Baby > Gesundheit & PflegeOhrenschmerzen bei Kindern und Babys – was hilft und wann du zum Arzt musstOhrenschmerzen bei Kindern erfordern eine Menge Fürsorge von dir als Elternteil. Was unterstützt die Heilung, welche Hausmittel helfen wirklich – und wann muss dein Kind zum Arzt? Wir fassen Verlauf, Behandlung und die wichtigsten Warnzeichen zusammen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Dein Baby verhält sich anders als sonst? Es weint unaufhörlich, kommt nicht zur Ruhe, hat Fieber, verweigert die Nahrung oder erbricht? Eine Mittelohrentzündung könnte dahinterstecken. Typisch ist auch, dass sich grössere Kinder ständig ans Ohr fassen, ohne genau sagen zu können, wo es weh tut, und dass die Schmerzen nachts stärker werden [5]. Häufig ist eine Mittelohrentzündung die Folge einer ganz normalen Erkältung: Die Schleimhaut im Nasenrachen schwillt an, die Ohrtrompete wird blockiert, und im Mittelohr sammelt sich Sekret an, in dem sich Bakterien vermehren können. Bei kleinen Kindern ist diese Verbindung kürzer und verläuft flacher als bei Erwachsenen – deshalb trifft es sie so oft. Bis zu einem Viertel der Kinder macht im ersten Lebensjahr mindestens eine akute Mittelohrentzündung durch, bis zum dritten Geburtstag sind es rund 60 Prozent [1]. Wichtig zu wissen: Fieber gehört nicht zwingend dazu. In etwa 17 Prozent der Fälle fehlt es ganz [1]. Baby hat Ohrenschmerzen? Erkältung kann ein Grund sein. (Bild: moodboard/iStock, Thinkstock) Sofort ärztlich abklären lassen Diese Situationen gehören nicht in die Hausmittel-Schublade, sondern noch am selben Tag zur Kinderärztin, in den Notfall oder – bei bedrohlichen Zeichen – an die 144 [3][4]: Säuglinge unter 3 Monaten mit Fieber ab 38 °C (rektal gemessen) müssen unverzüglich ärztlich untersucht werden. In den ersten sechs Lebenswochen gilt das bereits ab 37,5 °C. Kinder von 3 bis 6 Monaten mit Fieber gehören am gleichen Tag zur Ärztin. Ausfluss aus dem Ohr, eine Schwellung oder Rötung hinter dem Ohr oder eine abstehende Ohrmuschel – das können Zeichen einer Mastoiditis sein, einer Entzündung des Warzenfortsatzes am Schädelknochen [1][5]. Steifer Nacken, Lichtscheu, Berührungsempfindlichkeit oder eine veränderte Ansprechbarkeit. Rote oder blaue Hautflecken, die sich nicht wegdrücken lassen. Atemnot, ständiges Erbrechen, Verweigern von Flüssigkeit, zunehmende Teilnahmslosigkeit. Ein Fieberkrampf, der länger als drei Minuten dauert. Schmerzen, die trotz Schmerzmittel nicht besser werden. Und ganz grundsätzlich: Melde dich, wenn du unsicher bist und dir grosse Sorgen um dein Kind machst. Bei Kindern unter zwei Jahren mit hohem Fieber über 39 °C, das länger als 24 bis 48 Stunden anhält, oder mit deutlich reduziertem Allgemeinzustand soll eine Mittelohrentzündung gezielt ausgeschlossen werden [1]. Hausmittel gegen Ohrenschmerzen bei Kindern Das wirksamste «Hausmittel» ist keines: Die Fachgesellschaft pädiatrie schweiz hält fest, dass alle Kinder mit einer akuten Mittelohrentzündung eine wirksame Schmerzbehandlung erhalten müssen – unabhängig davon, ob später ein Antibiotikum dazukommt [1]. Paracetamol und Ibuprofen sind dafür die Mittel der Wahl, regelmässig und in der alters- und gewichtsgerechten Dosierung [1]. Acetylsalicylsäure (etwa Aspirin) darf fiebernden Kleinkindern nicht gegeben werden [5]. Zusätzlich können diese Massnahmen dein Kind entlasten [2][5]: Nasenpflege mit isotonischer Kochsalzlösung. Eine freie Nase hilft, das Mittelohr zu belüften. Zwiebel- oder Quarkwickel aufs Ohr. Das Schweizer Gesundheitsportal Sprechzimmer führt Quark-Zwiebelwickel und Kamillenwickel als entzündungshemmende Massnahme auf. Wichtig: keine Wickel, wenn Flüssigkeit aus dem Ohr läuft [5]. Genug trinken. Fiebernde Kinder brauchen viel Flüssigkeit, bei Säuglingen besteht Austrocknungsgefahr. Biete häufig kleine Mengen an – dem Baby die Brust oder den Schoppen, grösseren Kindern Wasser oder ungesüssten Tee. Ohrentropfen bringen nichts. Sie können das Trommelfell nicht durchdringen und wirken bei einer Mittelohrentzündung deshalb nicht [5]. Wadenwickel: lauwarm, nicht kalt Wadenwickel sind ein Klassiker – werden aber häufig falsch angewendet. Das Ostschweizer Kinderspital beschreibt es so: Tücher mit lauwarmem Wasser oder Essigwasser (ein Viertel Essig, drei Viertel Wasser) tränken, um Waden und Oberschenkel wickeln, die Füsse dabei frei lassen und den Wickel 10 bis 20 Minuten wirken lassen [3]. Zwei Einschränkungen sind entscheidend: Nur anwenden, wenn dein Kind warme Hände und Füsse hat [3]. Kalte Extremitäten und Schüttelfrost zeigen an, dass das Fieber gerade steigt und der Körper die Durchblutung nach innen verlagert – dann würde ein Wickel nur zusätzlich belasten. Bei Kindern unter sechs Monaten sind Wadenwickel, Waschungen und absteigende Bäder nicht angezeigt [3]. Für kleine Säuglinge gilt stattdessen: leicht anziehen, genügend Flüssigkeit – und bei Fieber die Abklärungsschwellen aus der Box oben beachten. Und noch etwas nimmt Druck heraus: Fieber muss nicht um jeden Preis gesenkt werden. Geht es deinem Kind im Grossen und Ganzen gut, mag es noch spielen und wirkt zufrieden, kannst du das Fieber stehen lassen. Entscheidend ist der Zustand des Kindes, nicht die Höhe der Temperatur [4]. Wie du im Ernstfall vorgehst, liest du in unserem Ratgeber zu Fieber beim Baby. Weitere sanfte Massnahmen bei kleinen Infekten findest du in unserer Übersicht zu Hausmitteln für Babys. Der Gang zum Arzt bei Ohrenschmerzen deines Babys Ohrenschmerzen können Fieber verursachen. (Bild: jaochainoi/iStock, Thinkstock) Eine akute Mittelohrentzündung ist eine virale und/oder bakterielle Infektion des Mittelohrs. Der entscheidende Punkt für Eltern: Ob dein Kind ein Antibiotikum braucht, lässt sich nicht daran festmachen, ob Viren oder Bakterien im Spiel sind. Das liesse sich nur über eine Kultur des Mittelohrsekrets klären – also erst bei einer Perforation oder nach einem Trommelfellschnitt [1]. In der Praxis entscheidet die Ärztin nach Alter, Befund und Verlauf. Die Empfehlung von pädiatrie schweiz ist klar: Ein Antibiotikum wird von Beginn weg nur verschrieben, wenn das Kind jünger als zwei Jahre ist, wenn beide Ohren betroffen sind oder wenn das Trommelfell perforiert ist. Trifft keines dieser Kriterien zu, wird zunächst abgewartet – und erst dann behandelt, wenn nach 48 Stunden keine Besserung eingetreten ist [1]. Diese Zurückhaltung ist kein Sparprogramm. Viele Mittelohrentzündungen heilen von selbst ab, und ein unnötiges Antibiotikum bringt Nebenwirkungen wie Durchfall, Erbrechen und Resistenzbildung mit sich [2]. Dazu kommt: Ein Antibiotikum lindert die Schmerzen erst nach zwei bis drei Tagen – und nur bei etwa einem Drittel der Kinder [1]. Genau deshalb steht die Schmerzbehandlung an erster Stelle, nicht das Rezept. Wenn ihr gemeinsam mit der Ärztin abwartet, ist eine Verlaufskontrolle nach 48 Stunden vorgesehen – diese Einschätzung könnt ihr als Eltern selbst vornehmen, sofern euch die Alarmzeichen erklärt wurden: anhaltendes Fieber, anhaltende Schmerzen, Verschlechterung des Allgemeinzustands. Manche Praxen stellen dafür ein Rezept «in Reserve» aus. Bessert sich der Zustand nach zwei bis drei Tagen nicht, gehört dein Kind erneut in die Sprechstunde [2]. Das Wichtigste in Kürze Nimm das veränderte Verhalten deines Kindes und die Symptome ernst. Behandle vor allem die Schmerzen – mit Paracetamol oder Ibuprofen in der richtigen Dosis. Wadenwickel nur lauwarm, nur bei warmen Händen und Füssen, nicht unter sechs Monaten. Bei Säuglingen unter drei Monaten mit Fieber, bei Ohrenausfluss oder Schwellung hinter dem Ohr: sofort ärztlich abklären. Ein Antibiotikum ist nicht der Normalfall – abwarten und beobachten ist bei über Zweijährigen oft die bessere Wahl. Achte darauf, dass dein Kind genügend trinkt. Unbehandelte Ohrenschmerzen: was passieren kann Das Sekret im Mittelohr fliesst nicht ab, der Druck auf das Trommelfell steigt – daher die heftigen Schmerzen. Bleibt eine Mittelohrentzündung unbehandelt oder verläuft sie kompliziert, sind mehrere Verläufe möglich [1]: Mastoiditis. Eine Entzündung der Luftzellen im Warzenfortsatz hinter dem Ohr, gefürchtet vor allem bei Kindern unter zwei Jahren. Zeichen sind Druckschmerz oder spontaner Schmerz hinter dem Ohr, Rötung und eine abstehende Ohrmuschel. Behandelt wird im Spital, meist mit intravenösen Antibiotika und gegebenenfalls chirurgischer Drainage. Intrakranielle Komplikationen. Selten, aber ernst: Hirnhautentzündung, Hirn- oder Epiduralabszess, Sinusvenenthrombose. Fazialisparese. Eine meist vorübergehende Lähmung des Gesichtsnervs, der durch das Mittelohr verläuft. Schwerhörigkeit durch Paukenerguss. Nach einer Mittelohrentzündung bleibt oft Flüssigkeit im Mittelohr zurück. Das ist meist harmlos, kann aber chronisch werden, wenn es länger als drei Monate besteht – mit Folgen für Hörvermögen und Sprachentwicklung. Woran du das erkennst, beschreiben wir im Artikel Wenn das Kind schlecht hört. Ausführlicher gehen wir auf Ursachen, Diagnose und Verlauf im Beitrag Mittelohrentzündung: Wenn die Ohren schmerzen ein. Was das Risiko senkt Ganz verhindern lässt sich eine Mittelohrentzündung nicht. Es gibt aber Faktoren, die das Risiko erhöhen: Passivrauchen, Kita-Besuch, Schnullergebrauch nach dem sechsten Lebensmonat, Allergieneigung und eine familiäre Häufung. Umgekehrt gilt ausschliessliches Stillen während der ersten sechs Lebensmonate als Schutzfaktor bis ins Alter von zwei Jahren. Auch die Pneumokokken-Impfung hat die Häufigkeit von Mittelohrentzündungen spürbar gesenkt [1]. Mit einer konsequenten Schmerzbehandlung, einem wachen Blick auf die Warnzeichen und ärztlicher Begleitung im richtigen Moment kommt dein Kind in aller Regel schnell wieder auf die Beine. Quellen pädiatrie schweiz, Paediatrica: Akute Mittelohrentzündung – Moderne Betreuung, 30.03.2023 (abgerufen am 10.08.2026) pädiatrie schweiz / smarter medicine: Manchmal ist weniger Medizin besser für Ihr Kind: Zehn Beispiele – Mittelohrentzündung (abgerufen am 10.08.2026) Ostschweizer Kinderspital: Fieber – Merkblatt für Eltern (PDF, Version 3.2, abgerufen am 10.08.2026) Universitäts-Kinderspital Zürich: Notfall-Elterninformation Fieber (PDF, 06/2023, abgerufen am 10.08.2026) Sprechzimmer.ch: Mittelohrentzündung (Otitis media) (abgerufen am 10.08.2026) Publiziert von der Redaktion, Titelbild: iStock, Thinkstock