Baby > Gesundheit & PflegeDie bekanntesten Kinderkrankheiten – und wann zum ArztFieber, Windpocken, Scharlach: Das Immunsystem von Babys baut sich erst langsam auf und macht die Kleinen anfällig für Infekte. Das sind die sechs bekanntesten Kinderkrankheiten – mit den Symptomen, dem Impfschutz und der Schwelle, ab der dein Kind ärztlich abgeklärt gehört. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Wenn das Baby sich von einer Kinderkrankheit erholt, hilft es, wenn der geliebte Teddy auch Fieber messen muss. © iStock / Getty Images Plus Wann dein Kind sofort ärztlich abgeklärt gehört Die meisten Kinderkrankheiten heilen zu Hause aus. Entscheidend ist nicht die Höhe des Fiebers, sondern der Zustand deines Kindes. Bei diesen Zeichen meldest du dich ärztlich [4]: Dein Kind ist unter drei Monate alt und hat 38 °C oder mehr Fieber – das ist immer ein Grund, sofort eine Ärztin aufzusuchen. Dein Kind hat einen Fieberkrampf. Es hat einen steifen Nacken, klagt über Kopfschmerzen und ist lichtscheu. Es hat einen Ausschlag mit flohstichartigen roten Punkten, die sich nicht wegdrücken lassen. Es hat Atemnot, erbricht ständig, verweigert Flüssigkeit oder wird zunehmend apathisch. Das Fieber dauert länger als zwei Tage oder bessert sich trotz Paracetamol nicht. Ausführlich erklärt dir das unser Ratgeber Fieber beim Baby: wann du zum Arzt musst. 1 Dreitagefieber Beim Dreitagefieber kann das hohe Fieber drei bis vier Tage andauern. © iStock, Thinkstock Das Dreitagefieber tritt vorwiegend bei Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren auf. Es wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Der Ausbruch bietet einen lebenslangen Schutz vor nochmaliger Ansteckung. Charakteristisch ist ein sehr hohes Fieber bis zu 40 Grad, das drei bis vier Tage anhält. Klingt das Fieber ab, breitet sich ein leichter Ausschlag an Bauch und Rücken aus. In den meisten Fällen reichen Wadenwickel, fiebersenkende Medikamente und ausreichend Flüssigkeit für die Genesung aus. Eine Impfung gibt es nicht. Komplikationen können in Form von Fieberkrämpfen auftreten. Rund drei von hundert Kindern erleiden einen solchen Anfall, meist zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem sechsten Lebensjahr; die meisten Anfälle dauern weniger als fünf Minuten. So handelst du richtig: Ruhe bewahren, Gegenstände wegräumen, an denen sich dein Kind verletzen könnte, und auf die Uhr schauen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten, gibst du das verordnete Notfallmedikament; hört er nach weiteren zehn Minuten nicht auf, rufst du den Notruf 144. Nach dem Anfall bringst du dein Kind in die Seitenlage. Nach jedem Fieberkrampf gehört dein Kind ärztlich abgeklärt, weil hinter dem Fieber eine ernste Erkrankung stecken kann [5]. Mehr dazu liest du in unserem Artikel über Fieberkrämpfe und wie du richtig handelst. 2 Röteln Diese Infektionskrankheit wird von Viren ausgelöst. Charakteristische Symptome sind Kopfschmerzen, leichtes Fieber und schmerzende, geschwollene Lymphknoten. Später kommen rötliche Flecken vor allem im Gesicht hinzu. Häufig verläuft die Infektion mild oder ganz ohne Beschwerden. Ansteckend ist eine erkrankte Person bereits sieben Tage vor und bis zu vier Tage nach dem Auftreten des Ausschlags [2]. Röteln treten nur einmal auf, danach ist die Person immun. Behandelt werden die Kinder mit fiebersenkenden Mitteln und Wärme an den schmerzenden Lymphknoten. Der eigentliche Gefahrenpunkt liegt nicht beim Kind, sondern in der Schwangerschaft. Steckt sich eine Schwangere an, kann das Virus über den Mutterkuchen auf das ungeborene Kind übergehen. In den ersten sechs Schwangerschaftswochen erkrankt in mehr als der Hälfte der Fälle auch das Ungeborene; mögliche Folgen sind Schädigungen von Innenohr, Gehirn, Herz und Augen, aber auch Früh- oder Fehlgeburt. Deshalb sollen Frauen mit Kinderwunsch vor einer Schwangerschaft prüfen lassen, ob sie zwei Dosen der MMR-Impfung erhalten haben – während der Schwangerschaft ist diese Impfung nicht möglich [1], [2]. Für Kinder gilt: Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln wird seit 2019 mit einer ersten Dosis im Alter von neun Monaten und einer zweiten mit zwölf Monaten empfohlen [1]. Dank dieser Impfung gelten die Röteln in der Schweiz seit 2019 als eliminiert; gemeldet werden nur noch einzelne, meist eingeschleppte Fälle. Röteln sind zudem meldepflichtig: Ärztinnen und Ärzte melden einen Fall innert 24 Stunden dem kantonsärztlichen Dienst [2]. 3 Windpocken Windpocken sind eine hochansteckende Krankheit. © iStock, Thinkstock Wilde Blattern werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, ansteckend ist auch die Flüssigkeit in den Bläschen. Charakteristisch sind leichtes Fieber, Müdigkeit und ein juckender, bläschenförmiger Ausschlag, der zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung auftritt. Meist bekommen Menschen die Windpocken nur einmal. Das Virus bleibt aber lebenslang im Körper und kann später eine Gürtelrose auslösen. Wichtig für den Alltag: Dein Kind ist bereits zwei Tage vor dem Ausschlag ansteckend – und bleibt es, bis alle Bläschen verkrustet sind [3]. Therapiert wird mit Lotionen, die den Juckreiz stillen, und mit fiebersenkenden Mitteln; in einzelnen Fällen kommt ein virushemmendes Medikament zum Einsatz [3]. Baumwollkleidung und kurze Fingernägel können Kratznarben verhindern. Die häufigste Komplikation sind bakterielle Hautinfektionen der aufgekratzten Bläschen. Schwere Verläufe mit Lungenentzündung oder Hirn- und Hirnhautentzündung sind selten [3]. Werden einzelne Stellen zunehmend rot, warm und schmerzhaft oder steigt das Fieber nach ein paar Tagen erneut an, gehört dein Kind in die Sprechstunde. Besonders gefährdet sind Neugeborene, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere – bei ihnen droht eine Lungenentzündung, beim ungeborenen Kind ein hohes Risiko von Fehlbildungen [3]. Was nach einem Kontakt zu tun ist, liest du in unserem Ratgeber Wilde Blattern in der Schwangerschaft. Seit 2023 ist die Impfung gegen Windpocken eine Basisimpfung für alle Säuglinge – also keine blosse Option mehr. Empfohlen sind zwei Dosen im Alter von neun und zwölf Monaten, vorzugsweise mit dem kombinierten MMRV-Impfstoff, der zugleich gegen Masern, Mumps und Röteln schützt [1],. Wer die Windpocken noch nicht hatte, kann die Impfung bis zum 40. Geburtstag nachholen; die Kosten übernimmt die Grundversicherung [3]. 4 Scharlach Bei dieser Kinderkrankheit handelt es sich um eine bakterielle Streptokokken-Infektion. Typisch sind plötzliches Fieber bis 40 °C, Halsschmerzen, gerötete Mandeln und geschwollene Halslymphknoten; dazu kommen häufig Bauchschmerzen, Erbrechen und Kopfweh. Zwölf bis 48 Stunden nach Fieberbeginn zeigt sich ein Ausschlag aus dicht stehenden, stecknadelkopfgrossen roten Flecken, dazu die typische hochrote «Himbeerzunge». Etwa 14 Tage nach Krankheitsbeginn kann sich die Haut an Händen und Füssen schälen. Bei Säuglingen und Kleinkindern verläuft die Krankheit oft milder, meist nur mit leichtem Fieber [6]. Bei der Behandlung hat sich die Praxis geändert. Behandelt wird in erster Linie mit fiebersenkenden und schmerzstillenden Mitteln. Antibiotika werden heute zurückhaltender eingesetzt – nämlich dann, wenn die Symptome zunehmen oder nach drei Tagen nicht besser werden. Den Entscheid darüber trifft die behandelnde Ärztin. Nicht jede Halsentzündung ist eine Streptokokken-Angina; sichern lässt sich das mit einem Rachenabstrich. Komplikationen wie Mittelohr-, Lungen- oder Nierenentzündung sind selten, ebenso das rheumatische Fieber, dessen Risiko in der Schweiz sehr tief liegt. Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Zurück in die Kita oder Schule darf dein Kind, sobald es der Allgemeinzustand erlaubt – mit oder ohne Antibiotika [6]. Wie sich die Krankheit bei den Kleinsten zeigt, liest du unter Scharlach bei Babys. 5 Masern Der Ausschlag bei Masern ist grossflächig. © iStock, Thinkstock Masern werden durch das Masernvirus verursacht. Die Inkubationszeit beträgt sieben bis 18 Tage bis zum Einsetzen des Fiebers. Danach treten grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schnupfen, Husten sowie rote, geschwollene Augen auf. In einer zweiten Phase folgt der Hautausschlag mit roten, flächigen Flecken, begleitet von hohem Fieber, Appetitverlust und starkem Unwohlsein. Masern sind hochansteckend – von vier Tagen vor bis vier Tage nach dem Auftreten des Ausschlags [2]. Das erklärt, warum sich die Krankheit ausbreitet, bevor jemand sie erkennt. Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Jeder fünfte gemeldete Fall wird ins Spital eingewiesen. Sechs Prozent der gemeldeten Fälle entwickeln eine Lungenentzündung, 0,3 Prozent eine Hirnentzündung (Enzephalitis). Säuglinge, Schwangere und abwehrgeschwächte Personen tragen ein höheres Komplikationsrisiko als ältere Kinder [2]. Ein Medikament gegen das Virus gibt es nicht; gelindert werden die Symptome, abgedunkelte Räume schonen die Augen. Schützen kann nur die Impfung: zwei Dosen im Alter von neun und zwölf Monaten, seit 2023 vorzugsweise als MMRV-Impfstoff zusammen mit dem Schutz gegen Windpocken [1]. Dank der hohen Durchimpfung gelten die Masern in der Schweiz seit 2018 als eliminiert – das Risiko einer Einschleppung und einzelner Ausbrüche bleibt aber bestehen [2]. Was Eltern wissen müssen: Masern sind meldepflichtig. Schon der begründete Verdacht wird innert 24 Stunden dem kantonsärztlichen Dienst gemeldet. Die Behörden klären dann das Umfeld ab, informieren, impfen Kontaktpersonen nach – und können ungeschützte Kinder vorübergehend von Krippe und Schule ausschliessen [2]. Ruf deshalb vor einem Arztbesuch an, statt mit einem Masernverdacht ins volle Wartezimmer zu gehen. 6 Hand-Mund-Fuss-Krankheit Die Hand-Mund-Fuss-Krankheit ist viral bedingt. Sie wird durch eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Typisch dafür sind Schwindel, Gliederschmerzen, Fieber, Übelkeit oder Halsschmerzen. An den Händen, Füssen und der Mundschleimhaut bilden sich Flecken, Bläschen und Knötchen aus, die schmerzen können. Behandelt wird mit schmerzstillenden Gels. Die Dauer der Erkrankung beträgt acht bis zwölf Tage. Komplikationen sind sehr selten. Spezielle Medikamente oder Impfungen gibt es nicht. Weil die Bläschen im Mund wehtun, trinken betroffene Kinder oft zu wenig. Achte deshalb darauf, dass dein Kind trotzdem ausreichend trinkt – kühle, milde Getränke sind leichter zu schlucken. Verweigert es die Flüssigkeit ganz, nässt es deutlich weniger Windeln als sonst oder wirkt es zunehmend teilnahmslos, meldest du dich ärztlich [4]. Quellen Bundesamt für Gesundheit BAG: Schweizerischer Impfplan 2026 (PDF, Februar 2026). Abgerufen am 11.08.2026. Bundesamt für Gesundheit BAG: Leitfaden zur Meldepflicht übertragbarer Krankheiten und Erreger 2026 (PDF), Kapitel Masern und Röteln. Abgerufen am 11.08.2026. Bundesamt für Gesundheit BAG: Windpocken (Varizellen) & Gürtelrose (Herpes Zoster). Abgerufen am 11.08.2026. Universitäts-Kinderspital Zürich: Notfall-Elterninformation Fieber (PDF). Abgerufen am 11.08.2026. Universitäts-Kinderspital Zürich: Notfall-Elterninformation Fieberkrampf (PDF). Abgerufen am 11.08.2026. Schulärztlicher Dienst der Stadt Zürich: Infoblatt Scharlach / Streptokokken-Angina (PDF, Stand 04/2025). Abgerufen am 11.08.2026. Publiziert von der Redaktion