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In Diskussionen fällt mir auf, wie wenig Unbeteiligte über unsere Volksschule wissen. Dabei wird sie seit Jahren «umgebaut». Zum «Umbauen» gehören Abreissen, Planen, neu Aufbauen. Dass das Abreissen voll im Gang ist, wird von niemandem bestritten. Dass etwas aufgebaut werden soll, davon lesen wir jeden Tag in den Medien. Leider fast nur aus der Feder von denen, die sich die Neuerungen ausgedacht und sie installiert haben, und diese haben logischerweise kaum ein anderes Interesse, als das Neue zu loben und dessen Mängel zu verschweigen.
Silvia Blocher, Familienpolitikerin der SVP.
Was ist die Aufgabe der Schule?
«Volksschule» soll ja wohl eine Schule sein, die dem Volk, also allen Schülern, offen steht. Diese Schule sollte ihren Schülern wichtige Wissensgebiete vermitteln und sie in allen Fertigkeiten ausbilden, die sie im späteren Leben als Erwachsene benötigen und die sie sich nicht selber aneignen können. Dazu gehören die traditionellen Fertigkeiten wie Lesen, Rechnen, Schreiben, Handarbeiten. Aber auch logisches Denken, Selbständigkeit, Pünktlichkeit, Ausdauer, Fleiss gehören dazu, Freude an der eigenen Leistung, Selbstvertrauen, die Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden und zu meistern. Wichtig ist die Verantwortung im Umgang mit anderen Menschen und mit der Umwelt, Verantwortung auch sich selbst und seinen Aufgaben gegenüber. Natürlich kann die Verwirklichung dieser Bildungsziele nicht allein der Schule überlassen werden. Im Gegenteil, sofern sie über die traditionellen Fertigkeiten hinausgehen, sind sie zuallererst von den Eltern anzustreben.
Soweit zur Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? In der landläufigen Vorstellung gehen unsere Schüler in ein Schulzimmer, wo sie von einer Lehrkraft vor allem in Rechnen und Sprache unterrichtet werden. Doch dies ist falsch:
Wo ist der Klassenlehrer?
Längst werden unsere Schüler nicht mehr von einem Klassenlehrer betreut, in den meisten Fällen sind es mindestens zwei Lehrerinnen, die sich diese Aufgabe teilen. Diese Aufteilung ist gewollt: die Lehrerbildung versteht sich heute als Ausbildung zum Fachlehrer. Das Klassenlehrermodell in der Primarschule ist in den Augen der Erziehungsdirektionen veraltet. Dass die heutigen Kinder, die oft aus Patchwork- oder Einzelerzieher-Familien kommen, auf eine stabile Beziehung zur Lehrperson besonders angewiesen wären, wird vergessen.
Eine Vielzahl von Pädagogen
Bereits in der Primarschule kommen zu den zwei Hauptlehrern zusätzlich zwei Lehrkräfte für die beiden Fremdsprachen Englisch und Französisch, je eine für Musik, für Turnen, für Schwimmen, dazu eine Heilpädagogin, eine Logopädin, eine Lehrkraft für Fremdsprachige und eine oder mehrere Lernhilfen. Selbstverständlich sind auch ein Psychologe und eine Schulsozialarbeiterin für das Wohl der Klasse verantwortlich. Acht bis zehn verschiedene Lehrkräfte sind bereits in der ersten Klasse keine Seltenheit mehr. Dass sich all diese Lehrkräfte untereinander absprechen müssen, erklärt die vielen Sitzungen und den immensen administrativen Aufwand der Lehrpersonen.
Das Lernen und Lehren wurde erschwert
Neu wurde letztes Jahr im Kanton Zürich auch der «integrative Unterricht» verbindlich eingeführt. Diese rein ideologisch motivierte Reform verstärkt die Unruhe in den Klassen noch mehr, so dass sowohl normal begabte Schüler als auch solche mit Lerndefiziten noch mehr Mühe haben, sich den Lernstoff anzueignen. Und die Lehrer werden von der ganzen Betriebsamkeit und Organisation so überfordert, dass sie ihre eigentliche Lehrtätigkeit nur noch beschränkt ausüben können.
Text: Silvia Blocher
Silvia Blocher ist ausgebildete Primarlehrerin. Als Mutter von vier Kindern und Grossmutter von sieben Enkeln waren Kinder seit jeher Teil ihres Lebens. Wohlergehen, Erziehung in Familie und Gesellschaft und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sind ihr ein grosses Anliegen.
Sie hat sich dazu in verschiedenen Kolumnen, Vorträgen und Fernseh-Auftritten geäussert, wobei sie sich auch kritisch mit den schulischen Neuerungen auseinandersetzt, welche sie bei Schulbesuchen und Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schulbehörden verfolgt.
Ab sofort gibt es auf familienleben.ch eine wöchentliche Kolumne zur Familienpolitik mit den vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).
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Kommentare
Sie lassen von vier Politikerinnen Kolumnen schreiben, welches politische Amt bekleidet denn Frau Blocher? Frau Blocher mit den andern drei Beteiligten auf eine Stufe zu stellen ist doch etwas gewagt!
Ja, es gibt fürwahr viele viele erschreckende schulische Angelegenheiten, wenn man schulpflichtige Kinder hat. Das beginnt bei der Überpsychologisierung mit den duzenden von Fachstellen die ausgelastet werden wollen, den Hilfs-Lehrerinnen, die notabene meistens Mütter und Teilzeit-Kräfte sind und einfach gerne wieder ein bisschen arbeiten möchten, bis hin zu der Tatsache, dass über 50% der Kinder private Nachhilfestunden besuchen. Ach ja und wenn Sie einen Knaben haben, sollte der sich möglichst wie ein Mädchen verhalten, damit die Lehrerin den Unterricht "harmonischer" gestalten kann. Knaben passen nicht so richtig in's Aufwand optimierte System. Irgendwann begreift man dann die Lehrerin, denn sie weiss ja auch, dass sie eine eher zähe Karriere vor sich hat und sich hoher persönlicher Einsatz nicht auszahlt, wenn sie aber ihren Aufwand minimiert, dann hat sie immerhin mehr Frei und weniger Aerger. Bei diesem System ist es nur logisch, dass die jungen Lehrerinnen rasch von den älteren lernen und Aufwand-Minimierung, statt Qualität-Maximierung betreiben. Und wenn wir grad bei "System" sind, schon mal eine Lehrerin gefragt, wie viele Stunden "Lernmethodik / Kommunikation / Präsentation oder Lerntypen gerechtes Vermitteln" sie am Lehrer-Seminar hatten? Fallen Sie nicht vom Stuhl, aber das scheint komplett unwichtig zu sein. Da spricht man von so vielen Dingen, die eine Lehrperson heute können muss - ich wäre froh, sie würden ihre Job-Basics beherrschen, dann wäre alles okay.
Dieser Artikel über die öffentliche Schule spricht genau die Schulproblematik in der heutigen Zeit an.Wir Eltern und vorallem unsere Kinder sind der Staatsschule einfach ausgeliefert,es sei denn man könne sich eine Privatschule leisten.Bei uns im Dorf Niederbipp(BE) lässt vieles in der Schule zu wünschen übrig...Die Kinder lernen die deutsche Rechtschreibung nicht mehr(mit einem Diktat und zwei Aufsätzen in einem Schuljahr ist das auch kein Wunder..)und dann wundert man sich darüber, wenn Jugendliche keine Bewerbung mehr schreiben können...Bei einem so schwammigen Lehrplan, wo alles dem Lehrer frei überlassen ist, wieviel er mit den Kindern Diktate oder Aufsätze schreiben will...ist das auch kein Wunder!Es fehlen klare Richtlinien auch werden in der Schweiz nur die Lernschwachen gefördert so steht im Lehrplan nur ein Hausaufgabenmaximum,welches zeitlich nicht überschritten werden darf.Wenn ein Kind in der fünften und sechsten Klasse fast keine Hausaufgaben hat und das Lernen nicht gelernt hat, so frage ich mich wie es in der Sekundarschule die vielen Hausaufgaben bewältigen kann.Auch frage ich mich bei so vielen freien Tagen für Lehrerfortbildung während der Schulzeit,keinen Hausaufgaben und den vielen Ferein (4Wochen Frühlingsferien)warum die Lehrerfortbildung und Kollegiumstage nicht in den Ferien oder über die Auffahrtsbrücke stattfinden, wenn die Kinder sowieso schon frei haben.Ernsthaft frage ich mich, wann unsere Kinder an dieser Schule noch den Schulstoff lernen.Ich als Mutter habe gelernt, dass Reden mit der Lehrerin,mit der Schulleitung und mit der Inspektorin nichts nützt und so sind wir bis ans Ende der Schulzeit (9.Schuljahr) dieser Schule einfach ausgeliefert.Dazu kommt noch der Lehrermangel,welcher die Situation noch verschärft.Es wird also jeder Lehrer einfach angestellt,egal ob er geeignet ist oder nicht.In der Privatwirtschaft würde einer Person, welche ihre Arbeit nicht erledigt oder nicht geeignet ist einfach gekündigt.
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