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«Mama, Papa, ich bin schwul»

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Ist mein Sohn schwul? Hat sich meine Tochter in ein Mädchen verliebt? Wie man am besten mit der Homosexualität von Kindern umgeht, erklärt Lilo Gander, Sexualpädagogin PLANeS, im Interview mit Familienleben. Bei ihrer Arbeit auf der Fachstelle Lust und Frust beschäftigt sie sich mich den Problemen und Fragen Jugendlicher.

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Homosexualität bei Jugendlichen: Wenn der Sohn schwul ist

Wie reagieren Eltern am besten, wenn der Sohn schwul oder die Tochter lesbisch ist? Foto: Image Source - Thinkstock

Das Thema Sexualität ist bei Jugendlichen omnipräsent. Aber wie ist es mit Homosexualität?

Von Fragen der Jugendlichen wissen wir, dass sie sich sehr für das Thema interessieren. Sie wollen wissen, was Homosexualität ist, wie Homosexuelle sich lieben und wie sie Geschlechtsverkehr haben.

Fällt es Jugendlichen genauso leicht, mit ihren Eltern darüber zu sprechen?

Das kommt auf die Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind an. Wenn das Vertrauen vorhanden ist und über alles gesprochen wird, ist die Hemmschwelle niedriger. Im Idealfall ist Homosexualität ein Thema wie jedes andere.

Merken Eltern, dass sich ihr Sohn oder ihre Tochter sich ins gleiche Geschlecht verliebt hat?

Das Thema Homosexualität löst noch immer viele Klischées aus. In Gesprächen mit Eltern höre ich oft die Vermutung, dass Jugendliche homosexuell sind, weil sie bereits 18 Jahre alt sind und noch nie einen Freund hatten. Späte Liebesbeziehungen müssen natürlich überhaupt nichts mit Homosexualität zu tun haben. In solchen Situationen geht die Fantasie manchmal mit den Eltern durch.

Sollen Eltern ihr Kind auf die Vermutung ansprechen?

Bevor sie ihr Kind auf etwas ansprechen, sollten sie sich zuerst klar darüber werden, wie sie selber zum Thema stehen. Ich persönlich würde mich auch fragen, weshalb mich das Thema so stark beschäftigt. Als zweiten Schritt würde ich Fragen wie «Wie geht es dir?» oder «Bist du glücklich?» stellen und nicht nachbohren.

Gehen Eltern heute offener mit der Sexualität ihrer Kinder um?

Jein. Es gibt nach wie vor sehr wertkonservative Strömungen. Es scheint mir, dass diese Strömungen im Bezug auf Sexualität sogar wieder vermehrt vorkommen. Manchmal brauchen Eltern auch einfach Unterstützung oder jemanden zum reden.

Gibt es auch nur homosexuelle Phasen?

In der Pubertät sind Jugendliche auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität. Es gibt durchaus Phasen, in denen man sexuell gleichgeschlechtliche Erfahrungen macht und sich verliebt. Einige bleiben dabei, andere nicht. Es wäre jedoch falsch, wenn sich Mütter oder Väter einreden, es wäre nur eine Phase. Das stuft die ehrlichen Empfindungen der Jugendlichen herab.

Welche Gedanken gehen Eltern, die sich bei Ihnen Rat holen, durch den Kopf?

Viele Eltern haben mich telefonisch gefragt, wie sie ihren Sohn oder ihre Tochter beim Coming Out unterstützen können. Mit Eltern, die ein Coming Out verhindern wollten, habe ich bisher noch nicht gesprochen. Das liegt sicher daran, dass sich Eltern mit einer solchen Einstellung wahrscheinlich nicht an Lust und Frust wenden würden.

Es sind also nicht alle Eltern schockiert.

Die meisten sind vielleicht überrascht, aber nicht schockiert. Vor kurzem hat mich eine Mutter angerufen. Ihr Sohn sei zu ihr gekommen und habe ihr erzählt, dass er nicht mehr schlafen könne. Ihn beschäftigte die Frage, ob er schwul sei. Das erste, was die Mutter zu ihrem Sohn gesagt hat, war: «Du bist und bleibst mein Junge!»   

Einige Eltern fürchten sich vielleicht auch vor den Blicken der Nachbarn oder Freunde.

Ich wünsche mir für alle jungen Menschen, dass sie Eltern haben, die hinter ihnen stehen. Bei einem heterosexuell liebenden Menschen stellt sich die Frage nicht, wie man sich vor Nachbarn und Freunden verhält und so sollte es auch bei homosexuell liebenden Jugendlichen sein. Und wenn sich die Nachbarn Kommentare trotzdem nicht verkneifen können, darf man als Mutter oder Vater durchaus mal sagen «Das geht dich nichts an!»

Weiterführende Links

Lust und Frust

Lilo GanderLilo Gander arbeitet bei der Fachstelle «Lust und Frust» für Sexualpädagogik, die von den Schulgesundheitsdiensten der Stadt Zürich und der Zürcher Aids-Hilfe geführt wird. Jeden Mittwoch können Jugendliche von zehn bis 21 Jahren eine kostenlose Sprechstunde ohne Voranmeldung besuchen. In dieser werden Fragen rund um die Themen sexuelle Identität, Verhütung, Pornographie, Schwangerschaft, Selbstbefriedigung, Schwangerschaftsabbruch und sexuell übertragbare Infektionen beantwortet.

Foto: Privat

Interview: Jasmine Helbling im Juni 2012


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