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Wo Sie mit Kindern Marroni sammeln gehen können

Auf Kinder und wie auch Erwachsene üben Marroni eine gewisse Faszination aus. Ob sich in der stacheligen Hülle wohl eine, zwei oder gar vier Früchte befinden? Wo man in der Schweiz Marroni sammeln kann und was zu beachten ist.

Ein Mädchen sammelt Marroni ein

Aussen ein stacheliger Geselle, innen ein zarter Kern: Ein Mädchen sammelt Edelkastanie, oder auch Marroni genannt, ein. (Bild: Klausneu/Pixabay)

Fragt man Kinder, was für sie typisch für den Herbst ist, kommen neben dem mittlerweile sehr beliebten Halloween und Kürbisschnitzen schon bald einmal «Heissi Marroni» und Kastanien sammeln zur Sprache. Während sich Rosskastanien vor allem zum Basteln und Dekorieren eignen, entstehen aus Esskastanien mit nur wenig Aufwand feine Suppen, Beilagen oder Desserts (Lesen Sie auch: 5 feine Marroni-Rezepte).

Beim Maroni sammeln findet man oft Fruchthülsen, die mehrere Nüsse enthalten

Wie viele Früchte beherbergt die Hülse wohl? (Bild: vallefrias/iStock, Thinkstock)

Wer Marroni kaufen will, merkt schon bald einmal, dass die stärkereichen Früchte ein edles Gut sind: Je nachdem, wie gut die Saison und die Ernte war, bezahlen Konsumenten im Laden Preise von rund 6 bis zu 14 Franken pro Kilo. Weitaus günstiger ist, Marroni selber zu sammeln: Man «bezahlt» mit den Währungen Geduld und Muskelkraft.

Regeln zum Marroni sammeln in der Schweiz

Doch ist das auch erlaubt, Marroni ausserhalb des eigenen Gartens zu sammeln? Einer, der diese Frage aus dem Effeff beantworten kann, ist Josef Kühne. Er ist Präsident des Vereins Pro Kastanie Murg und Revierförster. «Im Eidgenössischen Waldgesetz ist festgehalten, dass jedermann in den Schweizer Wäldern Beeren und Früchte sammeln darf – das gilt auch für Marroni», so Kühne.

Im Wald darf man Marroni ungeniert einsammeln

Edelkastanien, die im Wald auf dem Boden liegen, darf man bedenkenlos einsammeln. (Bild: Plazac Cameraman/iStock, Thinkstock)

Jedoch gilt diese generelle Sammelerlaubnis nur für den Wald. «Wenn ein Kastanienbaum auf einer Wiese, vielleicht gar in einer sogenannten Selve, also einem Fruchthain, steht, gehören die Früchte dem Grundstückbesitzer», erklärt Kühne.

Kantonal kann es darüber hinaus spezielle Bestimmungen geben, die genauer präzisieren, wann und wie es erlaubt ist, Esskastanien zu sammeln. Laut der Webseite kastanienland.ch, die zum Gastrobetrieb Kastanienstübli in Murg gehört, gilt im Tessin in manchen gepflegten Fruchthainen ein Sammelverbot bis zum 11. November. Danach darf die Öffentlichkeit die restlichen Kastanien einsammeln.

Sammeln erwünscht: Auf dem Kastanienweg in Murg (SG)

Ein Ort, wo man nach Herzenslust Esskastanien sammeln kann, ist der Kastanienrundweg in Murg. Er ist ab dem Bahnhof Murg ausgeschildert und ist gut 2 Kilometer lang. «Hier darf man alle Marroni, die am Boden liegen, auflesen», sagt Kühne.

Edelkastanien, die noch am Baum hängen, darf man nicht herunterschlagen

Edelkastanien, die noch am Baum hängen, darf man nicht herunterschlagen. (Bild:

Nicht erlaubt sei hingegen, die Früchte mit Stecken oder Steinen vom Baum zu schlagen. «Einerseits sind die Früchte dann noch nicht reif und daher weniger schmackhaft, andererseits verletzt man den Baum, und ein sehr aggressiver Pilz kann durch die Rinde eindringen, was den Baum innert kurzer Zeit absterben lässt», so der Förster.

Infos zum Kastanienweg

Distanz: Zirka 2 Kilometer, 200 Höhenmeter

Start: Ab dem Dorfplatz Murg (folgen Sie dem braunen Wegweiser ab dem Bahnhof)

Rollstuhl-/ Kinderwagen-gängig: Nein. Der Weg fürht über mehrere Treppen. Man kann den Rundweg aber vor den Stufen verlassen und über eine Abkürzungsstrasse später wieder einsteigen.

Besonders: Spielplatz mit Feuerstelle, Spielfiguren aus Kastanienholz, Infotafeln, Bienenhotel, untewegs führt der Weg an einem Wasserfall vorbei

Weitere Informationen zum Kastanienweg in Murg gibt es in diesem PDF.

Kulturgut der Edelkastanie erhalten

Am meisten Glück auf eine gute Sammelausbeute habe man am frühen Morgen oder wenn es regne oder der Föhn blase. «Dann fallen auch mehr Früchte vom Baum.» Um die Mittagszeit herum finde man bei gutem Wetter entlang des Kastanienrundweges aber jeweils kaum noch Kastanien. Wann die Marroni reif sind, ist laut Kühne sehr stark wetterabhängig. In der Regel könne man aber zwischen Mitte September und Mitte Oktober mit reifen Früchten rechnen.

Der Verein Pro Kastanie Murg hat sich zum Ziel gesetzt, das Kulturgut der Edelkastanie aufrecht zu erhalten. Denn das 700 Seelendorf der politischen Gemeinde Quarten am Walensee ist berühmt für seine vielen Edelkastanienbäume – «das grösste Vorkommen der Schweiz nördlich der Alpen», wie Kühne sagt.

Zwar habe man Ende der 40er, Anfangs 50er-Jahre einen Grossteil der Baumkulturen abgeholzt, weil das «Brot armer Leute» allmählich nicht mehr zu den Grundnahrungsmitteln der Bevölkerung gehörte. Ab 2002 forstete die Gemeinde den Baumbestand der Esskastanien langsam wieder auf.

Tipp fürs Esskastanien sammeln

Damit die Marroni richtig gut schmecken, sollte man sie vor dem Verbrauch wässern. Denn frisch aufgesammelt schmecken sie laut Experte Kühne nicht besonders gut. Legen Sie die Marroni dafür direkt nach dem Einsammeln in einen Bottich mit kaltem Wasser. Die Kastanien sollen acht Tage ohne Unterbruch im Wasser bleiben. Jene Marroni, die oben aufschwimmen, sind laut Kühne faul oder wurmstichig, diese entfernen, sie sind ungeniessbar. Wichtig ist, jeden Tag das Wasser zu wechseln. Am achten Tag nehmen Sie die Marroni aus dem Wasser und legen sie ein bis zwei Tage an die Sonne zum Trocknen. Danach sind sie relativ lange haltbar, wenn sie weder zu feuchtem, noch zu trockenen Raumklima ausgesetzt sind. Wenn die Früchte grau werden, muss man sie wegwerfen. Will man die edlen Früchte länger haltbar machen, empfiehlt Kühne, sie einzuschneiden und einzufrieren. Zum Verzehr legen Sie die noch gefrorenen Marroni in den Backofen und braten sie, bis sie gar sind.

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