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Immer mehr Frauen wollen ihr Kind so familiär und natürlich wie möglich zur Welt bringen. Das zeigt die steigende Nachfrage bei den Geburtshäusern. Die Kliniken reagieren mit Wellness zur Geburt im Spital. Im Kantonsspital Nidwalden beispielsweise gibt es seit April das neue individuelle Wohlfühl-Wochenbett.
Wellness bei der Geburt im Spital heisst vor allem eins: sich sicher- und wohlfühlen. Foto: iStockphoto, Thinkstock
Was sich zunächst merkwürdig anhört, ist bei genauerem Blick längst schon Alltag: Wellness bei der Geburt im Spital. Viele Kliniken bieten Schwangeren Musik, Akupunktur, Aromatherapie oder Massagen während der Geburt an. Sie sollen die Schmerzen lindern und den Frauen zwischen den Wehen Entspannung bieten.
Die Spitäler arbeiten zudem mit Beleghebammen, das heisst die werdende Mutter wird auch im Spital von der ihr vertrauten Hebamme betreut. Im Inselspital Bern wird sogar eine Hebammengeburt angeboten, bei der die Hebamme die Geburt ohne die Hilfe eines Arztes leitet. Gleichzeitig stehen aber alle notwendigen medizinischen Apparate für den Notfall bereit.
Wie wichtig Frauen das ist, hat Olivia Zwyssig, Leiterin der Mutter-Kind-Abteilung im Kantonsspital Nidwalden in Stans, schon länger beobachtet: «In so einem speziellen Moment, müssen sich Frauen sicher- und wohlfühlen, um sich auf die Geburt und das Baby einlassen zu können».
Als die Kinderkrankenschwester eine Kollegin in einem Geburtshaus besuchte, war sie sofort angetan von der gemütlichen und familiären Atmosphäre. Vor allem aber war sie überrascht, wie selbstständig die jungen Mütter mit ihren Kindern umgingen. Sie hatten keine Scheu, einfach mal etwas auszuprobieren. Das brachte sie auf die Idee in ihrem Kantonsspital eine besondere Mutter-Kind-Abteilung einzurichten. Schon öfter hatten sich Patienten und Besucher bei ihr beschwert, dass die Zwei-Bett-Zimmer für die jungen Mütter mit ihren Neugeborenen viel zu klein seien. Zudem fühlten sich nicht wenige von den Besuchern der Bettnachbarin gestört. Und die Väter fanden es schade, dass sie nicht über Nacht bei ihrer Familie sein durften.
Seit April 2012 dürfen Väter im Kantonsspital Nidwalden selbst entscheiden, wann und wie lange sie bei der Mutter und ihrem Baby bleiben wollen. Denn seit dem gibt es für jede Frau, die ein Kind in Stans zur Welt bringt, ein Angebot, das mehr Wellness und Entspannung verspricht: ein Einzelzimmer mit eigener Dusche, einer Wickelkommode und teilweise Parkett-Boden. Und der Papa ist dabei jederzeit herzlich willkommen. «Die neuen Einzelzimmer sind sehr positiv aufgefasst worden», sagt Olivia Zwyssig. Die Familien hätten mehr Ruhe, müssten keine Rücksicht auf andere Besucher nehmen und könnten selbst entscheiden, wie viel Unterstützung sie vom Pflegepersonal und den Ärzten brauchen. Selbst Frauen, die eigentlich in einem Geburtshaus entbinden wollten, sagte die familiäre Atmosphäre zu.
In der Pressmitteilung vom März verkündete das Spital stolz sein neues individuelles Wohlfühl-Wochenbett als «schweizweit einmalige Kombination von Geburtshaus und Spital». Der direkte Vergleich mit den Geburtshäusern verärgerte aber die Hebammen in den Geburtshäusern. «Im Ansatz ist die Idee "Geburtshaus im Spital" eine gute Sache und schmeichelhaft für uns», sagten Barblina Ley und Renate Ruckstuhl, Hebammen und Vorstandsmitglieder der Interessengemeinschaft Geburtshäuser Schweiz gemäss einer Mitteilung vom April 2012. Aber «ein Geburtshaus im Spital ist ein Etikettenschwindel. Spital bleibt Spital.» Der ganzheitliche Ansatz der Geburtshilfe im Geburtshaus unterscheide sich grundlegend von der risikobezogenen Arbeitsweise in Spitälern.
«Wir gehen davon aus, dass die Frau ohne grosse medizinische Geräte gebären kann», erklärte Susanne Leu von der Geschäftsführung des Geburtshauses in Stans Radio DRS. Im Spital aber würde routinemässig interveniert - zum Beispiel mit der kontinuierlichen Überwachung der kindlichen Herztöne, einer Sicherheitsmassnahme.
Für Olivia Zwyssig ist gerade diese Kombination aus Sicherheit und Geborgenheit wichtig. Für sie geht es darum, das Beste von Spital und Geburtshaus zu verbinden. Ihr ist es bewusst, dass ein Spital ein Spital bleibt. Es ist ihr aber ein Anliegen, auch im Spital eine schöne, familiäre Atmosphäre zu schaffen. Denn wenn Frauen eine Risikoschwangerschaft haben oder per Kaiserschnitt entbinden müssen, bleibt ihnen gar keine Wahl als ein Spital für die Geburt auszuwählen. In einem Geburtshaus darf nur Diejenige entbinden, bei der alles in Ordnung ist.
Die Entscheidung, wo ein Kind auf die Welt kommen soll, hängt also nicht allein vom Sicherheitsbedürfnis, sondern vor allem vom Gesundheitszustand ab. Sollten Sie die Wahl haben, empfiehlt es sich, die Informationsveranstaltungen der Spitäler und Geburtshäuser zu nutzen oder sich für ein Gespräch anzumelden. So lernen Sie die Geburtsphilosophie am besten kennen.
Broschüre des Kantonsspitals Nidwalden zur besonderen Mutter-Kind-Abteilung www.spital-stans.ch
Hebammengeburt im Inselspital Bern: www.frauenheilkunde.insel.ch
Eine Liste der Geburtshäuser finden Sie unter www.geburtshaus.ch
Autor: Angela Zimmerling im August 2012
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