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Auch für den Mann ist in der Schwangerschaft vieles neu, aufregend und vielleicht zum Teil beängstigend. Manche zukünftigen Väter entwickeln gar ähnliche Schwangerschaftssymptome wie ihre Frauen: Der Bauch wird dicker, Stimmungsschwankungen sind keine Seltenheit. Die Wissenschaft hat dafür einen Namen: Couvade-Syndrom.
Manche Männer können sich sehr gut in ihre schwangere Partnerin und ihre Gefühlswelt hineinversetzen. Foto: iStockphoto, Thinkstock
Der Bauch wird dicker, die Morgenübelkeit verleidet das Frühstück, die Gefühle schwanken zwischen ekstatischer Freude und sorgenvollem Grübeln. Typische Symptome einer Frau in der Schwangerschaft? Ja, aber dies können auch Symptome eines zukünftigen Vaters in der Schwangerschaft sein. Manche werdenden Papas erleben die Schwangerschaft nicht nur durch ihre Frau sondern am eigenen Körper.
Rund ein Viertel der Männer sind von derartigen Schwangerschaftssymptomen betroffen, berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin Focus. Dieses Phänomen wird als Couvade-Syndrom bezeichnet, wobei der Name vom französischen Wort «couver» (brüten) abgeleitet wurde.
Die Bremer Diplompsychologin Ulrike Hauffe stellte bei einer Untersuchung an 150 Männern eine durchschnittliche Gewichtszunahme von vier Kilos in der Schwangerschaft fest. Doch woher kommen diese männlichen Babybäuche? Kann es daran liegen, dass sich der Lebensrhythmus eines Paares verändert, wenn die Frau schwanger ist? Statt vieler Unternehmungen lassen es Schwangere besonders mit zunehmender Schwangerschaft immer langsamer angehen. Je grösser der Bauch um so mehr Abende verbringt sie wahrscheinlich ruhig auf dem Sofa und der Partner schliesst sich an.
Dies ist sicher eine Erklärung für die Gewichtszunahme der zukünftigen Väter. Bei den Männern, die vom Couvade-Syndrom betroffen sind, geht es mit der «Sympathieschwangerschaft» aber noch weiter. Eine britische Studie konnte Hormonverschiebungen bei diesen werdenden Vätern nachweisen. Die Menge der Hormone Östradiol, Testosteron und Cortisol würden sich bei den Männern verändern, ganz ähnlich wie bei ihren tatsächlich schwangeren Partnern. Eine Theorie für die Hormonschwankungen bei den Vätern ist, dass die Frauen in der Schwangerschaft Sexuallockstoffe aussenden, die sich auf den Hormonhaushalt des Mannes auswirken. Eventuell könnte dies dafür sorgen, dass aus dem Mann ein fürsorglicherer Vater wird. Durch die hormonellen Veränderungen kann auch für den Vater schon eine enge Bindung zu dem ungeborenen Baby entstehen.
Es wird weiterhin vermutet, dass hinter den Symptomen des Couvade-Syndroms psychosomatische Gründe stecken könnten. Zum einen handelt es sich um ein Mitfühlen und Mitleiden, wenn es dem Mann ebenfalls übel ist. Besonders sensible Männer , die sich gut in andere einfühlen können, können auf diesem Weg unbewusst mehr Nähe und Anteilnahme an der Schwangerschaft der Frau erreichen wollen. Schliesslich bedeutet auch für den zukünftigen Vater die Schwangerschaft eine Zeit der Umstellung. Ein Gedanke, an den sich der Mann erst gewöhnen muss. Im Couvade-Syndrom findet dies seinen körperlichen Ausdruck.
Zum anderen wird eine Art Gebärneid als Ursache genannt. Männer würden auf diese Art kompensieren, dass sie selbst nie ein Kind austragen und gebären können.
Auch die Nervenforschung hat eine Erklärung für das Syndrom: Spiegelneuronen sind Nervenzellen, die sozusagen wie in einem Spiegelbild die Handlungen durchführen, die gerade gesehen werden. In diesem Fall heisst das also, dass der zukünftige Vater die Schwangerschaftssymptome bei seiner Frau wahrnimmt und seine Spiegelneuronen dann diese Symptome bei ihm auslösen.
Die Gründe für die männliche Schwangerschaft können vielfältig sein. Tatsache ist, dass es für den zukünftigen Vater in unserer Gesellschaft nicht immer ganz leicht ist, seinen Platz zu finden. Er will seine Partnerin unterstützen und muss sich gleichzeitig an den Gedanken gewöhnen, dass nun viele Veränderungen auf ihn zukommen. Für die schwangere Frau, die ihr Kind schon im Mutterleib fühlen kann, ist es in mancher Hinsicht einfacher, sich bereits während der Schwangerschaft auf die neue Situation einzustellen und eine Bindung zu dem Baby aufzubauen.
Immerhin ist es heute recht selbstverständlich, dass der Mann bei einem Ultraschall, Geburtsvorbereitung oder auch der Geburt selbst mit dabei ist. Mit oder ohne Couvade-Syndrom kann es für den werdenden Vater dadurch einfacher sein, schon von Anfang an, eine Beziehung zu seinem Nachwuchs aufzubauen.
Hier können sich zukünftige Väter auf ihre neue Rolle vorbereiten:
Autor: Julia Wohlgemuth
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