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Haushaltsunfälle: Wie bringe ich Kindern bei, Gefahren einzuschätzen? Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist befasst sich in ihrer aktuellen Kolumne mit dieser Frage. Sie findet, dass man Kindern mit viel gut investierter Elternzeit beibringen kann, Gefahren einzuschätzen.
Ständerätin Christine Egerszegi-Obrist erzählt, wie sie ihren Kindern beigebracht hat, Gefahren einzuschätzen.
«Fast eine Million Menschen verletzen sich jährlich im Haushalt oder in der Freizeit». In einem über 300 Seiten dicken «Schinken» von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) steht es schwarz auf weiss: 100‘000 Menschen verletzen sich jährlich im Strassenverkehr, 300'000 beim Sport und 600‘000 (!) im Haushalt oder bei der Ausübung eines Hobbys. Von den tödlichen Unfällen ereignen sich sogar drei Viertel im Bereich Haus und Freizeit. Hätten Sie das für möglich gehalten? Es ist offensichtlich: wir leben zuhause brandgefährlich!
Dabei fällt auf, dass Kinder und Jugendliche zuhause weitaus am meisten gefährdet sind. Sie gehören bei Stürzen, Vergiftungen, Verbrennungen und Verätzungen, aber auch bei Verletzungen durch Menschen zur Alterskategorie, die am meisten betroffen ist. Spitzenreiter aller Unfälle im Kindesalter sind Stürze: bei den Kleineren vom Wickeltisch, vom Kinderhochstuhl, auf Treppen, auf dem Spielplatz oder gar von Balkonen und Fenstern. Bei Schulkindern rangieren Rollsport – und Fahrradunfällen an vorderster Stelle.
Der Bericht trägt aber nicht nur die Anzahl jährlicher Unfälle zusammen, er schlägt auch altersgerechte Präventionsmassnahmen vor, um diese zu verhindern. Und da liest man Ratschläge, wie sie uns schon unsere Mütter mitgegeben haben: «man soll kleine Kinder auf dem Wickeltisch oder dem Kinderhochstuhl beaufsichtigen, den Zugang zu Treppen durch Schutzgitter absperren und beim Kauf von Kindermobiliar oder Spielgeräten darauf achten, dass sie den Sicherheitsanforderungen entsprechen und sich für das entsprechende Alter eignen». Wir Eltern wissen das ja alles, und doch – trotz allem Aufpassen – sind wir immer wieder auf die tatkräftige Mithilfe vieler Schutzengel angewiesen.
Es wird im Sicherheitsbericht zur Unfallverhütung zuhause auch gezeigt, dass sich viele Kinder Verletzungen durch Verbrennungen, Verätzungen oder Vergiftungen aussetzen, weil die Gefahren oft unterschätzt werden. Das kenne ich gut aus eigener Erfahrung: Unser Mischa hat mir einmal als Zweijähriger eine Tasse voll Sultaninen gegessen, die in hochprozentigem Rum eingelegt waren, während dem ich gegenüber den Kuchenteig vorbereitete. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass er still und leise hinter mir so etwas isst. Mit der Notfallnummer 145 des Toxzentrums, die immer am Kühlschrank hing, erkundigte ich mich aufgeregt, was ich jetzt tun müsse..
Für Eltern ist es eine schwierige Gratwanderung: auf der einen Seite will man den natürlichen Erkundungsdrang und die Experimentierfreude der Kinder nicht unterdrücken und auf der andern Seite muss man sie stets vor möglichen Gefahren warnen. Das ist oft ein Lernprozess für alle Beteiligten. So habe ich einmal unsere Dreijährige mit dem Zeigefinger aufs Bügeleisen tippen lassen. Das kleine Trotzköpfchen wollte es wissen, obwohl ich es gewarnt hatte. Oje, das hat aber gewirkt! Wenn ich später sagte: Pass auf, das ist heiss, wurde das sofort respektiert.
Nur, die Kinder können nicht alle Erfahrungen selber machen. Sie müssen uns glauben, dass sie nicht ins tiefe Wasser dürfen, wenn sie nicht schwimmen können. Sie müssen lernen, dass es Gefahren gibt, wo diese lauern, und wie man sie einschätzen kann. Das braucht viel, gut investierte Elternzeit. Die Kinder müssen uns vertrauen können. Und das fällt ihnen nicht in jedem Alter leicht.
Wenn uns früher die Mutter beim Weggehen gemahnt hat, man solle ja aufpassen, damit nichts passiere, hat mein Bruder spöttelnd zurückgerufen, man könne auch zuhause in der Badewanne ertrinken oder im Rasierschaum ersticken… So krasse Beispiele stehen nicht im Bericht zur Unfallverhütung. Aber er fördert das Gefahrenbewusstsein und gibt manchen Denkanstoss, wie Unfälle zuhause vermieden werden könnten.
Text: Christine Egerszegi-Obrist

Christine Egerszegi-Obrist ist Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.
Die Politikerin ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Mellingen (AG).
In ihrer Freizeit geniesst sie vor allem ihre fünf Enkel.
Auf familienleben.ch/familiensache finden Sie jede Woche eine neue Kolumne zur Familienpolitik. Es schreiben die vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

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