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Das Kinderbuch hat im Computerzeitalter grosse Konkurrenz. Doch es ist immer noch das beste Lesemedium, um sich Lesekompetenz fürs spätere Aneignen von Wissen, die Karriere, aber auch fürs Surfen, Mailen und Chatten zu erwerben. Viele Angebote helfen, die Lust am Lesen zu fördern. Und: Bücher müssen nicht teuer sein.
Lesen ist in. Schülerinnen und Schüler verbringen in ihrer Freizeit im Schnitt etwas mehr als drei Stunden pro Woche mit Bücherlesen.
Lesen lernt man nur durch Lesen. Wortschatz übrigens auch. Auch wenn das Buch heute nicht mehr als Lesemedium schlechthin gilt - bei einem Teil der Lektüre ist es unabdingbar. Gut deshalb, wer schon früh an das Buch gewöhnt werden kann. Aber geben Sie Ihrem Kind nun um Himmels Willen nicht gleich ein Lexikon in die Hand. Wichtig ist, dass die thematischen Interessen der Kinder und Jugendlichen bedient werden. Wenn Sie nun glauben, dass Kinder lieber spielen sollen und ihnen das Lesen die Kindheit verdirbt, irren Sie sich. Viele Kinder lernen gern lesen. Der Beweis: In einer Studie von 1992 konnten mehr als die Hälfte der Erstklässler bei der Einschulung bereits lesen - 70 bis 80 Prozent haben ohne elterliche Förderung das Lesen gelernt.
Trotz Pisa-Studie, die der Schweizer Jugend nur eine durchschnittliche Lesefähigkeit bescheinigt (Pisa steht für Programme for International Student Assessment), verschlingen Mädchen heute immer noch gerne die Abenteuer des Araberhengstes Fury und eine um die andere Liebesgeschichten, Jungs kämpfen sich im Geist Seite an Seite mit dem Held der Geschichte durch Drachen- und Rittergeschichten. In den Köpfen der Kinder bilden all diese Geschichten Welten, in die sie versinken und die ihre Fantasie und Identitätsbildung fördern. Denn sie fiebern mit, sie empfinden mit. Und lernen dadurch nicht zuletzt auch etwas fürs Leben: den kompetenten Umgang mit der Sprache. Übrigens: Sollten Sie Qualitätsansprüche an die Lektüre Ihres Nachwuchses stellen, sind diese zwar wichtig, aber letztlich doch zweitrangig - selbst Comics können einen wertvollen Beitrag zur kognitiven und sprachlichen Entwicklung der Kinder leisten.
Die Toleranz dem kindlichen Lesegeschmack gegenüber ist von grosser Bedeutung.
Besonders Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien und solchen mit Migrationshintergrund bleiben allerdings statistisch gesehen eher vom Lesevergnügen ausgeschlossen. Zu oft mangelt es an lesenden Vorbildern, an Möglichkeiten an Bücher für Kinder heran zu kommen, an Leseförderung. Was tun, damit das eigene Kind von den Vorteilen der Kulturtechnik Lesen profitieren kann? "So früh wie möglich anfangen", decken sich die Meinungen der verschiedenen Experten. Wer sich keine eigenen Bücher leisten kann, kann auch schon früh Bibliotheken nutzen, den Kindern vorlesen und sie Bilderbücher aussuchen lassen. Denn Bibliotheken führen heute auch schon Bücher für die Kleinsten. Einige Bibliotheken führen auch Kinderbücher auf Albanisch, Türkisch, Italienisch. Zudem gibt es intelligente Bücher, die auch Kindern mit Leseschwierigkeiten Spass machen. Fragen Sie einfach in der Bibliothek oder Buchhandlung Ihrer Wahl danach. Und noch ein Tipp zum Sparen: Tauschen Sie Bücher, real oder über das Internet. Die Bücher sind gratis, die Portokosten machen Sie nicht arm und eine Bibliothek müssen Sie auch nicht aufbauen.
Die These, je grösser die Bibliothek im Elternhaus, desto grösser die Chance, dass der Nachwuchs zum Buch greift, stimmt nämlich nur bedingt. Der Zusammenhang ist zwar wissenschaftlich belegt, der Besitz von Büchern macht die Wirkung aber noch nicht aus. Wichtiger ist ein bestimmtes Leseklima: Das Vorlesen von Geschichten, das Sprechen über Bücher und auch die Toleranz dem kindlichen Lesegeschmack gegenüber. Auch führen gleiche Lesebedingungen nicht immer zum gleichen Ergebnis.
Gefürchtet ist der Leseknick. Er setzt oft mit 9 oder 10 Jahren ein. Experten erklären ihn so: Nach der ersten Begeisterung gegenüber Geschichten, einfachen Texten und Kinderbüchern folgt plötzlich eine Enttäuschung, weil die Texte schwieriger werden und das Lesen mühseliger, sagt Andrea Bertschi-Kaufmann, Leiterin des Zentrums Lesen, gegenüber dem St. Galler Tagblatt. Es ist deshalb wichtig, dass man dem Kind Textvereinfachungen erlaubt und ihm auch dann noch vorliest, wenn es selbst schon lesen kann. Auch wenn es die gleiche Geschichte zum dritten Mal vorgelesen haben will - gönnen Sie ihm den Spass. So übt es sich in das Verstehen ein, vergrössert seinen Wortschatz und lernt, ohne dass Sie es merken, auch gleich noch etwas über Satzstellung, also Grammatik.
Sie müssen nicht unbedingt gleich eine Lese-Krabbelgruppe für Ihre Kinder und die Kinder aus der Nachbarschaft gründen, auch wenn dies eine sehr gute Idee wäre. Für die Lesemotivation Ihres Zöglings zentral ist nämlich einfach Ihr Interesse an seiner Lektüre und seiner Fantasieentwicklung. Kurz: Sprechen Sie darüber und zeigen Sie bitte echtes Interesse. Auch wenn die Ihnen entgegenkommenden Geschichten manchmal in Ihren Ohren etwas seltsam, nicht der bekannten Realität entsprechend, klingen mögen: Hüten Sie sich davor, momentane Fantasielieblinge zu verspotten oder schlecht zu machen oder niemals Zeit für sie zu finden. Lassen Sie diese einen Platz am Familientisch einnehmen - wenn nötig auch real. Die Kinder- und Jugendzeit ist schliesslich dazu da, sich in die Realität einzuüben.
Text: Kathrin Fischer

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