«Gewisse Dinge sagt einem niemand vor der Geburt»

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Nach der Geburt des Babys fangen bei vielen Paaren die Beziehungsprobleme erst so richtig an. Viele sind sich nicht bewusst, wie stark und wie lange ein Kind das Beziehungsglück beeinflusst.

Von: Chantal Hebeisen, im Dezember 2016

Beziehungskiller Baby: Wenn das Elternglück wegen des Nachwuchses scheitert.

Beziehungskiller Baby: Wenn das Elternglück wegen des Nachwuchses zerbricht. (Bild: Brian A. Jackson/iStock, Thinkstock)

Kaum ein roter Teppich oder ein Promianlass, bei dem heute nicht irgend eine Berühmtheit den Partner und die Kinder mit ins Rampenlicht holt und sich als strahlend glückliche Familie inszeniert. So geschehen Mitte Dezember auf dem Walk of Fame in Hollywood, als der kanadische Filmschauspieler Ryan Reynolds einen der begehrten Sterne erhielt. An der feierlichen Zeremonie mit dabei war seine (ebenfalls berühmte) Frau Blake Lively und ihre zwei gemeinsamen Töchter. Alle strahlten sie und liessen keine Zweifel aufkommen, dass sie eine glückliche Familie sind.

Als Reynolds dann das Wort ergriff, bedankte er sich in guter Manier bei seinem Umfeld, seinen Brüdern, seiner Mutter und seinem Vater – und schliesslich auch bei seiner Frau Blake. «Du bist das Beste, wirklich das Allerbeste, das mir je passiert ist», sagte er an sie gerichtet und schob ironisch nach: «Du bist das Beste – nach dem Stern auf dem Walk of Fame natürlich.» Sie habe ihm zwei wunderbare Kinder geschenkt, die wunderbarsten, die man nur haben könne. «Und du hast mich zu dem Vater gemacht, den ich mir immer erträumt habe zu sein. Wo ich doch von mir selbst gedacht habe, ich hätte höchstens Spassonkel-Potential.»

 

Teilen ihr Familienglück mit der Öffentlichkeit: Das Schauspielerpaar Ryan Reynolds und Blake Lively mit ihren beiden Töchtern. (Bild: Twitter/@blakelivelyf)

Beziehungsprobleme nach der Geburt in der Schweiz wenig erforscht

Man mag es Reynolds und seiner Frau gönnen, dass sie das Glück gefunden haben und es ist ihnen zu wünschen, dass sie dieses bewahren können. Doch das Bild der immerzu glücklichen Familie, das in den Medien und auch in der Werbung gerne insziniert wird und die eigene Vorstellung von Familie prägt, entspricht selten der Realität. Eine nun publizierte Meta-Analyse von rund 60 Studien ergab, dass 70 bis 80 Prozent der Paare nach der Geburt eines Kindes unglücklicher sind als vorher. Ein Umstand, den viele Eltern zwar insgeheim vielleicht bejahen, aber kaum einer öffentlich zugeben möchte.

Auch zwei Schweizer Psychologinnen untersuchen nun in einer Studie die Auswirkungen des Elternseins auf die Paarbeziehung. Um mehr über diese besondere Lebensphase der Paare herauszufinden, werten Valentina Anderegg von der Uni Zürich und Christelle Benz von der Fachhochschule Nordwestschweiz nun die Gespräche mit 307 Schweizer Paaren, die zum ersten Mal Eltern geworden sind, in einer Studie aus. «Es handelt sich um einen Bereich, über den man in der Schweiz relativ wenig weiss», sagte Anderegg in einem Gespräch mit der «Sonntagszeitung». Christelle Benz, selbst Mutter von zwei Kindern, ist überzeugt: «Gewisse Dinge sagt einem niemand.» Elternsein sei wie ein neuer Job, ergänzt Valentina Anderegg.  «Du kannst nicht schnuppern, du kannst nicht kündigen. Wir wissen alle nicht, wie wir darauf reagieren.»

Langjährige Beziehung hilft nicht

Dabei seien es meist zuerst die Frauen, die feststellen, dass sie in der Beziehung nicht mehr vollends glücklich sind, dann die Väter, sagt Benz. Diese Beziehungsunzfriedenheit hält laut Anderegg und Benz etwa bis sieben Jahre nach der Geburt an. Dabei muss mit einem landläufigen Vorurteil aufgeräumt werden: Nicht immer ist eine langjähre Zweierbeziehung ein Garant dafür, den Übergang zur Familie problemlos zu meistern. Untersuchungen zufolge steigt die Gefahr, dass ein Baby zum Beziehungskiller wird, je mehr man sich an die kinderlose Zweierkiste gewöhnt hat und sich sein Leben ohne finanzielle Einschränkungen und Abhängigkeiten eingerichtet hat.

Denn immerhin nimmt ein Kind einen grossen Teil im Leben ein: Rund einen Viertel der verfügbaren Zeit wird man sich als Eltern künftig mit dem Nachwuchs beschäftigen. Dabei klaffen laut Valentina Anderegg die Erwartungshaltung und Realität in Bezug auf Verzicht oft eklatant auseinander. «Viele liegen bei der Einschätzung, worauf ihr Partner verzichten würde, völlig daneben.» Der freiheitsliebende Partner mutiere vielleicht zum Helikoptervater, und die sonst anhängliche Partnerin brauche plötzlich Freiraum. Vielfach muss nach der Geburt eines Kindes daher die Beziehung neu ausgehandelt werden.

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