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Wie gefährdet ist unsere Altersrente wirklich? Das fragt sich Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist in ihrer aktuellen Kolumne angesichts düsterer Schlagzeilen. Sie zeigt auf, dass hinter der Schwarzmalerei nicht viel mehr steckt als heisse Luft.
Die Rente ist auch für junge Menschen sicher, findet Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist.
Der Titel meiner Kolumne entspricht dem Stil der Schlagzeilen, die wir oft über unsere Altersvorsorge lesen können: «Die AHV wird an die Wand gefahren!» «Rentenkollaps unaufhaltbar!» oder «Der Alters-Tsunami überrollt die Schweiz». Ökonomen rechnen uns warnend vor, dass dieses Sozialwerk ohne drastische Gegenmassnahmen in 10 Jahren bankrott sein wird, und Parteistrategen fordern gar ein Ausgabenmoratorium.
Solche Aussagen beunruhigen, denn die AHV ist unser wichtigstes Sozialwerk. Sie ist nicht grosszügig ausgestattet - heute beträgt eine Minimalrente 1160 Franken pro Monat und die Maximale das Doppelte -, aber sie garantiert zusammen mit den Ergänzungsleistungen das Minimum zum Leben. Eines ist klar: Es gehört zu den entscheidenden Aufgaben eines wohlhabenden Landes wie der Schweiz dafür zu sorgen, dass seine Bevölkerung den Lebensabend in Würde und ohne finanzielle Not verbringen kann.
Nun, wie gefährdet ist die AHV? Sind solche Schlagzeilen einfach Rhetorik, oder sind die Altersleistungen wirklich in Gefahr? Tatsache ist, dass viele junge Leute bei Umfragen angeben, dass sie nicht mehr daran glauben, dass sie im Alter selber noch eine Rente erhalten werden. Sie fürchten, dass der Topf dann leer sein wird, wenn sie selber ins Rentenalter kommen, weil die Menschen länger leben als früher.
Mit der Längerlebigkeit der Bevölkerung rechnet man seit Jahrzehnten: Die Antibabypille hat bewirkt, dass weniger Kinder zur Welt kommen. Gleichzeitig wird – dank dem medizinischen Fortschritt - die Bevölkerung immer älter und hat so die Möglichkeit länger Renten zu beziehen. Deshalb ist die Sicherstellung der Renten seit 20 Jahren ein Thema.
Bereits 1997 prophezeiten Experten in Berichten für den Bundesrat eine rabenschwarze Zukunft für unsere Sozialwerke. Sie meinten, dass wir bis ins Jahr 2010 (!) für den Erhalt der bestehenden Leistungen zusätzlich 15 Mrd. Franken jährlich oder 6,8 Mehrwertsteuerprozente aufbringen müssten.
Nun, 2010 ist längst vorbei. Nach den damaligen Berechnungen der Experten könnten die Renten heute längst nicht mehr ausbezahlt werden und im AHV-Ausgleichsfonds hätte es keinen Rappen mehr. Interessant ist, warum dieses Horrorszenario nicht eingetroffen ist, obwohl die 11. AHV-Revision 2004, die erste Sanierungsmassnahmen beinhaltete, an der Urne scheiterte und der zweite Anlauf einer neuen Vorlage bereits im Nationalrat beerdigt wurde.
Warum kam es also nicht zum Supergau? Auf der einen Seite kam die Erhöhung des Frauenrentenalters von 62 auf 64 aus der 10. AHV-Revision voll zum Tragen und ein zusätzliches Mehrwertsteuerprozent wurde auf den 1.1.99 eingeführt. Ferner hat man dem AHV-Fonds Erträge aus der Tabak- und Alkoholsteuer und die Spielbankenabgaben zugewiesen. Auch aus dem Golderlös der Nationalbank kam 2007 ein rechter Batzen hinzu.
Das hätte aber alles nie gereicht. Und die AHV Statistik gibt eine überraschende Antwort auf die Frage, weshalb das Riesenloch in der Kasse ausgeblieben ist: Die Ausgaben sind zwar markant gestiegen, aber die Einnahmen auch; gleichzeitig ist die Zahl der Beitragszahlenden in den vergangenen 20 Jahren von 3,8 Mio. auf 5,1 Mio gestiegen. Das zeigt eindrücklich die vermehrte Erwerbstätigkeit der Frauen und vieler Rentner, aber auch, dass viele Arbeitskräfte aus dem Ausland mit ihren Lohnbeiträgen unsere Altersvorsorge stützen. Somit konnten sich die düsteren Prophezeiungen nicht bewahrheiten. Sie haben aber bewirkt, dass grosse Wünsche und Ausbaupläne in den Schubladen blieben. Und das war gut so.
Irgendein findiger Kopf hat einmal herausgefunden: «Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen…».
Tatsächlich! Und die Jungen können getrost sein: Wir haben die Verantwortung, dass auch sie einmal eine Rente im Alter erhalten werden!
Text: Christine Egerszegi-Obrist

Christine Egerszegi-Obrist ist Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Die Politikerin ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Mellingen (AG).
In ihrer Freizeit geniesst sie vor allem ihre fünf Enkel.
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