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Seit vielen Monaten ist er aktiv, der Gschichtefritz. In Zürich zuhause, erzählt und produziert der Vater, Onkel und Götti fürs Leben gern gute Geschichten. Wie es dazu kam, dass er seine absolut werbefreien Mundart-Geschichten als Hörbuch nicht verkauft, sondern verschenkt, erzählte er familienleben.ch.
Monat für Monat eine neue Geschichte mit Liedern vom Gschichtefritz. Das Besondere: Die Geschichte ist ein Geschenk und mit persönlicher Widmung versehen. Geld dafür geben darf man gerne, muss aber nicht.
Lieber Gschichtefritz, Sie sind ja ein relativ junger Geschichtenerzähler...
Finden Sie? Ich habe halt gern gute Geschichten. Solche, die ich - als ich klein war - auch gern gehört hätte. Das Erfinden von Geschichten ist eine kreative Arbeit, das passt mir sehr. Alles, was ich kann, ist in dem enthalten, was ich seit Ende Februar den Kindern und Familien anbiete.
Wie haben Sie denn Ihre Begabung als Gschichtefritz entdeckt?
Die ersten drei Geschichten entstanden für meinen Neffen Fabian. Als er drei Jahre alt war, bekam er die erste Dino-Geschichte und mit vier Jahren die erste Geschichte mit dem Roboter Beni. Er liebt diese Geschichten. Freunde und Familie waren begeistert. So fing es an ...
Und dann kamen Sie darauf, die Geschichten zu verschenken?
Ja. Wissen Sie, ich bin Informatiker und Musiker. Letztes Jahr wurde ich Vater und machte deshalb eine Berufspause. So hatte ich Zeit, eine ausgeklügelte, voll automatisierte Administration für die Geschichten zu programmieren. Die Bestellungen werden an mein Mobiltelefon geschickt und ich nehme mit diesem die Widmung auf. Diese geht als Voicemail an den Server. Dieser versendet den Link zum Download oder ich brenne die CDs und stecke sie mit dem automatisch gedruckten Lieferschein ins Couvert. So habe ich nicht mehr viel Aufwand mit dem Versand und dem Sprechen der persönlichen Widmung - jede Geschichte wird nämlich mit einer persönlichen Widmung, dem Namen des Kindes und auf Wunsch auch einem Geburtstagsgruss eingeleitet.
Kinder brauchen keine Perfektion, sondern gute und lebendig erzählte Geschichten, die sie abholen und ihre Phantasie anregen. Lieder gehören da einfach dazu.
Auf das Modell mit dem Verschenken bin ich gekommen, weil es mich Wunder nahm, was passiert, wenn man es den Leuten freistellt, dass sie dafür geben können, was sie möchten.
Wie machen Sie das, wenn Sie in den Ferien sind?
Dann brennt und versendet mein Vater die CDs. Die Widmungen spreche ich trotzdem selbst, das kann ich überall tun. Sollten es aber einmal zu viele Bestellungen werden, als das wir bewältigen können, könnte ich diese an ein Behindertenhilfswerk zur Ausführung geben.
Bezahlen die Leute denn freiwillig für die Geschichten?
Ja, es funktioniert. Einige bezahlen natürlich nichts. Die Leute finden die Idee mit der persönlichen Widmung aber sehr lässig und viele Familien, die kein Geld haben, sind wirklich froh über das Angebot. Einige nutzen auch gerne die Möglichkeit, für die Geschichten mit Abreisszetteln kostenlos Werbung zu machen. Mein Vertriebsmodell beruht vollständig auf Freiwilligkeit, man darf mir für die Geschichten etwas bezahlen, muss aber nicht. Aber natürlich bin ich froh um jeden eingezahlten Betrag. Die 1000. Bestellung habe ich vor kurzem bearbeitet - bis jetzt bin ich gerade mal so rausgekommen und musste nichts drauflegen.
Auch der Versand ist kostenlos?
Ja, auch der. Es gibt nur eine einzige Regel: Die gleiche Familie darf nicht eine Geschichte mehrfach bestellen. Wenn sie zwei Kinder hat, spreche ich die Widmung für beide Kinder. Und bei der Bestellung muss jedes Mal das gesamte Formular neu ausgefüllt werden. Damit nur die bestellen, die meine Geschichten wirklich interessieren.
Sie verdienen also überhaupt kein Geld mit Werbung?
Keinen Rappen. Meine Geschichten und Lieder sind vollkommen werbefrei. Das ist mir heilig. Es kommen zwar schon manchmal Produktenamen vor, aber nur als normaler Teil des Lebensalltags. So geht es im Dino-Bastelsong etwa um verschiedene Sorten Leim, mit denen man etwas zusammenkleben kann.
Es nahm mich einfach Wunder, was passiert, als ich auf die Idee kam, die Geschichten kostenlos anzubieten mit einem Modell, das vollkommen auf Freiwilligkeit basiert.
Macht der Gschichtefritz alles selbst?
Fast alles. Nur das Cover der CDs lasse ich von einem professionellen Zeichner gestalten. Geschichten und die Lieder stammen von mir und sind auch bei der SUISA angemeldet. Ich spreche die verschiedenen Charaktere mit jeweils veränderter Stimme. Es soll einfach in lebendiger Form vorgetragen, aber kein Hörspiel sein. Geschichten und Lieder produziere ich zwar im eigenen kleinen Tonstudio, doch ich habe keinen hundertprozentigen Anspruch auf Perfektion.
Was für Geschichten erzählen Sie denn?
Gestartet bin ich mit sechs Geschichten in zwei Serien, dem blauen Dino" und dem Roboter Beni". Dino ist für Kinder ab drei Jahren gestaltet, extra kurz und mit kindgerechten Liedern, die zur Geschichte passen, wie dem Bastelsong vom blauen Dino. Der Roboter Beni ist für etwas grössere Kinder so ab fünf Jahren. Diese Geschichten sind etwas länger und komplexer und enthalten auch eingespielte Lieder. Jeden Monat schreibe und produziere ich einen neue Geschichte - abwechselnd eine Dino und eine Roboter Geschichte.
Haben Ihre Geschichten einen pädagogischen Anspruch?
Ja sicher. Bei den Geschichten des Roboters Beni geht es um Verantwortung und einen Lernanspruch. Aber mit Humor und ohne hochgehaltenen Zeigefinger bitte! So überfällt der Roboter in der ersten Folge eine Bank und muss anschliessend lernen, sich in die Gemeinschaft einzufinden. Die Geschichten enthalten auch Elemente, die Kinder motivieren, Dinge selbst zu machen. Nur schon die CD-Etiketten sind so gestaltet, dass die Kinder sie selbst ausmalen können. Der Roboter Beni wird zum Beispiel auch in einer der Geschichten zum besten Zugverkäufer am Minibarwägeli und die Kinder bestücken es mit selbstgemachten Sandwiches und Getränken. Und der blaue Dino ist einfach ein Gemütskerl, der allen aus der Patsche hilft und alles reparieren kann.
Und die Geschichten sind vollumfänglich kindgerecht?
Absolut. Mir persönlich ist es wichtig, dass die Geschichten nicht nur moralisch, sondern auch lustig und lebendig sind. Ob die Geschichten die Kinder ansprechen, liegt eben schon auch an der Art und Weise, wie sie erzählt und vermittelt werden. Wissen Sie, meine Frau ist Handarbeitslehrerin. Sie hört sich alle Geschichten mehrmals an, bevor sie erscheinen. Sie hat noch niemals ein Veto ausgesprochen.
So kommen Sie an die Geschichten vom Gschichtefritz:
Einfach Homepage vom Gschichtefritz besuchen und Formular ausfüllen. Bei Neuerscheinungen werden Sie anschliessend automatisch per E-Mail avisiert. www.gschichtefritz.ch
Interview: Kathrin Fischer
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Kommentare
Hallo Gschichtefritz,
schade, aber trotzdem vielen, vielen Dank für die schnelle und nette Antwort.
Trotzdem, ein großes Lob für diese tolle Idee und weiterhin ganz viel Erfolg.
Viele Grüße vom deutschen Alpenrand
Katja
Grüezi Katja
Erst einmal besten Dank für die Anfrage!
Nein, ich glaube nicht, dass es Sinn macht, für meinen Dienst in Deutschland Werbung zu machen.
Erstens sind die schweizerdeutschen Geschichten für deutsche Kinder schwer verständlich (ausser evtl. in Schwaben/Süddeutschland).
Zweitens versende ich die CDs nur innerhalb der Schweiz.
Drittens sind internationale Überweisungen sehr umständlich - und ich bin selbstverständlich darauf angewiesen, dass begeisterte Kunden ohne grossen Aufwand freiwillige Beträge auf mein Konto überweisen können, denn irgendwie muss ich das Ganze ja finanzieren.
Auslandschweizer in Deutschland und vielen anderen Ländern nutzen übrigens den Dienst (mp3) für ihre Kinder - aber die reden natürlich schweizerdeutsch.
Trotzdem besten Dank und freundliche Grüsse
Gschichtefritz
Verstehen denn auch "deutsche" Kinder die Geschichten?
Dann würden wir sehr gerne auch einen tollen Bericht über diese grandiose Idee im www.wellspa-portal.de veröffentlichen.
Denn tolle Ideen sollten weiter getragen werden,oder?
Grüße Katja
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