Hochsensibilität bei Kindern: «Du bist gut, so wie du bist!»

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Es gibt Kinder, die sind feinfühliger als andere. Gleichzeigt flippen sie schneller aus und haben Mühe mit Stress jeglicher Art. Hochsensibilität bei Kindern ist keine Seltenheit. Erfahren Sie hier, wie Eltern damit umgehen können.

Hochsensibilität bei Kindern ist nicht selten

Hochsensible Kinder sind sehr feinfühlig und spüren auch wie es anderen Menschen geht. Foto: Choreograph, iStock, Thinkstock

Erkennt man Hochsensibilität bei Kindern? Grundschülerin Lena ist am liebsten zu Hause. Verabreden will sie sich nur selten. «Das ist mir zu viel, schliesslich gehe ich donnerstags schon zum Ballett», argumentiert sie. Ihre Eltern empfinden Lena als besonders feinfühlig, fantasievoll, kreativ und gewissenhaft. Oft reflektiert sie stark und differenziert, was sie selbst tut und wie sich andere verhalten. Dabei bleibt sie leise, denn Lena kehrt nur einen Teil ihres vermutlich reichen Innenlebens nach aussen. Lena ist besonders sensibel und damit in guter Gesellschaft. Die Forschung geht davon aus, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen hochsensibel und damit empfindsamer als die meisten anderen Menschen sind.

Hochsensibilität

«Menschen, die mit einem Nervensystem ausgestattet sind, welches sehr fein auf innere und äussere Reize reagiert, nennt man hochsensibel», erklärt das Institut für Hochsensibilität in Altstätten (SG) auf ihrer Webseite. «So nehmen sie Reize wie Lärm, Gerüche oder auch Stimmungen zwischen Menschen besonders stark wahr.» Weil sie mehr auf Details achten, brauchen sie bei der Verarbeitung des Inputs mehr Zeit. Mit dem 1997 erschienenen Bestseller «The Highly Sensitive Person: How to thrive when the world overwhelms you» der US-amerikanischen Psychologin Elaine Aron rückte das Persönlichkeitsmerkmal der Hochsensibilität in den Focus der Öffentlichkeit.

Hochsensibilität bei Kindern erkennen

Wie sensibel ein Kind ist, wissen Eltern meist erst dann, wenn es bereits im Kindergartenalter ist. Denn Hochsensibilität bei Kindern zu erkennen, ist schwierig. Schliesslich stehen alle Babys unter der grossen Herausforderung, Vertrauen in die Welt zu gewinnen, an die sie sich zunächst anpassen müssen. «Viele Kinder - ob hochsensibel oder nicht - brauchen zu Beginn des Lebens viel Zeit, um sich auf das Leben «draussen» um- und einzustellen, darum muss zum Beispiel auch häufiges Schreien kein Zeichen für Hochsensibilität sein», erklärt die Therapeutin Marianne Schauwecker-Alb aus Zollikon bei Zürich, die sich auf ihren Internetseiten ausführlich mit diesem Thema auseinandersetzt. Laut der US-amerikanischen Psychologin Elaine Aron könne allerdings eventuell erhöhte Aufmerksamkeit des Kindes - schon früh im Leben – auf Hochsensibilität hinweisen, fügt sie hinzu.

Es ist keine Krankheit

Hochsensibel zu sein, ist sicher nicht immer leicht. Doch ist es auch eine besondere Gabe. «Hochsensibilität ist keine Krankheit und kann sich sehr positiv äussern, - zum Beispiel durch eine speziell vielschichtige, fundierte Wahrnehmung, durch erhöhte Differenziertheit und Reflexionsfähigkeit, durch Einfühlungsvermögen, Gewissenhaftigkeit, Intuition, Feinfühligkeit, Kreativität und andere schätzenswerte Eigenschaften», so Marianne Schauwecker-Alb. All das sind Eigenschaften, die als echte Stärken gelten und das Leben bereichern können.

Hochsensibilität ist vererbbar

Die Forschung geht heute davon aus, dass Hochsensibilität wahrscheinlich vor allem genetisch bedingt ist. Allerdings kann das Ganze auch durch Umwelteinflüsse entstehen, wenn Menschen früh mit schwierigen Lebensbedingungen zurecht kommen müssen. So wird zum Beispiel ein Kind, dessen Vater die Mutter schlägt, früh all seine Sinne schärfen, um zu erkennen, in welcher Stimmung Papa heute ist.

Es kann Kinder überfordern

Doch Hochsensibilität bei Kindern hat auch seine Tücken. Je mehr subtile Informationen wahrgenommen werden, umso mehr gilt es zu verarbeiten. Marianne Schauwecker-Alb: «Ein hochsensibles Kind muss eine viel höhere Anpassungs- und Denkleistung vollbringen als ein normalsensibles, um seine vielschichtigen Wahrnehmungen und Gefühle zu «verdauen» und einzuordnen - und zwischen wichtiger und unwichtiger Information zu unterscheiden.» Ein Kind, das ständig auf Empfang sind, fühlt sich daher leicht überfordert und überreizt. So ist es kein Wunder, wenn es sich nicht immer gut konzentrieren kann, schneller unbeherrscht aufbraust als andere oder sich fremden Situationen und Menschen gegenüber zurückhalt.

Kinder, die hochsensibel sind, sind anfälliger

Sätze wie «Reiss dich doch mal zusammen» oder «Stell dich nicht so an!» sind keinesfalls hilfreich, denn sie helfen dem Kind nicht, mit der Reizüberflutung fertig zu werden. Reagiert die Umwelt nicht verständnisvoll, leidet zusätzlich sein Selbstwertgefühl. Ein gefährlicher Teufelskreis beginnt. Denn wer besonders empfindsam ist, gerät leicht aus der Balance. Ein nicht-liebevolles Elternhaus, ständige Kränkungen, Stress wirken sich auf besonders sensible Kinder stärker aus als auf Kinder mit «dickerer Haut». So sollen, laut Elaine Aron, hochsensible Menschen anfälliger für psychische Störungen sein. Auch körperlich wirkt sich Hochsensibilität bei Kindern aus. Verfällt ein Kind in tiefes Grübeln, findet es lange nicht in den Schlaf. Und wenn die Sinne empfindsam sind, stört helles Licht schneller, dröhnt Krach lauter in den Ohren, riechen unangenehme Gerüche besonders.

Jedes Kind ist anders!

«Mein Kind ist anders!» Dieser verstörende Gedanke stellt sich ein, wenn Eltern vermuten, dass ihr Kind hochsensibel ist. Tatsächlich ist es anders – so wie jedes Kind sich von allen anderen unterscheidet. Das eine Kind ist hochbegabt, das andere hat eine körperliche oder geistige Behinderung, das nächste stammt aus einem anderen Kulturkreis. Manche Kinder sind hyperaktiv, andere besonders schüchtern oder haben eine Lese-Schreib-Schwäche. Grundsätzlich sollten Eltern sich als liebevolle und verständnisvolle Begleiter ihres Kindes sehen und es so nehmen, wie es ist. Wichtig ist dabei, weder seine Andersartigkeit besonders zu betonen noch sie zu übergehen. Anders zu sein, ist selbstverständlich - auf jedes Kind individuell einzugehen, ebenso!

«Du bist gut, so wie du bist!»

Eltern hilft es, den Blick mehr auf die Stärken des Kindes als auf seine Schwächen zu richten. Angenommen, das Kind ist gern zu Hause und verabredet sich selten, weil es spürt, dass ihm die Ruhe zu Hause gut tut, wieder zu sich selbst zurückzufinden. Es dann zu drängen, sich öfter zu verabreden, vermittelt dem Kind: «Du bist nicht richtig!» Doch gerade hochsensible Kinder brauchen die gegenteilige Erfahrung «Ich bin richtig!», um Selbstbewusstsein aufzutanken. Es gilt, die Stärke des Kindes hinter der vermeintlichen Schwäche zu erkennen. «Mein Kind weiss, was gut für es ist. Es kann sich abgrenzen, wenn es notwendig ist.» Wer seinem Kind zeigt, dass es auf bedingungsloser Liebe aufbauen kann, vermittelt ihm «Resilienz», Widerstandskraft.

Ruhe und Sicherheit vor allem in trubeliger Zeit

Hochsensible Kinder brauchen besonderen Schutz vor Überforderung. Eltern unterstützen ihr Kind, sich gesund zu entwickeln, wenn Sie den Alltag entschleunigen und stets Zeitpuffer einplanen, damit möglichst kein Zeitstress das Kind zusätzlich belastet. Klare Alltagsstrukturen mit Ritualen geben Halt. «Und sorgen Sie sich nicht, wenn Ihr Kind manchmal eine gewissen Zwangshaftigkeit an den Tag legt: in seinem Reich muss zum Beispiel alles am «richtigen Platz» stehen, und das Nachtessen wird nur aus einem ganz bestimmten Teller gegessen. All dies sorgt für Konstanz für das Kind und hilft gegen Überreizung», fügt Marianne Schauwecker-Alb hinzu. Grössere Veränderungen sollten möglichst langsam und gut vorbereitet umgesetzt werden. So gilt es, ein hochsensibles Kind zum Beispiel besonders geduldig an den neuen Kindergarten zu gewöhnen.

Leben mit Hochsensibilität

Ist ein Kind hochsensibel, sorgen sich Eltern. «Wird es im Leben damit zurecht kommen?», fragen sie sich. Grundsätzlich können hochsensible Menschen sehr gut ein erfülltes Leben führen. Voraussetzung ist, dass sie ihre eigenen, besonderen, Bedürfnisse erkennen und sie ernst und wichtig nehmen. Es geht nicht darum, sich anzupassen, sondern den eigenen Weg zu finden. Dann bereichern die Fähigkeiten,  die eigene Persönlichkeit. Differenziertes Denken hilft zum Beispiel, das Leben zu ergründen und im Beruf Erfolg zu haben. Feinfühligkeit und Intuition kommen zwischenmenschlichen Kontakten zugute. Viele hochsensible Menschen finden in der Kunst ein Ventil, mit dessen Hilfe sie den Überfluss ihrer Gefühle und Gedanken nach aussen kehren und zur Ruhe finden können. Entspannungstechniken, Yoga oder Qi Gong sind weitere Wege, innerliche Balance zu üben und zu halten.

Autor: Sigrid Schulze im März 2016

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