Mittagsschlaf für Kleinkinder: Kraft tanken für die zweite Tageshälfte

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Da liegt das Kind, völlig entspannt. Wie süss es schläft! Der Mittagsschlaf verhilft dem Kind zu neuer Energie. Darüber hinaus bietet er Eltern ein kleines Zeitfenster, sich vom anstrengenden Alltag zu erholen. Eltern können viel für einen erholsamen Mittagsschlaf Ihres Kindes tun.

Tipps rund um den Mittagsschlaf

Der Mittagsschlaf bietet Kindern eine sichere Erholungsinsel in einem Alltag voller neuer Eindrücke. Foto: romrodinka, iStock, Thinkstock

Kommt das Baby auf die Welt, wirbelt es den Alltag durcheinander und macht die Nacht zum Tag. Denn es hat noch keinen Schlaf-Wach-Rhythmus. Nur kurze Zeit ist es wach, bevor es dann erschöpft zurück in den Schlaf fällt, um neue Kraft für weitere Eindrücke und Erlebnisse zu tanken. Erst nach und nach kristallisieren sich zwei Schlafpausen im Tagesverlauf heraus. So schläft ein Baby, sobald es etwa ein halbes Jahr alt ist, in der Regel am Vormittag und am Nachmittag. Dieser erste Rhythmus kommt nicht nur ihm, sondern auch Eltern zu gute. Sie können sich auf relativ regelmässig eintretende Ruhepausen freuen.

Vom Genuss des Mittagsschlafes

Nähert sich der erste Geburtstag, ist das Kind am Vormittag wahrscheinlich immer weniger müde. Dann mag es zur bislang gewohnten Zeit einfach nicht mehr schlafen! Auf das veränderte Schlafbedürfnis gilt es, flexibel zu reagieren. Wenn sich der gewohnte Morgenschlaf in die Mittagszeit verlagert, entfällt der Nachmittagsschlaf. Und damit hat sich der Mittagsschlaf etabliert! Er bietet nun für mehrere Monate ein relativ gut planbares Zeitfenster, um selbst auszuruhen oder um Dinge zu erledigen, die mit Kind zusammen nur schwer machbar sind.

Wo Kinder tagsüber am besten schlafen

«Wo macht mein Kind am besten sein Nickerchen?», fragen sich Eltern oft. Es gibt keine Regel, wo ein Kind tagsüber am besten schläft. Der Mittagsschlaf kann im Tragetuch genauso erholsam sein wie im Kinderwagen oder im Babynest. «Manche Eltern machen gute Erfahrungen damit, ihr Baby tagsüber genau so ins Bett zu legen wie abends – inklusive Abdunkeln des Schlafzimmers», schreibt die Autorin Nora Imlau in ihrem Buch «Das Geheimnis zufriedener Babys» (GU). Schlafforscher gäben jedoch zu bedenken, dass es für die Entwicklung eines Tag-Nacht-Rhythmus gut sei, wenn Babys durchaus den Unterschied zwischen einem kurzen Schläfchen am Tag und einem längeren Nachtschlaf spürten. «Konkret heisst das: In das Zimmer, in dem das Baby schläft, darf ruhig Tageslicht herein fallen und niemand muss auf Zehenspitzen durchs Haus schleichen», so Nora Imlau. Merkt ein Baby oder Kleinkind, dass am Tag das Leben um es herum weiter geht, lernt es: Zum Schlafen ist vor allem die Nacht da!

Wenn das Kind nicht schlafen …

Ein regelmässiger Mittagsschlaf gibt einem Kind Sicherheit. Er wirkt wie eine sichere Erholungsinsel in einem Alltag voller neuer Eindrücke für das Kind. Doch kein Mensch funktioniert nach der Uhr. Manchmal ist ein Kind früher, ein anderes Mal später müde. Und hin und wieder war die erste Tageshälfte so eindrucksvoll, dass das Kind so aufgekratzt ist, dass es gar nicht schlafen will. Oft hilft es, auf die gewohnten Müdigkeitsanzeichen zu warten. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind quengelig wird, gähnt, am Finger nuckelt und sich die Augen reibt, können Sie es hinlegen und schlafen lassen. Das Zeitfenster, in dem sich ein Baby leicht hinlegen lässt, wenn es müde ist, ist relativ eng. Es dauert etwa zehn bis 15 Minuten. «Verpassen Eltern so ein Zeitfenster, tut sich erst etwa 45 Minuten später ein neues auf», erklärt Autorin Nora Imlau.

… oder aufwachen will

Schreit Ihr Kind sehr lange, wenn Sie es im tiefen Mittagsschlaf wecken? Dann ist es orientierungslos. Besser ist es deshalb, ein Kleinkind möglichst ausschlafen zu lassen. Schläft es aber grundsätzlich so lange, dass es abends nicht in den Schlaf findet, versuchen Sie, es sanft zu wecken. Etwas mehr Lärm und etwas mehr Licht helfen, das Kind aus dem Schlaf zu holen, sobald er nicht mehr ganz so tief ist.

Nickerchen in der Kita

Auch in der Kita brauchen Kleinkinder ihren Mittagsschlaf. Eltern können sich oft nicht vorstellen, dass ihr Kind in einem Raum mit vielen anderen Jungen und Mädchen einschlafen kann. Doch in der Regel klappt das gut, denn die Kinder sind nach einem langen Spielvormittag in der Kita einfach müde. Wichtig ist, dass die gewohnten Schlafbegleiter mit von der Partie sind: der Schnuller, das Kuscheltier oder das Schmusetuch. Bei der Wahl des Kindergartens sollten Eltern nachfragen, wie die Schlafregeln im Kindergarten sind. Gehen die Erzieherinnen flexibel auf das individuelle Schlafbedürfnis ein? Wenn bis zu einem gewissen Alter Kinder grundsätzlich schlafen müssen, gleichgültig ob sie müde sind oder nicht, kann das zu Tränen und Ärger führen …

Mittagsschlaf: Ein Ritual klingt aus

Der Genuss des Mittagsschlafs klingt oft schon im Alter von zwei Jahren aus. Dann haben die meisten Kinder immer weniger Lust auf den Mittagsschlaf. Sie sind zum gewohnten Zeitpunkt einfach nicht müde! Nach und nach verschiebt sich der Mittagsschlaf immer mehr nach hinten. Sobald Ihr Kind abends Schwierigkeiten bekommt einzuschlafen, weil der Mittagsschlaf noch nicht lange her ist, ist es sinnvoll, ihn ganz abzuschaffen. Das erfordert anfangs einige Nerven, denn ein müdes Kind am Spätnachmittag wachzuhalten, bedeutet auch, sein Gequengel geduldig ertragen zu müssen. Dafür kann es nun abends etwas früher ins Bett gehen. Jetzt reicht der Nachtschlaf aus, um Kraft für einen ganzen Tag zu sammeln!

Pause statt Mittagsschlaf

Auch bei Ihnen gibt es keinen Mittagsschlaf mehr? Eine ruhige Pause, in der das Kind ein Hörspiel hört, Bilderbücher anschaut oder malt, tut dann trotzdem gut. «Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie nach dem Mittag eine halbe Stunde Ruhe brauchen und es sich in dieser Zeit in seinem Zimmer aufhält», rät die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern. «Wenn Sie die Pause regelmässig durchführen, entwickelt sich daraus eine selbstverständliche Gewohnheit.» Ein Küchenwecker helfe, dem Kind zu erklären, wann die halbe Stunde vorüber geht.

Autor: Sigrid Schulze im Juli 2016

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