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Stillen bis zum zweiten Lebensjahr? Mit Gemüse oder Obst die Beikost einführen? Das Beste für das Kind ist häufig Ansichtssache. Das gilt in der Babyernährung nur bis zu einem bestimmten Grad. Studien haben gezeigt, was wirklich gut für das Kind ist. An einer Fachtagung stellten Experten die wichtigsten Ergebnisse vor.
Experten empfehlen Kinder die ersten vier bis sechs Monate zu stillen und erst danach Breimahlzeiten einzuführen. Foto: iStockphoto, Thinkstock
Eigentlich sei es ganz einfach. Zumindest die ersten Monate, sagte Professor Christian Braegger vom Kinderspital Zürich an der Fachtagung der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung im September. «In der Muttermilch ist alles drin, was das Kind braucht.» Deshalb empfehlen Experten wie Braegger beim Thema Babyernährung das Kind in den ersten vier bis sechs Monaten ausschliesslich zu stillen.
Doch auch wenn der Grundsatz «Breast is best» vielen Eltern einleuchtet, im Alltag sei das nicht immer so einfach, gab sein Kollege Dr. Peter Bähler, Facharzt für Kindermedizin am interkantonalen Spital in Payerne, zu bedenken. Er denke da vor allem an Mütter, die nach 14 Wochen Mutterschaftsurlaub wieder zurück an den Arbeitsplatz müssen. Stillen sei häufig nicht mehr realisierbar.
«Die Mütter unter Druck zu setzen, ist nicht fair», fand Christian Braegger. Falls das Baby nicht oder nicht ausschliesslich gestillt wird, sollte in den ersten sechs Monaten Säuglingsanfangsnahrung verwendet werden. Beide Experten bescheinigten der industriell hergestellten Milch eine sehr gute Qualität. Dennoch: Studien haben gezeigt, dass gestillte Kinder von vielen Vorteilen profitieren.
Kinder, die gestillt wurden, haben weniger Infektionen. Studien legen zudem nahe, dass das Allergie- und Übergewichtsrisiko sinkt. Wissenschaftler vermuten, dass Stillen sogar einen Einfluss auf das Leukämierisiko hat. Eine Studie aus Weissrussland mit rund 18.000 Kindern kam zum Schluss, dass sich Stillen positiv auf die Intelligenz eines Kindes auswirkt. Die gestillten Kinder aus der Untersuchung hatten bei Einschulung einen um bis zu 6 Punkte höheren IQ als nicht gestillte. Wer stillen kann, sollte sich an die Empfehlung der Experten halten und dem Baby in den ersten sechs Monaten ausschliesslich die Brust geben.
In ihren Referaten machten Braegger und Bähler auf einen weiteren entscheidenden Faktor in der Babyernährung aufmerksam: Kuhmilch. In ihr steckt bekanntlich viel Eiweiss und Kalzium. Jeder weiss: «Quark macht stark.» Doch bei Babys im ersten Lebensjahr bewirken Kuhmilchprodukte genau das Gegenteil. Säuglinge können eine Eisenmangelanämie entwickeln, wenn sie vor dem 1. Geburtstag regelmässig Kuhmilch oder Kuhmilchprodukte getrunken und gegessen haben. «Die frühzeitige Umstellung auf Kuhmilch hat den stärksten negativen Einfluss auf den Eisenstatus, wobei jeder Monat mit überwiegender Kuhmilch-Ernährung das Risiko zur Entwicklung eines Eisemnagels um 39 Prozent erhöht», weist Peter Bähler auf Studienergebnisse hin. Denn Kuhmilch enthält nur wenig Eisen und das enthaltene Eisen kann nur schlecht vom Körper aufgenommen werden. Eisenmangel macht müde, führt zu Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten.
Hinzu kommt, dass Milch von Kühen für die Verdauung eines Säuglings zu viel Eiweiss und Kalzium enthält. Die Nieren des Babys haben extra Arbeit und müssen das überschüssige Kalzium wieder ausscheiden. Aus diesen Gründen empfehlen Peter Bähler und Christian Braegger Kuhmilch nicht vor dem 2. Lebensjahr zu geben. Das gilt auch für die Milchprodukte Quark und Käse.
Auch wenn Kuhmilch im ersten Lebensjahr nicht auf den Speiseplan gehört: Bei anderen Lebensmitteln haben Eltern umso mehr Freiheit. Lange Zeit galt es, eine bestimmte Reihenfolge und Auswahl von Lebensmitteln bei der Einführung der Beikost einzuhalten. Das sei ernährungsphysiologisch nicht entscheidend, erklärte Christian Braegger.
Entscheiden Sie selbst, ob sie mit einem Gemüse, einem Getreide- oder mit einem Früchtebrei beginnen. Wichtig ist, dass Sie nicht vor dem fünften Monat mit dem Brei anfangen. Das würde die Nieren des Säuglings belasten. Beginnen Sie aber spätestens im siebten Monat mit der Beikost. Denn ab diesem Zeitpunkt kann die Muttermilch den Nährstoffbedarf des Babys nicht mehr decken. Die Experten Bähler und Braegger empfehlen die ersten vier bis sechs Monate ausschliesslich zu stillen und zwischen fünftem und siebten Monat mit Breimahlzeiten ergänzend zum Stillen anzufangen.
Gesunde Kinder zeigen zudem, wann sie selbst psychomotorisch reif für den ersten Brei sind: Sie öffnen den Mund selbstständig, wenn Eltern sich mit einem Löffel nähern. Ihr Ausspuck-Reflex verschwindet. Die ersten Zähne brechen durch. Sie können mit wenig Hilfe aufrecht sitzen und den Kopf über mehrere Minuten aufrecht halten.
Wenn Babys bestimmte Lebensmittel zu Beginn nicht essen wollen, heisst das nicht, dass sie diese definitiv nicht mögen. Christian Braegger hat einen einfachen Tipp: «Bieten Sie die Lebensmittel immer wieder an.» Das Kind müsse sich an das Neue gewöhnen. Hilfreich ist es, wenn Eltern ein gutes Vorbild sind und gemeinsam mit den Kindern auch neue Gerichte ausprobieren.
Weitere Informationen erhalten Sie im Merkblatt zur Babyernährung der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE unter www.sge-ssn.ch
Autor: Angela Zimmerling im September 2012
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