Castingshows im TV: Kinder brauchen die Begleitung der Eltern

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Ob «Bachelor», «Bauer ledig sucht» oder «Jung, wild & sexy» - Casting- und Datingshows sind bei Kindern und Jugendlichen beliebt. «In diesen Sendeformaten geht es nur um Unterhaltung, zudem drehen sie sich oft um äussere Werte», gibt Patric Raemy, Medienpädagoge bei Pro Juventute, zu bedenken.

Castingshows im TV: Kinder brauchen Begleitung

Kinder und Jugendliche schauen gerne Castingshows. Foto: monkeybusinessimages, iStock, Thinkstock

Dating- und Castingshows wie «Bauer ledig sucht» oder «Jung, wild & sexy» haben Hochkonjunktur. «Der Bachelor» erreicht in der Schweiz Traumquoten von bis zu rund 23 Prozent Marktanteil. Auch Kinder und Jugendliche verfolgen diese Sendeformate. Sind diese Shows unbedenklich?

Patric Raemy: Casting- und Datingshows sind Unterhaltungssendungen. Ihr Sinn liegt also einzig und allein im Entertainment. Wenn Kinder solche Sendeformate verfolgen, können Probleme entstehen, wenn sie sich mit den vorgeführten Rollen zu sehr identifizieren und beginnen, den Protagonisten nachzueifern. Das kann zum Beispiel bei Sendungen wie dem «Der Bachelor» oder «Germanys next Topmodel» der Fall sein: Hier geht es vor allem um äussere Werte, um Schönheitsideale.

Manchmal werden Kandidaten regerecht vorgeführt, durch Kommentare aus dem Off beleidigt oder wie im «Dschungelcamp» durch bestimmte Aufgaben erniedrigt.

Hier ist es wie bei anderen unerwünschten Medieninhalten, wie brutalen Computergames und Filmen, auch: Es kommt immer auf das Kind an, wie stark das, was gezeigt wird, wirkt. Manche Kinder fürchten sich, manche übernehmen den zwischenmenschlichen Umgang, aber manche lässt es auch ganz einfach kalt und sie sehen das Format als das, was es sein soll - Unterhaltung. Wichtig ist deshalb, dass in der Familie gute Werte und positiver zwischenmenschlicher Umgang vorgelebt werden und dass Kinder und Jugendliche über das Gesehene sprechen können.

Sollten Eltern ihrem Kind Castingshows verbieten?

Bis zu einem gewissen Alter können Kinder von solchen Sendungen fern gehalten werden. Altersangaben sind schwierig, es kommt immer auf das Kind an. Je älter das Kind wird, desto schwieriger werden Verbote. Wenn die Kollegen/innen auf dem Pausenhof über eine bestimmte Castingshow reden, wird sich auch das Kind dafür interessieren. Das ist nachvollziehbar, denn wir Erwachsene wollen auch Anschlusskommunikation, sprich bei einem Gesprächsthema mitreden können. Die Sendungen zu verbieten, kann sogar kontraproduktiv sein – Kinder schauen die Sendungen geheim und bleiben mit dem Gesehenen und ihren Gefühle allein.

Was können Eltern stattdessen tun, damit solche Dating- und Castingshows auf das Kind keinen schädlichen Einfluss nehmen?

Kinder und Jugendliche benötigen Begleitung, wenn sie sich Casting- und Datingshows anschauen. Was begeistert das Kind an der Sendung? Eltern sollten sich für die Faszination ihres Kindes an der jeweiligen Sendung interessieren und als Einstieg für die beabsichtigte Erziehung nehmen.

Wissen Sie aus Ihrer Berufserfahrung, woraus diese Faszination besteht?

Meist wollen Kinder und Jugendliche am Glück der Protagonisten teilnehmen. Wenn ein Kandidat eine Castingshow gewinnt, nehmen sie an diesem Glück teil – sie freuen sich! Eltern sollten ihr Kind fragen, was ihm ausserdem an der Sendung gefällt, die es schaut. Darüber hinaus ist es wichtig, dass sie mit ihrem Kind über die Sendung diskutieren und ihre Position und Meinung zu den vermittelten Werten deutlich machen.

Dennoch bleibt ein schales Gefühl, wenn Kinder viele solcher Casting- und Datingshows ansehen.

Es ist wie beim Essen: Ein einseitiger Konsum ist nicht förderlich. Wenn solche Sendeformate im Rahmen eines breiten Medienrepertoires und vielseitiger Freizeitaktivitäten konsumiert werden, sind sie weniger problematisch, als wenn nur solche Sendungen geschaut werden. Eltern sollten also darauf achten, dass ihre Kinder auch andere Fernseh- und Freizeit-Angebote  nutzen. Wichtig ist auch, dass sie ihre Kinder in ihrem Selbstbild bestärken, die inneren Werte hervorheben und Schönheitsideale kritisch diskutieren.

Castingshows im TV: Kinder brauchen Begleitung

 

Zur Person:

Patric Raemy ist Medienpädagoge bei Pro Juventute. Die Jugendorganisation begleitet Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in die Informations- gesellschaft und motiviert sie zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Smartphone und Internet. In Medienprofi-Workshops und Veranstaltungen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihr Wissen im Umgang mit Neuen Medien auf- und ausbauen. Ebenfalls stellt Pro Juventute Informationsmaterial und Online-Tools zum Thema zur Verfügung: www.projuventute.ch

Interview: Sigrid Schulze im April 2015

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