Baby > Gesundheit & PflegeKlumpfuss beim Baby: Ursache und Therapie der Fussfehlbildung – und wie lange die Schiene bleibtEin Klumpfuss ist eine angeborene Fehlstellung der Füsse. Beginnt die Behandlung in den ersten Lebenswochen, stehen die Chancen auf einen belastbaren und schmerzfreien Fuss sehr gut. Was die Diagnose bedeutet, wie die Behandlung abläuft und warum sie Jahre dauert. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Etwa eines von 1000 Neugeborenen kommt mit einem Klumpfuss zur Welt, nach anderen Angaben sind es bis zu drei von 1000. Damit gehört er zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen überhaupt und ist die häufigste orthopädische Fehlbildung [1][2]. Jungen sind rund doppelt so oft betroffen wie Mädchen, und bei ungefähr der Hälfte der Kinder stehen beide Füsse schief [2][4]. Ein Klumpfuss ist mehr als ein nach innen gedrehter Fuss. Er ist eine starre, dreidimensionale Fehlstellung aus mehreren Teilen: Der Fuss steht in Spitzfussstellung, die Ferse kippt nach innen, das Fussgewölbe ist überhöht, und Mittel- sowie Vorfuss zeigen einwärts. Wie stark diese Teile ausgeprägt sind, entscheidet mit darüber, wie lange die Behandlung später dauert [1][2]. Der Sichelfuss (Pes adductus) ist nicht dasselbe, auch wenn die beiden Begriffe oft verwechselt werden. Er zählt zu den anderen Fussfehlstellungen und betrifft allein die Stellung des Vorfusses, nicht den ganzen Fuss [1][2]. Klumpfuss erkennen: im Ultraschall und nach der Geburt Viele Eltern hören schon in der Schwangerschaft davon. Zwischen der 23. und der 33. Schwangerschaftswoche lässt sich ein Klumpfuss im Ultraschall erkennen. Sicher ist dieser Befund aber nicht: Bei 30 bis 60 Prozent der Kinder, bei denen es im Ultraschall danach aussieht, liegt am Ende kein Klumpfuss vor. Im Mutterleib lässt sich nämlich nicht unterscheiden, ob ein Füsschen nur kurzfristig so liegt oder dauerhaft fehlgestellt ist [5]. Klarheit bringt erst die Untersuchung nach der Geburt, die die Kinderärztin oder der Kinderarzt direkt vornimmt. Besteht schon vorher ein Verdacht, kannst du dich bereits während der Schwangerschaft in einer kinderorthopädischen Sprechstunde beraten lassen [2][5]. Das nimmt einiges von der Unsicherheit weg. Steht die Diagnose fest, gehört ein zweiter Schritt dazu, der leicht vergessen geht. Kinder mit Klumpfuss haben ein erhöhtes Risiko für eine Hüftreifungsstörung. Das Kinderspital Zürich empfiehlt deshalb, möglichst rasch auch einen Ultraschall der Hüfte machen zu lassen. Ein Röntgenbild der Füsse braucht es dagegen in der Regel nicht [2]. Ursachen für einen Klumpfuss Vorweg das Wichtigste: Du hast nichts falsch gemacht. Die meisten betroffenen Kinder haben einen idiopathischen Klumpfuss. Idiopathisch bedeutet, dass keine Ursache erkennbar ist und die Kinder ansonsten völlig gesund sind. Warum ein Klumpfuss entsteht, ist bis heute weitgehend ungeklärt [4]. Am stärksten wiegen die Gene. Hat ein Elternteil selbst einen Klumpfuss, ist das Risiko rund 17-fach erhöht; war ein Grosselternteil betroffen, immer noch 6-fach. Jüngere Geschwister eines Kindes mit Klumpfuss tragen ein um 2,5 Prozent erhöhtes Risiko. Ein einzelnes «Klumpfussgen» gibt es allerdings nicht, beteiligt sind mehrere Gene. Als weitere Risikofaktoren werden in der Fachliteratur Rauchen in der Schwangerschaft und Veränderungen im Bindegewebe diskutiert [4]. Diskutiert heisst: Diese Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit statistisch. Den Einzelfall erklären sie nicht. Seltener tritt ein Klumpfuss zusammen mit anderen Erkrankungen auf, etwa mit einem offenen Rücken (Spina bifida) oder im Rahmen eines Syndroms [4]. Diese Formen werden anders beurteilt und begleitet als der idiopathische Klumpfuss. Ponseti-Methode: So läuft die Behandlung ab Die konservative Therapie steht an erster Stelle, und sie sollte möglichst früh beginnen. Der wichtigste Weg ist die Ponseti-Methode, benannt nach dem spanischen Arzt Ignacio Ponseti, der sie Ende der 1940er-Jahre an der Universität von Iowa entwickelte. Bleibt ein Klumpfuss unbehandelt, belasten Betroffene den Fussaussenrand, und die Füsse werden steif und schmerzhaft [1][2]. Beim Klumpfuss (l.) stehen Ferse, Mittel- und Vorfuss nach innen, dazu kommt eine Spitzfussstellung. Der Sichelfuss ist eine andere Fehlstellung, bei der allein der Vorfuss einwärts zeigt. (Bild: corbac40/iStock, Getty Images Plus) Der Fuss wird dabei von Hand sanft in die richtige Stellung gebracht und in dieser Position eingegipst. Der Gips reicht bis über das Knie und wird wöchentlich gewechselt. Je nach Schweregrad braucht es dafür meist fünf bis acht Gipse. Zu Hause lohnt sich ein regelmässiger Blick auf die Zehen: Weichen die Zehenspitzen in den Gips zurück, rutscht er, und die Korrektur wirkt nicht mehr an der richtigen Stelle [2][3]. Ein Punkt wird oft missverstanden. Die Achillessehne wird bei der Ponseti-Methode fast immer durchtrennt, und das ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen wäre. Die Spitzfussstellung lässt sich durch das Gipsen allein meist nicht ausreichend korrigieren; die Schulthess Klinik nennt dafür eine Quote von rund 90 Prozent [1][2]. Der Eingriff selbst ist klein. Am Kinderspital Zürich erfolgt er perkutan, also durch die Haut, sodass keine störende Narbe zurückbleibt; an der Schulthess Klinik wird er im Beisein der Eltern mit einem Beruhigungsmittel und ohne Narkose durchgeführt. Danach folgen noch einmal rund drei Wochen Gips mit einem Wechsel nach zehn Tagen [1][2]. Die Schienenphase dauert Jahre und entscheidet über den Erfolg Nach der Gipszeit bekommt das Kind eine Abspreizschiene: zwei Spezialschuhe, die über eine Stange verbunden sind. Diesen Teil der Behandlung unterschätzen viele Eltern, weil der Fuss zu diesem Zeitpunkt bereits korrigiert aussieht. Zuerst wird die Schiene Tag und Nacht getragen, je nach Klinik über sechs Wochen bis drei Monate. Danach sinkt die Tragezeit schrittweise, bis nur noch Nacht und Ruhephasen bleiben, rund 12 bis 14 Stunden. Nachts gehört die Schiene dann mindestens bis zum vollendeten vierten Lebensjahr dazu [1][2]. In der Elterninformation des Kinderspitals Zürich steht es unmissverständlich: Die Schiene begleitet das Kind vier bis fünf Jahre [3]. Genau hier entscheidet sich, ob die Korrektur hält. Die konsequente Nachbehandlung ist das Mittel gegen einen Rückfall [2]. Das Kinderspital rät Eltern deshalb, die Schiene gar nicht erst zur Verhandlungssache zu machen: Sie gehört zum Schlafen wie der Pyjama. Längeres Weglassen hilft dem Kind nicht, sich daran zu gewöhnen [3]. Begleitend erhält das Kind nach dem Anpassen der Schiene alle ein bis zwei Wochen Physiotherapie, später in grösseren Abständen. Die Kontrolltermine richten sich nach dem Entwicklungsstand: bis das Kind gehen lernt alle drei bis vier Monate, danach etwa halbjährlich und nach dem Ende der Schienenbehandlung einmal im Jahr [3]. Weitere Therapiemöglichkeiten beim Klumpfuss Neben der Ponseti-Methode gibt es einen zweiten konservativen Weg: die funktionelle Physiotherapie nach Bonnet-Dimeglio. Am Kinderspital Zürich wird sie in der Form angeboten, die die Zürcher Physiotherapeutin Ursula Issler-Wüthrich entwickelt hat. Dabei werden die weichen Strukturen am Fuss von Hand aus ihren Verklebungen gelöst, anschliessend halten Tape und Gipsschalen die Stellung. In den ersten Monaten finden die Sitzungen drei- bis viermal pro Woche statt. Auch auf diesem Weg kann eine Durchtrennung der Achillessehne nötig werden [2]. Grosse Operationen am Fuss sind heute die Ausnahme. Ponseti entwickelte seine Methode gerade deshalb, weil die damals üblichen Eingriffe zu eingesteiften, unvollständig korrigierten und oft schmerzhaften Füssen führten. Ein aufwendig operierter Kinderfuss vernarbt stark und schneidet im Ergebnis schlecht ab. Deshalb wird die Ponseti-Methode selbst bei älteren Kindern zuerst versucht [1]. Ein Rückfall ist trotz korrekter Behandlung möglich, weil der Fuss weiterwächst. Dann wird zuerst wieder gegipst. Erst danach kommen kleinere Eingriffe infrage, etwa eine erneute Verlängerung der Achillessehne oder das Verlagern einer Sehne von der Fussinnenseite auf den Mittel- oder Aussenfuss [1][3]. Was du realistisch erwarten kannst Das Ziel der Behandlung ist ein normal aussehender, funktionell belastbarer und schmerzfreier Fuss. Kinder mit behandeltem Klumpfuss sollen später normal laufen, rennen und Sport treiben können und ganz gewöhnliche Schuhe tragen. Nur bei sehr hartnäckigen Klumpfüssen braucht es länger eine Schiene oder spezielles Schuhwerk [2][6]. Ganz spurlos geht es meist nicht vorbei. Ein behandelter Klumpfuss bleibt oft etwas kleiner, zarter und runder als der gesunde Fuss, auch die Wade ist schmaler. Bei einseitigem Klumpfuss fällt das stärker auf: Die betroffene Seite hat häufig ein bis zwei Schuhgrössen weniger [6]. Selten entsteht im Wachstum eine geringe Beinlängendifferenz, die aber meistens keine Behandlung braucht [3]. Und ein praktischer Punkt, der in vielen Ratgebern fehlt: Ein Klumpfuss gilt als angeborenes Leiden. Bei Kindern, die in der Schweiz geboren sind, kommt in der Regel die Eidgenössische Invalidenversicherung (IV) für die Behandlungskosten auf [3]. Die Anmeldung besprichst du am besten gleich in der kinderorthopädischen Sprechstunde. Quellen Schulthess Klinik, Kinder- und Jugendorthopädie: Klumpfuss – Behandlung mit der Ponseti-Methode (abgerufen am 19.08.2026) Universitäts-Kinderspital Zürich: Säuglingsorthopädie – Klumpfuss (abgerufen am 19.08.2026) Universitäts-Kinderspital Zürich: Klumpfuss: Behandlung nach Ponseti – Elterninformation (PDF, abgerufen am 19.08.2026) Inselspital Bern, Kinderorthopädie und Kindertraumatologie: Klumpfuss – Epidemiologie und Ätiologie (abgerufen am 19.08.2026) Inselspital Bern, Kinderorthopädie und Kindertraumatologie: Die Pränataldiagnostik beim Klumpfuss (abgerufen am 19.08.2026) Inselspital Bern, Kinderorthopädie und Kindertraumatologie: Klumpfuss – FAQ (abgerufen am 19.08.2026) Publiziert von der Redaktion, Titelbild: Eleonora_os/iStock, Getty Images Plus