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Wird heute von Familie gesprochen, versteht man darunter mindestens ein Elternteil und ein Kind. Aufgabe der Familie ist, das Kind so zu betreuen, dass es unversehrt das Erwachsenenalter erreichen und sich in der Selbständigkeit bewähren kann. Dieses Anleiten und Begleiten wird als «Erziehung» beschrieben.
Silvia Blocher, Familienpolitikerin der SVP.
Ziel der Erziehung ist also, das Kind gemäss seinen Anlagen und seinem Alter in seinen geistigen, emotionalen, gesellschaftlichen und handwerklichen Fähigkeiten so zu fördern und auszubilden, dass es das Erwachsenenalter heil erreicht und das Leben selbständig in Verantwortung gegenüber Mitmenschen und Umwelt meistern kann. Hat man sich dieses Ziel verinnerlicht, wird es einfacher, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Es hilft, in schwierigen Familien- oder Schulsituationen die richtige, kindgerechte Entscheidung zu fällen und übertriebene Ansprüche, die von aussen an die Erziehenden und ihre Kinder gestellt werden, abzuweisen.
Das Hinführen des Kindes von der totalen Abhängigkeit zum selbstbewussten verantwortungsvollen Meistern des eigenen Lebens ist eine Aufgabe, die Eltern mit seiner Geburt übernehmen und die sie jahrelang nicht mehr loslässt. Unabdingbar ist dafür die Verständigung zwischen Erziehenden und Kindern. Damit ist nicht nur die Sprache gemeint. Dieses Sich-Verstehen beginnt schon viel früher mit Hunger- und Durststillen, mit Vertrauen- und Wärmegeben, mit Zärtlichkeit und Liebe, mit Dasein, Hinhören und Mitfühlen. Und bereits in diesem frühen Miteinander beginnt unbewusst eine Wertevermittlung. Schon in den ersten Lebenswochen melden sich elementare Ansprüche aller Beteiligten: Hunger, Durst, Schmerzen, Schlafen, Mitmenschen, Umwelt, Ruhe, Bewegung.... Und ebenso bald tauchen gegensätzliche Bedürfnisse auf. In diesem Spannungsfeld eigener und fremder Wünsche zwischen Fordern und Verzichten, zwischen Beharren und Nachgeben, findet die ganze jahrelange Erziehungsarbeit statt. Wichtig ist, dies zu akzeptieren, damit der Wirklichkeit gemäss auf die verschiedenen Wünsche und Bedürfnisse eingegangen werden.
Leider hat man sich seit Mitte des 20. Jahrhundert von der irren Idee leiten lassen, das Kind sei an sich gut. Seinem Wollen und Fordern sei immer nachzugeben, und es müsse sich frei ohne Regeln und Einschränkungen entfalten können. Diese Ideologie hat zu einer eigentlichen Erziehungsverweigerung der Eltern geführt, deren Folgen wir heute täglich erleben können.
Ist das eigene Wollen, das Lustprinzip, zur Lebensmaxime geworden, gilt die Erfüllung der eigenen Wünsche als oberstes Ziel. Rücksicht auf Bedürfnisse anderer Menschen oder auf gewisse Realitäten wird dabei nicht genommen. Diese Rücksichtslosigkeit und mangelnde Anpassungsfähigkeit ist heute bei vielen Kindern und Jugendlichen im Umgang mit anderen Menschen zu sehen, im Strassenverkehr auf Velos oder Rollbrettern, im achtlosen Umgang mit Abfall, in der Unfähigkeit, eine Berufslehre zu bestehen oder generell das Leben zu meistern. Allzu viele suchen in der Pubertät vor dieser Herausforderung Schutz im Nebel von Drogen und Alkohol oder verkriechen sich ins soziale Netz der Hilfsangebote. Andere suchen ihre Grenzen in der Kriminalität. Die schockierende Gewalt unter Jugendlichen ist eine Eskalation dieser "anerzogenen" Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Menschen, gegenüber Tieren und Pflanzen, gegenüber fremdem Eigentum, gegenüber der Natur, letztlich die Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Leben.
Familien sind aufgerufen, ihre ureigenste Aufgabe, die Erziehung ihres Kindes, ernst zu nehmen. Erziehung ist spannend, anspruchsvoll, herausfordernd, überraschend, manchmal voller Sorgen und schlafloser Nächte, im Ganzen aber beglückend und erfüllend wie kaum eine andere Tätigkeit.
Text: Silvia Blocher
Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Ab sofort gibt es auf familienleben.ch eine wöchentliche Kolumne zur Familienpolitik mit den vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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Kommentare
Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft? Es gibt vieles was dafür spricht. Es sind sich allerdings achon bei der Familie beileibe nicht alle einig, was wünschenswert ist, und das schlägt sich dann entsprechend auf die Gesellschaft nieder.
Alle vier Politikerinnen schätze ich sehr; es handelt sich um Frauen mit Bodenhaftung, welche die Kindererziehung (zusammen mit dem Ehemann) ernst nehmen, getreu nach der Aussage: "Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland"!
Die Erfüllung der eigenen Wünsche gilt nicht nur bei Kindern und Jugendlichen als oberstes Ziel, sondern diese Lebensmaxime lässt sich jetzt bei Menschen um die 40/50 beobachten. Es ist billig, jetzt nur an die Familien zu apellieren. Da haben deren Eltern und Grosseltern bereits massiv etwas versäumt. Und zu diesem Kreis gehört wohl auch Frau Blocher...
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