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Viele Kinder, vor allem Mädchen, schwärmen fürs Ballett. Wie eine Fee zur Musik über die Bühne schweben: Das ist eine Vorstellung, die ihnen gefällt. Sinnvoll ist es, diese Begeisterung zu unterstützen. Denn die Ballettschule fördert Koordination, Kraft, Körperhaltung und Konzentration.
Viele Mädchen hegen den Traum, einmal eine Ballerina zu sein. Foto: ©iStockphoto.com/Suzy Oliveira
Sabina ist vier Jahre alt. Vor ein paar Wochen hat sie von ihrer Tante ein Buch bekommen, in dem ein Mädchen eine Ballettschule besuchen darf. Immer wieder blättert Sabina in dem Buch herum. Sie ist begeistert von den Bildern: von den Mädchen in rosafarbenen Ballettanzügen und hübschen Ballettschuhen. Für sie steht fest: Sie will auch zum Ballett! Sabinas Mutter aber zögert. Dürfen Kinder schon so früh mit Ballett beginnen?
Viele Ballett- und Tanzschulen bieten Ballett-Unterricht schon für Kinder ab drei Jahren an. Im Mittelpunkt des Ballett-Unterrichts für die Kleinen steht der Spass an der Bewegung zur Musik. «Kinder können mit Musik und Fantasie ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben», heisst es bei der Ballettschule Luzern «Dance Art Studio».
Wichtig ist, dass das Training für die Kleinen abwechslungsreich ist. Deshalb gliedert es sich in der Regel in viele kurze Unterrichtseinheiten. So fällt es den Kindern leicht, konzentriert zu bleiben. Für die gute Stimmung sorgt die Musik. Getanzt wird zu klassischen Klavierstücken ebenso wie zu flotten Kinderliedern. Mal spielen die Kinder, eine Blüte zu sein, die sich am Morgen öffnet und am Abend schliesst. Dann springen sie wie Schmetterlinge durch den Raum, bevor das Training mit einem Stopp-Tanz endet.
Schon die Kleinen lernen kurze Schrittfolgen und Tänze. Dabei achten die Lehrer auf eine gute Körperhaltung. Die Grundlagen des Balletts, wie die fünf Fusspositionen, Übungen an der Stange und Sprünge werden in das Training eingebaut.
Erst in den Kursen für Kinder ab sechs Jahren rückt die klassische Ballett-Technik mehr und mehr in den Mittelpunkt des Unterrichts. Die Kinder wärmen sich an der Stange mit Pliés (Kniebeugen), Battements (schlagenden Bewegungen der Beine) und Tendus (Strecken der Beine) auf. Danach trainieren sie Sprünge und Kombinationen. Viele Ballettschulen orientieren sich an dem Kinderlehrplan «Primary in Dance» der «Royal Academy of Dance», einer weltweit tätigen Organisation, die 1920 mit dem Ziel gegründet wurde, die Standards des Unterrichts in klassischem Ballett zu verbessern.
Wer an Ballett denkt, hat oft den Spitzentanz vor Augen. Doch: Wer mit Ballett beginnt, tanzt noch lange nicht auf Spitzenschuhen. Kinder müssen erst eine gewisse Technik beherrschen und eine gute Muskulatur aufgebaut haben, bevor sie mit dem Spitzentanz beginnen können. So unterrichtet zum Beispiel das Atelier Rainboy Tanzkunst in Rüschlikon Spitzentanz frühestens ab dem elften Lebensjahr. «Erst müssen sich die Tänzerinnen die erforderliche Tanztechnik, ausreichende Kraft in den Füssen, Sprunggelenken und Beinen sowie die Kontrolle des Beckens erarbeitet haben. All diese Kriterien sind für die Tänzerinnen ausserordentlich wichtig», heisst es auf den Internetseiten der Tanzschule.
Werden Kinder sorgsam an das Ballett herangeführt, lernen sie, die Bewegungen korrekt auszuführen. In diesem Fall fördert Ballett eine gute Körperhaltung und trainiert die Muskulatur des ganzen Körpers.
Höhepunkt des Ballettunterrichts sind Aufführungen, auf die Kinder während des Unterrichts hinarbeiten. Viele Schulen organisieren sie mit viel Aufwand und Liebe zum Detail. Im weissen Tutu, leicht wie eine Feder und schön wie ein Schwan über die Bühne zu schweben – nach wie vor ist das ein ganz grosser Traum für viele Mädchen. Doch gleichgültig, wie holprig oder elegant der Tanz wird: Am wichtigsten ist, dass die Kinder sich frei und ungezwungen auf der Bühne bewegen.
Gleichgültig, ob Kinder dick oder dünn, gross oder klein sind: Ballett ist für alle Kinder geeignet, die Spass am Tanzen haben. Wer Ballett-Unterricht nimmt, muss sein Hobby schliesslich nicht zum Beruf machen – und schon gar keine Primaballerina werden.
Auch Jungen sind im Ballett willkommen. Oft wird vergessen, dass zu Beginn des Balletts alle Tänzer männlich waren. Erst 1681 durften auch Frauen auftreten, informiert das Zürcher Kinderballett-Theater auf seinen Internet-Seiten. «Billy Elliot - I will dance», heisst ein preisgekrönter britischer Film aus dem Jahr 2000, der sich mit Vorurteilen gegenüber tanzenden Männern auseinandersetzt- und zeigt, dass Tanz auch durch und durch männlich sein kann: «Wenn ich loslege, dann vergesse ich alles und irgendwie verschwinde ich, als würde sich mein ganzer Körper verändern. Als wäre Feuer in meinem Körper. Ich bin einfach da und fliege. Wie ein Vogel. Wie Elektrizität», sagt die männliche Filmfigur und beeindruckte damit das Filmpublikum beim Filmfestival in Cannes.
Auch Sabina hat sich mittlerweile ihren Traum erfüllt. Zwar verliess sie in der ersten Ballettstunde ein wenig der Mut, als sie die vielen fremden Kinder sah. Doch als sie dann mit ihnen zusammen spielen durfte, wie Schnee schmilzt, schmolz auch ihre Scheu schnell dahin.
Text: Sigrid Schulze

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