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Kommentar - Am Sonntag stimmen wir darüber ab, ob die musikalische Bildung in der Verfassung verankert werden soll. Musikalische Förderung sollte für alle Kinder möglich sein, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Diese Idee unterstützen wir und empfehlen aus den folgenden Gründen ein JA.
Wer ein Instrument spielen lernt, schult seine Konzentration. Foto: Fuse, Thinkstock
Musik fördert die Intelligenz und die soziale Kompetenz junger Menschen. Das ist eines der Hauptargumente der Befürworter der inzwischen zurückgezogenen «Jugend + Musik» Initiative. Besonders das aktive Musizieren spiele dabei eine entscheidende Rolle, sagen sie. Die Präsidentin des Initiativkomitees Christine Egerszegi-Obrist ist davon überzeugt, dass Musizieren grundlegende Fertigkeiten fördert, die im Alltag und Beruf von grösster Bedeutung sind: «Fleiss, Durchhaltewillen, Auftreten, Sozialkompetenz und Offenheit gegenüber Neuem», schreibt sie in ihrer Kolumne für unsere Plattform.
Stimmen diese Argumente wirklich? Macht Musizieren tatsächlich intelligent? Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich sagte dem Schweizer Radio DRS: «So einfach kann man das auf keinen Fall sagen. Indem sie lernen Flöte zu spielen, werden sie nicht zwingend Differentialgleichungen besser lösen.» Dennoch habe Musik zahlreiche positive Auswirkungen. Beim Rhythmuslernen beispielsweise sind die gleichen Hirnbereiche gefordert wie beim Sprachenlernen. So wird die Sprache mit trainiert. Jäncke weiss, dass Kinder, die eine gute Musikförderung erhielten, zudem etwas schneller Fremdsprachen lernen.
Eine deutsche Studie zeigt, dass eine intensive musikalische Ausbildung die Aufmerksamkeit und Konzentration verbessert. Und, die Studie um Hirnforscher Ernst Pöppel weist daraufhin, dass Musizieren das Sozialverhalten verbessert. Alle Musikschüler haben gute Voraussetzungen echte, tiefgehende und dauerhafte Beziehungen zu knüpfen.
Die Autoren weisen in diesem Zusammenhang auf ein erfolgreiches musikalisches Projekt an einer deutschen Primarschule mit hohem Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund und von Alleinerziehenden hin. Durch den gemeinsamen Perkussionsunterricht wurde das Aggressionspotenzial abgebaut. Die Kinder erlernten soziale Kompetenzen wie Zuverlässigkeit, Fairness und die Fähigkeit zur Integration.
Doch es gibt ein grosses Problem. Musikalische Bildung kostet. In Zürich zahlen Eltern für den wöchentlichen 50-minütigen Instrumentalunterricht ihrer Kinder 915 Franken pro Semester, in Basel 786 Franken, in Bern für 40 Minuten 820 Franken. Hinzu kommen Kosten für das Instrument: Blockflöten gibt es ab 100, ein Klavier ab 5500 Franken. Ausserdem müssen Noten gekauft werden. Christine Egerszegi-Obrist hats ausgerechnet: «Für ein Kind bezahlen die Eltern je nach Wohnort zwischen 1500 und 2400 Franken pro Jahr».
Da in vielen Familien die finanziellen Mittel zur Förderung der musikalischen Bildung der Kinder fehlen, »sollten alle Kinder ab Schulbeginn die Chance erhalten, eine musische Ausbildung zu geniessen», schreibt Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz in ihrer Kolumne für familienleben. Wir können da nur zustimmen.
Gerade diesen Aspekt der Chancengleichheit sollten wir beim Streit, ob nun der Bund oder die Kantone die Kompetenz erhalten sollen, sich für einen hochwertigen Musikunterricht an den Schulen einzusetzen, nicht aus den Augen verlieren. Wer letztlich festlegt, wie viele Musikstunden es braucht, ist zweitrangig. Hauptsache ist, dass alle Schüler unabhängig vom Wohnort oder der finanziellen Situation die Chance auf einen guten Musikunterricht bekommen, sei es in der Schule, an Musikschulen oder in einem Musikverein.
Die Aufnahme des Artikels zur Musikalischen Bildung, wie er im Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Initiative «Jugend + Musik» festgehalten ist, in die Verfassung ist deshalb der erste wichtige Schritt. Und es wird der einfachste sein. Dafür braucht es nur ein JA am Sonntag.
Autor: Angela Zimmerling am 20. September 2012

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