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Christine Egerszegi-Obrist: Auch Kinder sind Arbeitgeber: und wie!

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Mit dem neuen Eherecht haben wir ganz klar festgelegt, dass «Frau und Mann gemeinsam für den Unterhalt der Familie sorgen. Sie bestimmen miteinander, wie sie die Aufgaben, insbesondere die Erwerbs-, Haus- und Erziehungsarbeit entsprechend den Bedürfnissen der Familie und den persönlichen und finanziellen Möglichkeiten aufteilen».

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Christine Egerszegi-Obrist, Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.

Unser Gesetz ist sehr fortschrittlich. Aber seine Umsetzung ist in der Praxis nicht so leicht, weil die verschiedenen Aufgaben nicht für alle den gleichen Wert haben.

Heute haben Mädchen und Knaben gleiche Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, und sie möchten diese auch möglichst gut entwickeln und nutzen können. Das geht problemlos solange die Paare kinderlos sind. Wenn aber Betreuungspflichten dazukommen, dann wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwierig. Glücklich sind diejenigen, die auf eine zuverlässige Unterstützung innerhalb der Familie zählen können, auf Eltern, Schwiegereltern oder sonstige Hilfen. Die meisten berufstätigen Frauen und auch zunehmend Männer, die Kinder betreuen oder Eltern pflegen, möchten aber mit einer Teilzeitstelle oder im Jobsharing diesen wichtigen Aufgaben selber besser gerecht werden. Es ist auch eine Tatsache, dass immer weniger Frauen bereit sind, nach absolvierter Ausbildung auf eine Berufstätigkeit zugunsten der Familie vollständig zu verzichten. In vielen Berufen ist es aber auch gar nicht mehr möglich, dass eine Frau eine mehrjährige Familienpause macht, da sie sonst wegen der enormen technischen Entwicklung den Anschluss völlig verpasst. Diesen veränderten Rahmenbedingungen sollte die Arbeitswelt vermehrt Rechnung tragen.

 

Ich habe kürzlich im Nachbarkanton ein junges Unternehmen besucht, das sich durch die optimale Möglichkeit für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auszeichnet. Und ich war beeindruckt. Lediglich 10 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind kinderlos. Das Rezept dahinter: Flexibilität und Eigenverantwortlichkeit. Der Firmengründer erwartet viel von seinen Angestellten, im Gegenzug bietet er Hand für individuelle Lösungen. Es ist ein Geben und Nehmen, das sich bewährt. So arbeitet beispielsweise eine zweifache Mutter jeweils einen Tag pro Woche von zu Hause aus, weil sie an diesem Tag die Betreuung ihrer Kinder nicht sicherstellen konnte. Sind die Kinder krank, stört sich der Chef nicht am Fernbleiben seines Mitarbeiters. «Die Familie geht vor», sagte er mir. Die Arbeit könne auch von zu Hause erledigt werden, am Abend zum Beispiel. Derzeit ist die Firma daran, die firmeneigene Kindertagesstätte zu realisieren.

Mir ist bewusst, flexible und massgeschneiderte Arbeitszeitmodelle sind nicht in jedem Unternehmen umsetzbar, aber in den allermeisten. Eigentlich wird das im Gewerbealltag und bei vielen Wirtefamilien schon bereits seit Generationen vorgelebt.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für alle ein Gewinn. Es ist keine Geringschätzung der Hausarbeit, im Gegenteil: zuhause braucht es zusätzliche Qualitäten: Kochen und gleichzeitig Tränen trocknen sowie Aufgaben kontrollieren, ist wahres Multitasking. Als Krisenmanager ist man in einer Familie täglich im Einsatz, ebenso als Mediator. Wer einen Haushalt managen kann, der wird den Überblick auch im Berufsleben nicht so schnell verlieren. Erst, wenn all diese zu Hause erworbenen sozialen, sach- und fachlichen Kompetenzen als Gewinn für berufliche Karriere anerkannt werden, dürfte der Stellenwert der unbezahlten Arbeit steigen und die Bereitschaft zum Job-Sharing wird viel grösser.

Das braucht aber ein Umdenken: Hausarbeit und Kinderbetreuung sollten als «echte» Arbeit gelten. Kinder sind schliesslich auch Arbeitgeber – und wie!

Text: Christine Egerszegi-Obrist

Christine Egerszegi-Obrist ist Ständerätin der FDP im Kanton Aargau.

Die Politikerin ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Mellingen (AG).

In ihrer Freizeit geniesst sie vor allem ihre fünf Enkel.

Ab sofort gibt es auf familienleben.ch eine wöchentliche Kolumne zur Familienpolitik mit den vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).


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Kommentare

  • WEIBEL August 25.07.2010 14:49 Uhr
    Sehr geehrte Frau Egerszegi
    Ihre Ausführungen sind wunderbar aus dem Alltag einer sorgenden und liebevollen Mutter/Grossmutter. Kinderverständnis bedeutet nicht, diesen jeden Wunsch zu erfüllen. Konsequente Erziehung ist gefragt, denn zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland!

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