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Silvia Blocher war in den letzten Monaten häufig im Spital, um Kranke zu besuchen. Alle Spitalpatienten, mit denen sie sprach, lobten die medizinische Versorgung, alle aber klagten über das unendlich häufig wechselnde Pflegepersonal. Die SVP-Politikern findet, man solle die strikte Rationalisierung des Pflegeablaufes hinterfragen.
Silvia Blocher findet, dass man das Schweizer Gesundheitswesen noch verbessern kann.
In den letzten Wochen hatte ich während häufiger Krankenbesuche im Spital selber Gelegenheit, diese unübersichtlich gewordene Zahl von Pflegefachleuten, Physiotherapeuten, Essensbestellung-Zuständigen, Essen-Zustellern, Diätassistenten, Reinigungspersonen und Pflegehilfspersonal im Krankenzimmer am Kranken vorbeiziehen zu sehen. Nicht nur konnte ich mir ihre Namen nicht merken, auch mit den stetig wechselnden Gesichtern bekam ich Mühe. Und ich stellte mir vor, wie das auf den Kranken wirken müsse, der durch Krankheit geschwächt, durch Schmerzen gepeinigt, durch Medikamente gedämpft ist. Und zusätzlich ja noch Nachtpflege und Nachtwache zu Gesicht bekam.
Nach einiger Zeit glaubte ich das System zu erkennen, das dahinter steckt: Man hat die anfallende Arbeit im Spital in Tageseinheiten aufgeteilt. Für einen vollen Tag ergeben sich 4-5 Schichten. Weil aber offensichtlich viele Spitalangestellte Teilzeit arbeiten, teilen sich die 7 Wochentage in je 4-5 Schichten mit je verschiedenen Personen. Was heisst das, wenn etwa 4 Pflegefachleute gleichzeitig auf einer Abteilung arbeiten? Mir begann zu schwindeln: 4 Pflegefachleute in 4 Schichten sind 16 Personen. Falls diese jeden Tag wechseln, sind das 112 verschiedene Personen. Dazu kommen die vorher aufgezählten Spezialisten, das Hilfspersonal und die Ärzte. Ein Kranker hat es bei uns also im Extremfall innerhalb einer Woche mit gegen 150 verschiedenen Betreuern zu tun. Kein Wunder beklagen sich alle über diesen Missstand!
Mir ist aber auch aufgefallen, wie viel Zeit die Orientierung der vielen verschiedenen Pflegepersonen über einen jeden Patienten in Anspruch nimmt. Und da es im Spital häufig um wesentliche Dinge geht, muss diese Orientierung ja sicherlich schriftlich erfolgen. Wie gross ist wohl der Anteil der Arbeitszeit, der für solche Orientierungen aufgewendet wird? In den Stationszimmern sind jedenfalls Pflegefachleute häufig am Computer anzutreffen. Eigentlich müsste ja - wann immer ein Patient läutet - die Pflegefachfrau zuerst im Computer den Zustand des Patienten und die verabreichten Medikamente abklären, bevor sie zu ihm ins Zimmer kann.
Nach meiner Beobachtung ist aber auch die Absprache mit den «Spezialisten» sehr schwierig: Da tauchen Bewegungstherapeuten just in dem Moment auf wenn der Patient nach aufwendiger Pflege völlig erschöpft endlich wieder frisch eingebettet im Bett liegt. Oder das Essen wird gebracht und hingestellt, aber der Patient kann es nicht selber schneiden oder ist gar unfähig selbst zu essen. Natürlich kann er dann läuten, aber zu Essenszeiten ist das Personal reduziert, und er möchte ja nicht noch mehr zur Last fallen.
Die Schweiz soll eines der besten Gesundheitswesen haben. Vielleicht könnte man es trotzdem noch verbessern, indem man die strikte Rationalisierung des Pflegeablaufes hinterfragt und auch an das psychische Wohlergehen der Patienten denkt.
Text: Silvia Blocher

Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
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