Steuerberechnung: So können Familien sparen

  • 21

Um Familien finanziell unter die Arme zu greifen, gab es in den vergangenen Jahren einige Reformen. Anhand von drei Fallbeispielen stellen wir verschiedene Steuerberechnungen vor.

Steuerberechnung: Sparen lernen schon die Kinder.

Kinder verstehen noch nicht wie man Steuern sparen kann. Aber Geld sparen können sie schon. Foto: Goodshot, Jupiterimages, Thinkstock

Abzüge für Ehepaare

Bei verheirateten Paaren wird das Einkommen und Vermögen zusammen gerechnet. Dadurch kommen Ehepaare gegenüber Konkubinatspaaren in eine höhere Steuerprogression. Bei der direkten Bundessteuer führt das in bestimmten Konstellationen zu einer Schlechterstellung von Ehepaaren gegenüber Konkubinatspaaren, da sie höhere direkte Bundessteuern bezahlen. Man spricht umgangssprachlich von der Heiratsstrafe. Um sie zu mildern, wurde bei der direkten Bundessteuer der Zweiverdienerabzug im Jahr 2008 erhöht. Wenn sowohl Mann als auch Frau arbeiten, dürfen sie ihn vom niedrigeren Einkommen abziehen. Für verheiratete Paare, ob erwerbstätig oder nicht, gibt es zudem einen fixen Steuerabzug, den Verheiratetenabzug.

Abzüge für Familien mit Kindern

Bei der Steuerberechnung von Familien gilt Folgendes: Wer mit Kindern zusammenlebt, bekommt pro Kind einen Kinderabzug. Sind die Kinder bereits volljährig, aber noch in Ausbildung, wird er ebenso gewährt. Leben die Eltern getrennt und werden getrennt besteuert, dann wird der Kinderabzug hälftig aufgeteilt. Macht ein Elternteil allerdings den Abzug für Kinderunterhalt geltend, bekommt er keinen Kinderabzug. Kinder- und Kinderunterhaltsabzug schliessen sich aus.

Familien, die ihre Kinder beispielsweise in der Krippe betreuen lassen, wird ein Kinderbetreuungsabzug gewährt. Das gilt nur, wenn die Kinder das 14. Altersjahr noch nicht vollendet haben und die Eltern die Fremdbetreuung in Anspruch nehmen müssen, weil sie selbst arbeiten gehen oder erwerbsunfähig sind.

Bei Paaren oder Alleinerziehenden, die mit Kindern zusammenleben und für deren Unterhalt sorgen, findet der Elterntarif Anwendung. Das ist ein zusätzlicher Abzug von zurzeit 251 Franken pro Kind, der nicht vom steuerbaren Einkommen, sondern am Schluss vom Steuerbetrag abgezogen wird. Der effektiv geschuldete Steuerbetrag von Eltern wird bei der direkten Bundessteuer in drei Schritten berechnet: Zunächst wird der Kinderabzug und der Kinderbetreuungsabzug berücksichtigt und dann wird der Verheiratetentarif angewendet. Der so ermittelte Steuerbetrag wird um 251 Franken pro Kind reduziert, um die tatsächlich geschuldete Steuer festzusetzen.

Einen Überblick über diese und weiter staatliche Hilfen für Familien finden Sie im Beitrag: Kinderzulagen und Co

Fallbeispiele zur Steuerberechnung von Familien

An der Tagung «Familien: Steuern über Steuern» der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen EKFF im Juni 2014 erklärten Sirgit Meier und Daniel Dzamko-Locher von der Steuerverwaltung des Kantons Bern verschiedene Praxisfälle. Wir möchten Ihnen im Folgenden drei dieser Fälle vorstellen. Die Beispiele sind für den Kanton Bern berechnet.

Steuerberechnung für ein unverheiratetes Paar mit gemeinsamem Kind

Marie Frei und Peter Neukomm leben seit dem Jahr 2001 zusammen im Konkubinat. Ihre gemeinsame Tochter Anna wurde 2007 geboren, für die sie die gemeinsame Sorge übernehmen. Marie Frei verdient mit einem 40 Prozent Pensum netto 30'000 Franken, Peter Neukomm erhält 120'000 Franken für ein 100 Prozent Pensum. Gemäss einer von der Vormundschaftbehörde genehmigten Vereinbarung bezahlt Peter Neukomm seiner Partnerin monatlich 500 Franken für die Haushaltsführung und 1500 Franken Unterhalt für die von ihm anerkannte Tochter.

In der Steuererklärung darf Peter Neukomm die Unterhaltsbeiträge, die er für Anna zahlt, abziehen. Die Steuerverwaltung des Kantons Bern stützt sich dabei auf die von der Vormundschaft genehmigte Vereinbarung. Ohne sie kann auch kein Unterhalt geltend gemacht werden. Marie Frei muss die Unterhaltszahlungen versteuern.

Die Kosten für die Haushaltsführung kann Herr Neukomm nicht abziehen, genauso wenig muss Marie Frei diese versteuern. «Vielmehr handelt es sich dabei um steuerlich unbeachtliche Leistungen zwischen Konkubinatspartnern», sagen Sirgit Meier und Daniel Dzamko-Locher gestützt auf ein Bundesgerichtsurteil (BGE 125 V 205, publiziert in Steuer Revue 54/1999, Heft 10, S. 639).

Marie Frei kann, weil sie die Unterhaltsleistungen versteuert und somit für den Unterhalt von ihrer Tochter sorgt, den Kinderabzug geltend machen. Ebenso darf sie die Beiträge an Kranken-, Unfall- und Invaliditätsversicherung abziehen. Peter Neukomm kann das nicht, da er bereits die Unterhaltsleistungen für Anna von der Steuer abgezogen hat.

Da Frau Frei zur Hauptsache für den Unterhalt von Anna aufkommt, wird sie bei der Kantonssteuer zum Verheiratetentarif besteuert, beim Bund zum Elterntarif. Peter Neukomm wird dagegen zum Ledigentarif besteuert.

Weitere Informationen zu diesem Fallbeispiel finden Sie unter www.ekff.admin.ch

Steuerberechnung für ein getrenntes Paar mit gemeinsamem Kind

Das Paar Marie Frei und Peter Neukomm hat sich getrennt. Die Sorge für Ihre Tochter wollen sie gemeinsam ausüben und auch die Obhut soll gleich aufgeteilt werden. Mutter und Vater betreuen Anna je eine Woche im Wechsel. Jeder übernimmt die Kinderkosten, die bei ihm anfallen wie Essen und Taschengeld, selbst übrige Ausgaben für Anna wie Arztkosten und Kleider teilt sich das getrennte Paar. Kinderalimente werden nicht mehr gezahlt. Marie Frei verdient jetzt mehr: Sie hat ein Einkommen von 78'000 Franken, Peter Neukomm ein Einkommen von 81'000 Franken.

Der Kinderabzug wird Vater und Mutter je zur Hälfte gewährt, weil die Eltern die gemeinsame Sorge haben und keine Unterhaltszahlungen fliessen. «Da jeder Elternteil einen halben Kinderabzug geltend machen kann, kann jeder den halben Versicherungsabzug pro Kind beanspruchen.»

Wenn die Eltern getrennt leben, wird derjenige zum Verheiratetentarif besteuert, der hauptsächlich für den Unterhalt aufkommt. Da im Beispiel beide für den Unterhalt aufkommen, erhält derjenige, der das höhere Reineinkommen hat, also Peter Neukomm, den Verheiratetentarif. Seine Ex-Lebensgefährtin wird zum Ledigentarif besteuert.

Weitere Steuerberechnungen zu diesem Beispiel finden Sie unter www.ekff.admin.ch

Steuerberechnung für ein geschiedenes Paar mit zwei volljährigen Kindern in Ausbildung

Rita und Hans Neuhaus sind geschieden. Sohn Hugo ist volljährig. Er lebt bei der Mutter und macht gerade eine Lehre. Im Jahr verdient er 15'000 Franken. Ausserdem zahlt der Vater für ihn 1000 Franken Unterhalt pro Monat. Die ebenfalls volljährige Tochter Manuela wohnt in Berlin um Politologie zu studieren. Von ihrer Mutter erhält sie 800 Franken Unterhalt, von ihrem Vater 1000 Franken.

Welche Abzüge können die Eltern beanspruchen und zu welchem Tarif werden sie besteuert?

Die erwachsenen Kinder Hugo und Manuela müssen die Unterhaltszahlungen nicht versteuern. Deshalb darf sie der Vater aber auch nicht bei der Steuererklärung in Abzug bringen. Dafür kann er für die Unterstützung von Hugo und Manuela bei der direkten Bundessteuer den Kinderabzug geltend machen. Für volljährige Kinder in Erstausbildung darf derjenige den Kinderabzug geltend machen, der die höheren Kinderunterhaltsleitungen erbringt. Hierbei besteht die Vermutung, dass das derjenige ist, der Kinderalimente leistet. Wäre der Sohn allerdings nicht mehr auf die Unterstützung der Eltern angewiesen, ist das nicht mehr möglich. Dann wäre der Kinderabzug nur in Bezug auf die Tochter möglich, weil sie nichts verdient.

Die Mutter darf einen Unterstützungsabzug in Anspruch nehmen, sowohl für die Leistungen an ihre Tochter als auch an ihren Sohn. Im Kanton Bern «kann für eine teilweise erwerbsfähige Person ein Unterstützungsabzug geltend gemacht werden, wenn ihr Reineinkommen CHF 16‘000 nicht übersteigt», sagen Sirgit Meier und Daniel Dzamko-Locher von der Steuerverwaltung des Kantons Bern. Weitere kinderrelevante Abzüge können Mutter und Vater je hälftig beanspruchen.

Der Vater wird zum Ledigentarif besteuert, weil seine Kinder nicht bei ihm wohnen. Der Verheiratetentarif ist nur gültig, wenn ein Elternteil mit den Kindern zusammenwohnt. Die Mutter wird bei der direkten Bundessteuer zum Elterntarif besteuert und bei der Kantonssteuer greift der Verheiratetentarif.

Detaillierte Informationen und weitere Steuerberechnungen zu diesem Fall finden Sie unter www.ekff.admin.ch

Text: Angela Zimmerling im August 2014

zur Startseite

Mary verbringt Zeit am Strand mit ihrem Onkel Frank

Der Film «Gifted» erzählt die Geschichte der hochbegabten Mary. »

 

Hier können Sie nach Familien-Veranstaltungen in Ihrer Region suchen oder diese eintragen.

Service
Ausflüge Kartensuche

Ausflüge und Freizeittipps für die ganze Familie...Weiterlesen

Nach oben