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Thomy Truttmann auf der Bühne: Auch in FloVelo übernimmt er im Alleingang verschiedene Rollen. Foto: privat
Musst du eigentlich deine älteren Stücke jeweils der aktuellen Jugendkultur anpassen?
Wir haben seit zwanzig Jahren ein Stück namens «S Güggelei» im Repertoire, in dem ich als machtgieriger, machohafter Hahn auf einer Schreibmaschine einhacke. Für die Siebenjährigen von heute ist das womöglich ein entfremdendes Bild.
Wird die Schreibmaschine also jetzt durch ein iPhone ausgetauscht?
Nein, das nicht. Wir werden bald aufhören, dieses Stück zu spielen. Die Thematik von «S Güggelei» hätte zwar schon noch einen Aktualitätsbezug, aber nicht mehr das Tempo, das junge Leute dank den neuen Medien gewohnt sind. Irgendwann ist es auch Zeit, sich neuen Geschichten zu widmen.
Die neuen, digitalen Medien haben also auch das Theater beeinflusst. Gehen Kinder überhaupt noch gerne ins Theater, jetzt wo digitale Unterhaltung für sie frei zugänglich ist?
Kleintheater melden immer wieder einen Mangel an Jugendlichen im Theater. Das war aber schon vor dem Facebook-Zeitalter so. Mit Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren haben wir keine Mühe, die gehen noch sehr gerne ins Theater. Für diese Altersklasse gibt es ja viele Schulvorstellungen, die Kinder besuchen müssen – und die ihnen dann meist auch nicht missfallen. Im Gegensatz zu digitaler Unterhaltung ist Theater eben ein greifbares Live-Erlebnis, das man mit bis zu 120 Gleichaltrigen teilen kann.
Dazu schrieb kürzlich ein Journalist vom Züritipp: «Wer schon mal über 60 Kinder gemeinsam in einem Raum erlebt hat, kann die Bedeutung von Gesetzlosigkeit erahnen.»
Höchst selten haben wir eine kritische Situation, was die Aufmerksamkeit der Kinder betrifft. Vielleicht an einer von 150 Vorstellungen. Unsere Stücke gehen aber auch nie länger als eine Stunde. Die Kunst ist inmitten von Tempo, schnellen Wechseln und Action immer noch die Konzentration der Kinder aufrechtzuerhalten. Das ist nicht immer einfach, aber wir haben ja auch viel Erfahrung (schmunzelt).
Welche Projekte werden Sie in nächster Zeit umsetzen?
Zurzeit finden im Kanton Obwalden die Aufführungen des Laienschauspiels «Tschinggä» statt, bei dem ich Regie führe. Es geht darin um die italienischen Gastarbeiter, die zu Beginn der Siebzigerjahre in die Schweiz kamen. Ein solches Projekt beansprucht eine Menge Zeit, sodass ich in der Regel nur bei einem Stück pro Jahr Regie führe. Für das kommende Jahr steht ein Kinderstück an, für das ich wieder auf der Bühne stehe. Das ist gut so, im Moment mache ich das sowieso lieber.
Was erwartet die jungen Zuschauer bei diesem Stück?
Es geht um Werte. Welche Werte gehören heute noch zur Erziehung, welche sind gar kein Thema mehr? Uns ist jedoch klar, dass sich Kinder nicht gerne Moralpredigten anhören – ausser vielleicht vom Samichlaus. Um diese Figur zu benutzen und trotzdem keine Weihnachtsgeschichte zu erzählen, werden wir sie im Sommer ansiedeln. Ja, wie verbringen Samichlaus und Schmutzli denn den Sommer? Wider Erwarten will der gute Samichlaus nur faulenzen und nichts von den Problemen der Kinder wissen, während Schmutzli sich für die Kleinen mächtig ins Zeug legt. Daraus wird ein Abenteuer entstehen, das die Kinder bestimmt unterhält und zum Nachdenken bringt.
Es scheint, als würden in Thomy Truttmanns Kopf noch tausend Theaterideen herumschwirren. Genau wie der zu Beginn des Stückes ängstliche Adler Örjan. will er Neues versuchen und entdecken, immer wieder und selbstironisch. Das sei das Wichtigste im Theater. «Die Zuschauer sind immer erleichtert, wenn Örjan am Ende lernt, durch die Lüfte zu fliegen. Doch sie finden es eben auch lustig, dass er zuerst ein paar Mal auf die Nase fliegt!»
Text und Bild: Sabrina Stallone im Januar 2012
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