Als ich mit 37 Mutter wurde, hatte ich eine 14 jährige internationale Karriere als Ingenieurin hinter mir und nicht vor mit einem Kind dieses Leben ganz aufzugeben. Also stieg ich, als mein Kleiner 4 Monate alt war, wieder zu 60% im Beruf ein. So konnte ich 4 Tage die Woche beim Kleinen sein und er verbrachte 3 Tage die Woche in der Krippe. Ein Teilzeitjob rentierte sich für meinen Mann nicht, da ich als Ingenieurin nur einen schlechter bezahlten Ingenieurs-Job für diese 60% fand und nicht mehr im Consulting arbeiten konnte (aber immerhin in meinem studierten Beruf, was keine Selbstverständlichkeit ist!). Viele exzellent ausgebildete Mütter mit hervorragenden akademischen Abschlüssen, Auslandserfahrung und Führungserfahrung (auch in Grosskonzernen) sind arbeitslos, weil sie ein Kind bekommen haben. Die Aussage der Personaler, dass sie Teilzeitmütter unterstützen sind oft nur Lügen, die auf Personalbroschüren gut aussehen, aber in der Realität kaum umgesetzt werden.
Unter Schweizer Müttern ist es schade, dass arbeitende Frauen immer noch das Stigma der Rabenmutter haben. Aber dazu nur soviel: Nur Menschen, die sonst nichts im Leben haben, für das es sich zu kämpfen lohnt, fixieren sich total auf ihr Kind und zeigen neidisch mit dem Finger auf Frauen, die einen erweiterten Horizont und weitere Möglichkeiten haben. Ob jemand Vollzeit Mutter ist oder nicht, sollte jeder selbst überlassen sein. Die Rabenmutter-Neiderei entlarvt nur die Neiderinnen, die selbst in ihrem Leben versagt haben und sich an ihre Mutterrolle klammern und dadurch ihre einzige Selbstbestätigung erfahren.
Ich bin lieber asiatisch-strenge Tiger-Rabenmutter als ein dämliches KlatschundTratschmami, das sich nur über Windeln und Esoterik unterhalten kann. Schon meine Mutter (Juristin) und meine Oma (Professorin) haben immer in akademischen Berufen gearbeitet, was vielen Schweizerinnen sehr seltsam vorkommt, da hierzulande noch soziale Normen der 50er Jahre (Hausfrau/Mutter oder Berufsfrau) dominieren und sich auch in 100 Jahren nicht viel daran ändern wird.
Arbeitenden gut qualifizierten Frauen empfehle ich, ihren eigenen Weg zu gehen, sich gleichgesinnte Frauen zu suchen und statt über vergossene Milch zu weinen, zusammen Lösungen anzupacken. Natürlich ist es schockierend als Abteilungsleiterin, die ehemals für ein Team von 30 Leuten und ein zweistelliges Millionenbudget verantwortlich war, gefeuert zu werden, weil man sich für ein zweites Kind entschieden hat. Aber das Leben geht weiter.
Die Selbständigkeit ist eine Lösung, wenn sie denn ernsthaft in Erwägung gezogen wird. Oft ist die Selbständigkeit jedoch aber nur ein Alibi, damit man nicht sagen muss, man sei "Nur Mutter", was wiederum den Ruf der ernsthaft selbständig erwerbenden Frauen beschädigt. Egal was man tut, man sollte dazu stehen können. Ob nun Vollzeit-Mama oder Karrieremutter.
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