterngespräche zunehmend entwickeln) neu zu überdenken.
Text: Silvia Blocher

Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
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