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Die Pflege von Angehörigen muss durch Förderung der Familienpflegezeit unterstützt werden, damit Kinder ihre Eltern und Grosseltern besser betreuen können. »
Gut, wird es wieder mal gesagt: Ohne den Einsatz der Grosseltern in der Kinder- und Altersbetreuung ginge in unserer Gesellschaft nichts mehr. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass sich Grosseltern alleine für die Kinder- sprich Enkelbetreuung rund 100 Millionen Stunden pro Jahr engagieren. Das entspricht einem Wert von rund 2 Milliarden. Diesen Betrag müssten die Eltern für die Betreuung der Kinder aufwenden, wenn sie die Grosseltern entschädigen wollten.
Jacqueline Fehr. Nationalrätin der SP im Kanton Zürich.
Doch die Grosseltern arbeiten in der Regel gratis. Nicht nur bei der Kinderbetreuung, sondern auch in der Pflege von Angehörigen. Auch hier gibt es Schätzungen zum Umfang: Das Bundesamt für Statistik geht davon aus, dass Rentnerinnen und Rentner rund 25 Millionen Stunden unbezahlte Pflegearbeit verrichten. Das wären rund 13'000 Vollzeitjobs mit Kosten pro Stelle von rund 100'000 Franken. Pensionierte pflegen ihren Partner, ihre Geschwister und oft auch ihre eigenen Eltern. Gerade in den jüngeren Grosselternjahren kann die Belastung sehr gross werden. Dann nämlich, wenn auf der einen Seite Enkelkinder zu betreuen sind und auch der anderen Seite die eigenen Eltern pflegerische Unterstützung brauchen.
Den weitaus grössten Teil dieser Betreuungs- und Pflegearbeiten übernehmen die Frauen. Männer im Rentenalter engagieren sich stärker in Kultur- und Sportvereinen, wobei dort die Präsenz der Frauen ebenfalls stark ist. Alles in allem ist klar: Das Engagement der Menschen in der dritten Lebensphase ist für unsere Gesellschaft unersetzlich.
Damit stellt sich natürlich die Frage nach der Zukunft. Was können wir beitragen, dass die Bereitschaft zum Einsatz für die Gemeinschaft bei den Rentnerinnen und Rentnern auch künftig vorhanden ist? Wo müssen wir andere Lösungen suchen? Wer denkt hier voraus?
Eines scheint mir klar: Wenn wir auch künftig auf das Engagement der älteren Menschen zählen wollen, braucht es mehr Anerkennung und Wertschätzung dieser grossartigen Leistung. Ältere Menschen nur als Last hinzustellen, ist nicht nur unethisch, sondern auch falsch. Wertschätzung drücken wir in unserer Haltung aus, aber auch in den Angeboten, die wir diesen Menschen zum Beispiel im Bereich Weiterbildung machen.
Dabei dürfen wir nicht übersehen: In einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen kinderlos bleiben, wird sich die Freiwilligenarbeit innerhalb der Familie stark reduzieren. Ob es uns gelingt, Rentnerinnen und Rentner dafür zu gewinnen, über den Familienkreis hinaus ehrenamtlich tätig zu sein, kann heute niemand sagen. Wenn uns das aber nicht gelingt, stehen wir vor einem neuen Professionalisierungsschub im Betreuungs- und Pflegebereich. Sind wir dafür vorbereitet?
Ohne die riesige Freiwilligenarbeit der Menschen in der dritten Lebensphase würde unsere Volkswirtschaft nicht funktionieren. Tragen wir dazu Sorge!
Text: Jacqueline Fehr
Jacqueline Fehr ist Vizepräsidentin der SP Schweiz, Nationalrätin für den Kanton Zürich und eine der profiliertesten Bildungs- und Familienpolitikerinnen der Schweiz. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Winterthur.
Eine ihrer neuesten Publikationen ist das Buch «Schule mit Zukunft», das die umstrittensten Punkte der Bildungsdebatte thematisiert. Mehr dazu erfahren Sie hier: «Die Vision einer Schule der Zukunft»
Ab sofort gibt es auf familienleben.ch eine wöchentliche Kolumne zur Familienpolitik mit den vier Schweizer Politikerinnen Jacqueline Fehr (SP), Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Silvia Blocher (SVP) und Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

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