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Leihmutterschaft: Wenn's doch nur nicht so schwierig wäre!

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SP-Politikerin Jacqueline Fehr treibt die Frage um, warum Paare einen so starken Kinderwunsch entwickeln und den Weg der Leihmutterschaft wählen. Sie wäre froh, wenn es die Möglichkeit der Leihmutterschaft nicht gäbe. Trotzdem will sie sich für den Schutz der Leihmütter und der Kinder einsetzen.

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Jacqueline Fehr über Ferien zu Hause.

Beim Thema Leihmutterschaft tauchen bei Jacqueline Fehr viele Fragen auf.

Gleich drei Journalistinnen haben sich in den letzten Tagen zum Thema Leihmutterschaft gemeldet. Ihre Recherchen starten an unterschiedlichen Punkten. Enden tun aber alle am selben: Was muss politisch getan werden, um das Thema Leihmutterschaft in den Griff zu bekommen. Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass wir uns bei diesem Thema in unlösbare Widersprüche verstricken.

Leihmütter sind Frauen, die entweder ein befruchtetes Ei eines «bestellenden» Paares austragen oder die sich ein eigenes Ei mit dem Sperma eines «bestellenden» Vaters befruchten lassen. In beiden Fällen bringt die Leihmutter das Kind auf die Welt und dann ist fertig. Das Kind «gehört» in beiden Fällen den bestellenden Eltern. In einem Fall hat das Kind also das Erbgut seiner Eltern, wurde aber von einer fremden Frau ausgetragen. Im anderen Fall trägt das Kind das Erbgut seines Vaters und seiner Leihmutter. Seine (soziale) Mutter ist schlicht die Partnerin seines Vaters.

Leihmutterschaft: schlaues Geschäftsmodell oder merkwürdiges Frauenbild?

Rund um das Thema Leihmutterschaft stellen sich verschiedene Fragen. Eine, die mich besonders umtreibt ist folgende: Woher kommt dieser unglaublich starke Kinderwunsch, der es möglich macht, den Weg einer Leihmutterschaft zu wählen? Ist es unser Machbarkeitswahn, der auch vor dem werdenden Leben keinen Halt macht? Ist es ein Frauenbild, bei dem die Frau erst mit der Mutterschaft ihre Erfüllung findet? Sind es schlaue Geschäftsmodelle, die Menschen in einer schwierigen Lebenssituation verführen?

Ohne bestellende Paare gäbe es keine Leihmütter. Und da in der Schweiz und im grenznahen Ausland die Leihmutterschaft verboten ist, reisen diese Paare in die Ukraine, nach Weissrussland, nach Russland oder nach Indien. Dort suchen sie spezialisierte Kliniken auf, die ihnen die Leihmütter vermitteln. In der Regel handelt es sich um sehr junge Frauen. Wirklich freiwillig machen es wohl die wenigsten.

Doch von welchen Dimensionen sprechen wir eigentlich? Sind es Einzelfälle oder boomt das Geschäft? Wir wissen es nicht. Die Schweiz hat keine Zahlen. Obwohl diese eigentlich einfach zu erheben wären. Denn jedes Kind muss bei der Schweizer Botschaft im entsprechenden Land gemeldet werden.

Mir lässt die Sache keine Ruhe. Nach den Gesprächen mit den Journalistinnen ist mir klar, dass wir das Thema politisch weiterverfolgen müssen. Die Antwort auf meine Anfrage vom März vergangenen Jahres ist in der Tat nicht befriedigend.

Das Recht des Kindes auf seine Herkunft

Mich interessieren zuerst die Fakten: Wie viele Paare aus der Schweiz finden in welchen Ländern und welchen Kliniken eine Leihmutter? Was wissen wir über diese Kliniken? Was wissen wir über das Leben der Leihmütter? Und dann interessieren mich die Rechte der Kinder und das Wohl der Leihmütter: Wie gewährleisten wir das Recht des Kindes, seine Herkunft zu kennen? Wie stellen wir sicher, dass die Leihmütter nicht Opfer von Menschenhändlern sind? Wie engagiert sich die Schweiz auf internationaler Ebene für Regeln, die den Schutz der Leihmütter sowie die Rechte der Kinder wahren?

Ich gebe es zu: Ich wäre froh, die Möglichkeit der Leihmutterschaft gäbe es nicht. Diese Fragen überfordern uns letztlich ethisch, sozial und gesellschaftlich. Trotzdem müssen wir Wege suchen, die wenigstens den Schutz der Schwächeren hochhalten: der Kinder und der Frauen, in deren Gebärmutter sie neun Monate genährt wurden und gewachsen sind.

Text: Jacqueline Fehr

Jaqueline Fehr, Nationalrätin und Vizepräsidentin SP Schweiz

Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»

Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

 


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