Kindergedichte für jedermann, der mit Wörtern jonglieren kann

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Heute schon mit Ihrem Kind ein Gedicht gelesen? Nein, noch nicht? Dann haben Sie etwas versäumt. Gedichte zu lesen, ist nämlich keineswegs eine langweilige oder verstaubte Angelegenheit. Im Gegenteil, Gedichte liegen voll im Trend.

Kindergedichte machen Spass!

Probieren Sie es selbst: Kindergedichte zu lesen und zu schreiben, macht richtig Spass! Foto: iStockphoto, Thinkstock

Mit Gedichten liess sich lange Zeit kaum ein Preis gewinnen. War von Gedichten die Rede, dachte man eher an Werke von Schriftstellern wie Goethe, Lessing und Storm als an moderne Autoren. Gedichten haftete der Eindruck an, leicht verstaubt und antiquiert zu sein. Das hat sich geändert. Moderne Autoren wie Arne Rautenberg, Gerda Anger-Schmidt, Manfred Mai, Franz Wittkamp und Jens Sparschuh bringen neuen Schwung in die Lyrik und begeistern Erwachsene wie Kinder.

Roland und Waldemar (Gesprächsprotokoll)

Ich bin der Riese!
Und ich bin riesig, nicht?
Richtig, flüsterte der Wicht, richtig.
Ich bin ja bloss der Wicht.
Ich bin bloss wichtig.

Jens Sparschuh

Moderne Kindergedichte

Kindergedichte zu lesen, macht nicht nur Spass, sondern fördert auch die Kreativität. «Ich glaube, Kinder brauchen Gedichte, weil das Gedicht ein Medium ist, in dem man Spiel und Spass haben kann, weil Gedichte die Lust an der Sprache befeuern», so der Kieler Schriftsteller Arne Rautenberg in einem Interview mit dem Deutschland-Radio. «Weil meiner Meinung nach die lustvolle Benutzung der Sprache auch mit der lustvollen Benutzung des Denkens einhergeht. Kurzum: Gedichte fördern den kreativen Geist.» Gedichte feilen darüber hinaus auch das Sprachgefühl. Denn Sprache ist nicht eindeutig wie Mathematik, stattdessen kann sie zweideutig und hintersinnig sein.

träumende eulen

wenn eulen
von säuen träumen
dann wühlen sie
im traum im dreck
dann fliegen
dem dreck plötzlich
die säue weg
wenn eulen
von säuen träumen
dann sitzen die säue
auf bäumen
und träumen
von eulen

Arne Rautenberg, aus: "der wind lässt tausend hütchen fliegen", Boje Verlag, Köln 2010

So lassen sich Gedichte in Alltag einbauen

Gedichte lassen sich leicht in den Alltag integrieren. Kniereiter- oder Krabbelverse, Wiegenlieder, Stegreif- oder Abzählverse ziehen schon Kleine auf dem Wickeltisch in den Bann. Kommt der Nachwuchs ins Kindergartenalter, sind Gedichtbände eine lohnende Investition – sorgen sie doch für besinnliche wie lustige Vorlesestunden. Sinnvoll ist es, darauf zu achten, dass die Gedichte zum Alter der Kinder passen. Verse, die Kindern unverständlich sind und überfordern, nehmen ihnen schnell den Spass an Lyrik.

Gedichte-Werkstatt für Geistesblitze

Noch mehr Spass als Kindergedichte zu lesen und manches Lieblingsgedicht auswendig zu lernen, macht es, selbst Gedichte zu erfinden und mit Worten zu spielen. Reime zu entdecken, im Rhythmus zu bleiben. Gedichte sind Musik der Worte. Poesie bietet wie jede andere Kunst die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken und damit das Innere nach aussen zu kehren. Gleichzeitig lässt sich als Gedichte-Erfinder Witz und Fantasie entfalten.

Gedichte zu erfinden, ist nicht schwer. Denn Verse in Gedichten können sich reimen, sie müssen es aber nicht.

Das Elfchen

Ein Beispiel für eine Gedichtform, die Kinder leicht anwenden können, ist das Elfchen.

Urlaub

Urlaub
Ist toll
Ich mag ihn.
Wir entdecken neue Länder.
Juhu!

Elfchen bestehen grundsätzlich aus nur fünf Zeilen. Das einzige Wort der ersten Zeile bezeichnet das Thema. Die zweite Zeile besteht aus zwei Wörtern, die das Thema beschreiben. Die dritte Zeile mit drei Wörtern beginnt in der «Ich»-Form. Was mag man am Thema - oder nicht? Dazu lässt die vierte Zeile mit vier Wörtern Freiraum. Die fünfte Zeile charakterisiert mit einer Eigenschaft das Thema und setzt damit den Schlusspunkt des Elfchens.

Das Akrostichon

Wer wagt sich an ein Akrostichon? Dabei gilt es, ein Gedicht so zusammenzustellen, dass die jeweils ersten Buchstaben jeder Zeile von oben nach unten gelesen selbst wiederum ein Wort ergeben.

In der Nacht war er aktiv,
Gerne durch den Garten lief
Emsig suchte er den Futternapf.
Lore, die Katze, machte stets Platz.

Inspiration für die Kindergedichte-Werkstatt

Inspiration für eigene Kreationen kann dieses Gedicht von unbekanntem Verfasser bieten, das es in vielen verschiedenen Fassungen gibt:

Dunkel war’s

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
grün war die beschneite Flur,
als ein Wagen blitzeschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen sassen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschoss’ner Hase
Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar
sass auf einer grünen Kiste,
die rot angestrichen war.

Neben ihm ’ne alte Schrulle,
zählte kaum erst sechzehn Jahr,
in der Hand ’ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.

Mit Kindern einen Gedichtband erstellen

Kinder, die selbst Gedichte erfinden, gewinnen einen ganz besonderen Bezug zur dieser Literaturgattung. Schön, wenn die eigenen Werke in einem persönlichen Gedichtband festgehalten werden – am besten mit Datum und Namen. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, wann und vom wem das Gedicht entstanden ist. Zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Karneval, Ostern oder unterwegs auf Reisen lässt sich ein Familien-Gedichtbuch anlegen. Hier trägt jeder zum Thema ein, was er selbst in Versen formuliert hat. Das spornt alle Familienmitglieder an. Eine Herausforderung für alle Familienmitglieder!

Buchtipp

Gedichte für kleine Wichte: www.carlsen.de

Autor: Sigrid Schulze

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