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In der Gesellschaft gibt es Spielregeln. An diese Rechte müssen sich alle halten, auch Kinder und Jugendliche. In vielen Fällen verstehen sie aber das komplizierte Rechtssystem in der Schweiz nicht. Ein neues Buch will das ändern und erklärt Gesetze kindgerecht.
Kinder sollten ihre Rechte kennen und über das Gesetz Bescheid wissen. Foto: © Yvonne Bogdanski - Fotolia.com
Dürfen Jugendliche heimlich ein Liebespärchen filmen und das Video ins Internet stellen? Was bedeuten die Kinderrechte? Muss ein 14-Jähriger, der eine Scheibe mit einem Stein kaputt geschlagen hat, für den Schaden selbst aufkommen? Was bedeutet alleiniges Sorgerecht? Kinder und Jugendliche können schon früh mit dem Gesetz, ihren Rechten und Pflichten in Verbindung kommen. Die Fragen aber zu beantworten, fällt nicht immer leicht.
Der Ehemalige Jugendanwalt Christoph Hug wünscht sich kritische Jugendliche. Foto: Zimmerling
Bei der Vorstellung des Sachbuches «Kennst Du das Recht?» Mitte November in Zürich waren sich die anwesenden Experten einig: Kinder sollten ihre Rechte kennen. «Ich wünsche mir kritische, selbstbewusste Jugendliche, die ihre Rechte kennen und diese auch einfordern», sagte Christoph Hug, ehemaliger leitender Jugendanwalt der Jugendanwaltschaft in Zürich.
Genau das hat sich auch die Rechtsberaterin Caroline Walser Kessel gedacht und ein Buch für Kinder und Jugendliche geschrieben. Das Buch «Kennst Du das Recht?» beschreibt ausführlich verschiedene Aspekte des Schweizer Rechtssystems und macht anhand von Beispielen den Lesern die Rechtslage deutlich. «Meine Idee ist, dass Kinder und Jugendliche besser über das Recht Bescheid wissen und sie für das Erwachsenenleben gerüstet sind», sagte Walser Kessel. Das könne auch bedeuten, dass sie später bei Rechtsfragen weniger Probleme haben oder nicht in Konflikt mit dem Gesetz geraten.
Auch Eltern sollten dabei ihren Beitrag leisten. Der ehemalige Jugendanwalt Christoph Hug erklärte, dass Eltern ein gutes Vorbild sein müssen. Sie sollten authentisch und ehrlich sein und ihren Kindern vertrauen. «Kinder müssen Grenzen austesten dürfen», so Hug. Würden sie einmal auf die Nase fallen, könnten sie daraus lernen.
Damit es aber gar nicht so weit kommt, kann es hilfreich sein, die Rechtslage zu kennen. Wir haben drei Beispiele aus dem Buch vom Caroline Walser Kessel ausgewählt, von denen viele Kinder selbst betroffen sein können.
Die Autorin Caroline Walser Kessel hat ein Kinderbuch über das Recht geschrieben. Foto: Zimmerling
Dürfen Kinder Fotos von anderen ins Internet stellen?
Im Buch werden beispielsweise Fragen zum allgemeinen Persönlichkeitsrecht geklärt. Jeder Schweizer hat das Recht auf den Schutz seiner Persönlichkeit. Jugendliche dürfen nicht ein Liebespärchen, das sich heimlich küsst, fotografieren oder filmen und die Bilder ins Internet auf Facebook stellen. Das verletzt das Persönlichkeitsrecht. Das kann auch weitreichende Folgen haben. «Das Löschen des ersten ursprünglichen Eintrages nützt nämlich nichts mehr, da die Bilder schon x-mal kopiert und heruntergeladen wurden», schreibt Caroline Walser Kessel. Dann können die Fotos in einem ganz anderen Kontext wieder auftauchen. «Der Schaden ist unter Umständen nicht wieder gut zu machen.»
Die wichtigsten Kinderrechte
Unter das Persönlichkeitsrecht fallen auch die Kinderrechte. Die Konvention über die Rechte der Kinder wurde 1989 von den United Nations verabschiedet und wurde 1997 auch von der Schweiz angenommen. Am 20. Novebmer ist übrigens Internationaler Tag der Kinderrechte.
Das Recht auf Gleichbehandlung
Jedes Kind hat das Recht auf einen Namen und eine Nationalität. Kinder dürfen zudem nicht wegen ihres Geschlechts, ihres Aussehens, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihrer Religion oder Meinung benachteiligt werden.
Das Recht auf Gesundheit
Ist ein Kind krank, hat es das Recht auf medizinische Versorgung.
Das Recht auf Ausbildung
Kinder haben ein Recht auf Bildung. Sie haben das das Recht zur Schule zu gehen, um zu lernen, was wichtig ist.
Das Recht auf Spiel und Freizeit
Jedes Kind darf spielen und hat das Recht in einer gesunden Umgebung zu leben.
Das Recht auf freie Meinungsäusserung, Information und Gehör
Jedes Kind hat das Recht, seine Meinung frei zu äussern. In der Schule, bei Ämtern und bei Gerichten sollen Kinder gehört werden. Kinder haben zudem das Recht sich beispielsweise durch Zeitungen, Fernsehen oder Bücher zu informieren.
Das Recht auf gewaltfreie Erziehung
Gewalt hat in der Erziehung von Kindern nichts zu suchen. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.
Das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung
Kein Kind soll schlecht behandelt, ausgebeutet oder vernachlässigt werden. Kein Kind soll zu schädlicher Arbeit gezwungen werden. Kinder haben das Recht Schutz und Hilfe zu bekommen, sollten sie wirtschaftlich oder sexuelle ausgebeutet werden.
Das Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht
Jedes Kind, das flüchten musste, weil zum Beispiel Krieg in seinem Land ist, hat im neuen Land dieselben Rechte wie alle Kinder. Flüchtet ein Kind ohne seine Familie, hat es Recht auf besonderen Schutz und Unterstützung. Es sollte möglichst versucht werden, das Kind mit seiner Familie wieder zusammenzubringen.
Das Recht auf elterliche Fürsorge
Jedes Kind hat das Recht, auf eine Familie. Es hat das Recht darauf, mit seiner Mutter und seinem Vater zu leben, selbst wenn diese nicht zusammen wohnen. Eltern haben das Recht, Unterstützung und Entlastung zu bekommen.
Das Recht auf Betreuung bei Behinderung
Jedes Kind hat das Recht auf ein gutes Leben. Sind Kinder behindert, haben sie das Recht auf zusätzliche Unterstützung und Hilfe.
Quelle: Unicef/Kidsunited
Die Kinderrechte in Cartoons
Muss ein Jugendlicher die kaputt geschlagene Fensterscheibe selbst bezahlen?
Ein anderes Kapitel geht auf das Thema Haftpflichtrecht ein. Was passiert, wenn ein Schaden entsteht? Auch Kinder können in bestimmten Fällen haftpflichtig, also schadenersatzpflichtig werden. Das gilt, wenn sie einschätzen können, welche Folgen ihr Handeln hat. Schlägt ein 14-Jähriger mit einem Stein eine Fensterscheibe kaputt, dann weiss er, dass sie kaputt gehen wird. Er muss die Reparatur der Scheibe eigentlich selbst bezahlen. Die Eltern haften zwar für den Sohn mit und zahlen in der Regel den Betrag, aber sie haben das Recht die Kosten vom Taschengeld des Kindes abzuziehen.
Das Buch «Kennst du das Recht?» ist für Kinder ab 12 Jahren geeignet. Foto: Weblaw AG
Was bedeutet alleiniges Sorgerecht?
Ein wichtiges Kapitel im Buch behandelt das Thema Familie und Recht. Kinder und Jugendliche haben in der Scheidungsfamilie «turbulente Zeiten durchzustehen» wie Autorin Caroline Walser Kessel schreibt. «Den Eltern fällt es oft unendlich schwer, den Kinder zu sagen, was jene längst gemerkt haben: Dass es nicht mehr geht und die Eltern auseinander gehen.» In der Schweiz erhält im Fall einer Scheidung meist die Mutter das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Sie fällt damit auch die meisten Entscheidungen für das Kind. Sie ist aber dazu verpflichtet den Vater nach seiner Meinung zu fragen und ihn zu informieren. Bei wichtigen Entscheidungen hat der Vater ein Mitspracherecht. Das betrifft Fragen rund um die Ausbildung oder Gesundheit des Kindes. «Er hat aber kein Mitbestimmungsrecht, am Ende entscheidet die Mutter alleine», schreibt Walser Kessel.
Weitere Informationen zum Thema Kinder und Rechte
- Das Buch «Kennst du das Recht?» von Caroline Walser Kessel kann für 54 Franken unter http://kinderbuch.weblaw.ch bestellt werden.
- Die Kinderlobby Schweiz bietet eine kostenlose Rechtsberatung für Kindern an www.kinderlobby.ch
- Welche Rechte und Pflichten Jugendliche haben, wird auf der Jugendseite www.tschau.ch/rechte-pflichten/ erklärt
Text: Angela Zimmerling im November 2011
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