Chinesischer Empfängniskalender: Kleine Spielerei zur Geschlechterbestimmung

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Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Der Chinesische Empfängniskalender soll dies vorhersagen können. Doch allzu ernst sollte man den Kalender nicht nehmen.

Von Sigrid Schulze, im März 2017

Chinesischer Empfängniskalender

Wird's ein Junge oder ein Mädchen? Bild: AND-ONE, iStock, Thinkstock. 

Vielen Eltern ist das Geschlecht ihres Kindes relativ egal – Hauptsache, das Kind kommt gesund zur Welt. Doch manche Mutter, mancher Vater träumt insgeheim von einem Jungen oder einem Mädchen.

Wer wissen will, ob der Wunsch in Erfüllung geht, muss sich oft in Geduld üben. Denn selbst Ultraschallbilder ab der 14. Woche, von denen sich Eltern Klarheit versprechen, lassen nicht immer zweifelsfrei erkennen, um welches Geschlecht es sich handelt – weil das Baby gerade ungünstig liegt.

Chinesischer Empfängniskalender: Schneller als der Ultraschall

Wer nach Wegen googelt, um das Geschlecht bereits früher bestimmen zu können, stösst schnell einmal auf den Chinesischen Empfängniskalender. Doch kann er tatsächlich schneller Licht ins Dunkel bringen? Er beruht auf der Annahme, dass das Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Empfängnis sowie der Monat der Empfängnis das Geschlecht des Kindes bestimmen. Wer diese beiden Daten kennt, könnte also schon direkt nach einem positiv ausgefallenen Schwangerschaftstest das Geschlecht des Kindes in Erfahrung bringen – wenn man diesem Kalender denn vertrauen kann.

Schon der Ursprung des Kalenders ist unklar

«Im chinesischsprachigen Internet ist der Empfängniskalender zwar allgegenwärtig, aber verlässliche Informationen zu seiner Herkunft findet man kaum. Beziehungsweise die Informationen, die man findet, bleiben unbelegt», sagt Kathrin Leese-Messing. Leese ist Assistentin für Sinologie am Lehrstuhl für Traditionelles China an der Universität Zürich. Schon allein zur Information, seit wann es diesen Kalender gibt, würden mehrere auseinandergehende Theorien kursieren.

«Zum einen ist die Rede von einem 700 Jahre alten kaiserlichem Grab, in dem ein entsprechendes Manuskript gefunden worden sein soll. Zum anderen findet man häufig auch die Angabe, der Kalender sei etwa 300 Jahre alt und sei in den Händen der Eunuchen am Hofe der Qing gewesen, die die Inhalte streng geheim gehalten und ausschliesslich der kaiserlichen Familie für die Planung des kaiserlichen Nachwuchses zur Verfügung gestellt hätten», erklärt Leese.

Dass der Kalender durch eine Auswertung einer grossen Fülle wissenschaftlich gesammelter astrologischer und statistischer Daten entstanden ist, ist damit zweifelhaft. Kathrin Leese-Messing: «Das Ganze lässt sich wohl so zusammenfassen, dass alle Aussagen zu Herkunft und Alter des Kalenders positiv ausgedrückt als unklar, negativ ausgedrückt als dubios gelten können.»

Keine zuverlässige Trefferquote

Das betrifft auch die Trefferquote. Einer nordamerikanischen Studie zufolge, die im Internet immer wieder erwähnt, aber nicht benannt wird, liegt die Trefferquote des Chinesischen Empfängniskalenders zwar bei 85 Prozent. «Angaben im Internet über eine angeblich sehr hohe Trefferquote des Empfängniskalenders werden aber von allen halbwegs wissenschaftlichen Quellen widerlegt», sagt Leese.

Bei einer Recherche sei sie auf einen kurzen Artikel in einer chinesischen Zeitschrift gestossen, der sich mit verschiedenen Methoden der Geschlechtervoraussage beschäftigt. «Dem Empfängniskalender wird basierend auf einer kleinen Umfrage mit 60 schwangeren Frauen eine Trefferquote von nur 47 Prozent bescheinigt – was mit anderen Worten seine Untauglichkeit nahelegt.»

Chinesischer Empfängniskalender: Kurze Bedienungsanleitung

Chinesischer Empfängniskalender

Wer den Chinesischen Empfängniskalender nicht zu ernst nimmt, kann sich den Spass machen, herauszufinden, welches Geschlecht er für das ungeborene Kind vorhersieht.

Der erste Schritt besteht darin, in der waagerechten Skala das Mondalter der Mutter zum Zeitpunkt der Empfängnis zu suchen und zu markieren. Mondalter heisst: Lebensjahre seit der Geburt der Mutter plus neun Monate bis zur Geburt des Kindes. Anschliessend fällt der Blick auf die senkrechte Spalte, um den Monat (nach dem chinesischen Mondkalender) anzukreuzen, in dem das Kind gezeugt wurde. Nun muss nur noch der Schnittpunkt auf der Tabelle zwischen Mondalter der Mutter und Zeugungsmonat des Babys gesucht werden.

Im Originalkalender auf chinesisch steht dort, wo sich die beiden Ebenen kreuzen, entweder das Zeichen «nan», das in China «männlich» bedeutet oder «nü» für «weiblich».

Nan         Nü

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