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Scharlach bei Babys – und wann du zur Ärztin musst

Scharlach gehört zu den bekanntesten Kinderkrankheiten und ist hochansteckend. Am häufigsten trifft er Kinder im Schulalter. Woran du ihn erkennst, wie er heute behandelt wird und ab wann du mit deinem Baby zur Ärztin musst.

Scharlach bei Babys
 

Scharlach wird durch Streptokokken der Gruppe A ausgelöst. Diese Bakterien bilden Giftstoffe, sogenannte Exotoxine, und genau diese Gifte verursachen den typischen Hautausschlag [3]. Dieselben Bakterien lösen auch die Streptokokken-Angina aus – eine Entzündung von Mandeln und Rachen, aber ohne Ausschlag [1].

Übertragen wird Scharlach durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen und Sprechen [4]. Deshalb verbreitet er sich schnell dort, wo viele Menschen eng zusammen sind. Zwischen Ansteckung und den ersten Beschwerden vergehen meist nur ein bis vier Tage [3][4].

Wie oft trifft es Babys? Am häufigsten erkranken Kinder im Schulalter [1], die meisten Fälle betreffen 5- bis 12-Jährige [5]. Im ersten Lebensjahr ist Scharlach damit die eher unwahrscheinliche Erklärung, wenn dein Baby Fieber und einen Ausschlag hat – welche Krankheit welches Bild macht, zeigt unsere Übersicht zu den bekanntesten Kinderkrankheiten. Sicherheit bringt nur die ärztliche Abklärung.

Ärztin untersucht den Rachen eines Kindes
Ärztin untersucht den Rachen des Kindes nach Scharlach. (Bild: kerkez/iStock,Thinkstock)

Symptome und Verlauf

Scharlach beginnt meist plötzlich, mit hohem Fieber, Hals- und Schluckschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen [4]. Die Mandeln sind gerötet und geschwollen, die Lymphknoten am Hals vergrössert [1]. Kleine Kinder erbrechen häufig oder haben Bauchschmerzen. Aufschlussreich ist auch, was fehlt: Kinder mit einer Streptokokken-Infektion haben in der Regel weder Husten noch Schnupfen – anders als bei einem viralen Infekt [1].

Das auffälligste Zeichen ist der Ausschlag. Er besteht aus kleinen, rauen roten Punkten, die sich wie feines Sandpapier anfühlen, und betrifft Wangen, Brust und Bauch sowie Arme und Beine [1]. Er beginnt am ersten oder zweiten Krankheitstag am Oberkörper und breitet sich von dort aus; Handflächen und Fusssohlen bleiben frei [3]. Rings um den Mund bleibt die Haut auffallend blass – der sogenannte «Milchbart» [3]. Stark jucken tut der Ausschlag meist nicht, manche Kinder haben aber trotzdem Juckreiz [1].

Dazu kommt die Zunge: zuerst weisslich belegt, dann leuchtend rot mit deutlich hervortretenden Papillen – «Erdbeer-» oder «Himbeerzunge» genannt [3]. Der Ausschlag verschwindet nach sechs bis neun Tagen. Einige Tage später beginnt sich die Haut zu schälen, vor allem an Handflächen und Fusssohlen [3].

Das Wichtigste in Kürze

  • Scharlach beginnt plötzlich mit hohem Fieber und Halsschmerzen. Dazu kommen ein rauer, sandpapierartiger Ausschlag und die «Himbeerzunge».
  • Am häufigsten erkranken Kinder im Schulalter, nicht Babys.
  • Hat dein Baby Fieber und ist es jünger als drei Monate, gehört es ab 38 Grad unverzüglich zur Ärztin – unabhängig von der Ursache.
  • Nicht jedes Kind mit Scharlach braucht Antibiotika. Werden welche verordnet, gibst du sie bis zum letzten Tag.
  • Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Und wer Scharlach hatte, kann erneut daran erkranken.

Wann du mit deinem Baby zur Ärztin musst

Für Säuglinge gilt eine tiefere Schwelle als für ältere Kinder: Babys unter drei Monaten mit Fieber ab 38 Grad müssen unverzüglich einer Ärztin oder einem Arzt vorgestellt werden [2]. Bei älteren Kindern spricht man erst ab 38,5 Grad von Fieber. Wie du bei einem Säugling richtig misst, steht in unserem Ratgeber zu Fieber beim Baby.

Unabhängig vom Alter gehört dein Kind ärztlich angeschaut, wenn [1][2]:

  • es trotz Schmerzmittel kaum trinkt und weniger als viermal am Tag Urin löst;
  • es zunehmend apathisch wird und nicht mehr spielen mag;
  • die Beschwerden immer stärker werden;
  • es den Hals nicht mehr frei bewegen oder den Mund nicht mehr richtig öffnen kann;
  • du eine einseitige oder zunehmende Schwellung am Hals bemerkst;
  • es ständig erbricht und nichts mehr trinken will oder Atemnot hat;
  • es einen steifen Nacken hat, über Kopfschmerzen klagt und lichtscheu ist – das können Zeichen einer Hirnhautentzündung sein;
  • am Körper flohstichartige rote Punkte auftreten, die sich nicht wegdrücken lassen;
  • es einen Fieberkrampf hat;
  • du dir aus einem anderen Grund Sorgen machst.

Bei lebensbedrohlichen Notfällen wählst du den Sanitätsnotruf 144 [1].

Behandlung: Antibiotika ja oder nein?

Hier hat sich die Praxis verändert. Das Kinderspital Zentralschweiz hält fest: Scharlach und Streptokokken-Angina heilen bei den meisten Kindern gut aus und brauchen in der Regel keine Antibiotika-Therapie. Üblich ist eine Kontrolle in der Kinderarztpraxis nach zwei bis drei Tagen. Bessern sich die Beschwerden bis dahin nicht, kann eine antibiotische Behandlung nötig werden [1].

Grosszügiger verordnet werden Antibiotika bei Kindern mit einer Immunschwäche und bei Kindern, die selbst oder in deren Familie jemand ein akutes rheumatisches Fieber hatte [1]. Nachgewiesen werden die Bakterien über einen Abstrich von Mandeln und Rachen; dieser Test wird nur gemacht, wenn eine Behandlung überhaupt in Frage kommt [1]. Warum Zurückhaltung sinnvoll ist, liest du in unserem Beitrag darüber, dass Antibiotika immer öfter keine Wirkung haben.

Fällt der Entscheid für eine Therapie, ist Penicillin das Mittel der Wahl, in der Regel über zehn Tage [3]. Entscheidend ist dann die Konsequenz: Gib das Medikament bis zum letzten Tag, auch wenn es deinem Kind längst wieder gut geht. Es ist die ausreichend lange Einnahme, die Folgeerkrankungen verhindert [4].

Was du zu Hause tun kannst [1][2]:

  • Achte auf eine gute Trinkmenge. Kühle Getränke werden bei Halsschmerzen oft besser vertragen als warme.
  • Erbricht dein Kind, gib mehrmals kleine Mengen zu trinken.
  • Gegen Fieber und Schmerzen kannst du Paracetamol als Zäpfchen oder Sirup geben, in der altersgerechten Dosis gemäss Packungsbeilage, maximal alle sechs Stunden und höchstens zwei Tage lang. Sinkt das Fieber danach nicht und geht es deinem Kind nicht besser, meldest du dich in der Praxis.
  • Ist dein Kind trotz Fieber gut beieinander, musst du das Fieber nicht zwingend senken. Entscheidend ist der Allgemeinzustand, nicht die Höhe der Temperatur.

Für Babys nicht geeignet: Lutschtabletten und lidocainhaltige Halssprays gegen Halsschmerzen sind erst ab sechs Jahren vorgesehen [1]. Für Säuglinge kommen sie nicht in Frage. Auch Gurgeln, etwa mit Kamillentee, setzt voraus, dass ein Kind das zuverlässig kann – ein Baby kann es nicht. Bei Säuglingen unter drei Monaten steht ohnehin die sofortige ärztliche Abklärung an erster Stelle.

Ansteckung: Wann darf mein Kind wieder in die Kita?

In der Schweiz gilt eine einfache Regel: Dein Kind darf wieder in Kita, Kindergarten oder Schule, wenn es kein Fieber mehr hat und sich dazu im Stande fühlt – unabhängig davon, ob es Antibiotika bekommen hat oder nicht [1].

Zur Ansteckungsgefahr selbst: Wird mit einem wirksamen Antibiotikum behandelt, erlischt sie bei einer Racheninfektion 24 Stunden nach Beginn der Therapie [3][4]. Ohne Antibiotika kann ein Kind bis zu drei Wochen ansteckend bleiben, bei eitrigen Absonderungen auch länger [3].

Mögliche Folgeerkrankungen – und wie wahrscheinlich sie sind

Der schlechte Ruf von Scharlach geht auf zwei Folgeerkrankungen zurück, die erst Wochen nach der Infektion auftreten können:

  • Das akute rheumatische Fieber, bei dem sich Gelenke und Organe entzünden können, unter anderem das Herz. Es tritt nur nach Racheninfektionen auf, im Mittel 19 Tage danach, und hat seinen Altersgipfel bei den 3- bis 15-Jährigen [3].
  • Die akute Glomerulonephritis, eine Entzündung der Nierenkörperchen. Nach einer Racheninfektion vergehen bis dahin im Schnitt 10 Tage, möglich sind eine bis fünf Wochen [3].

Für die Einordnung ist wichtig: Diese schweren Folgeerkrankungen spielen heute eine deutlich geringere Rolle als früher [5]. Häufiger sind eitrige Entzündungen der Mandeln oder des Mittelohrs. Das ist kein Grund zur Sorglosigkeit, aber auch keiner für Panik. Der richtige Umgang ist schlicht: Beschwerden ärztlich abklären lassen und eine verordnete Therapie konsequent zu Ende führen.

Gibt es eine Impfung gegen Scharlach?

Nein. Eine spezifische Impfung gegen Streptokokken der Gruppe A ist bis heute nicht verfügbar [3].

Und noch ein hartnäckiger Irrtum: Wer Scharlach einmal durchgemacht hat, ist nicht lebenslang davor geschützt. Die Immunität richtet sich immer nur gegen jenes Toxin, das bei dieser einen Infektion im Vordergrund stand – deshalb sind mehrfache Scharlach-Erkrankungen möglich [3]. Wie sich Scharlach bei grösseren Kindern zeigt, liest du in unserem Beitrag Scharlach bei Kindern.

Quellen

  1. Kinderspital Zentralschweiz, Kinder- und Jugendnotfallzentrum: Streptokokken-Angina und Scharlach (PDF), abgerufen am 12.08.2026.
  2. Universitäts-Kinderspital Zürich, Notfallstation: Notfall-Elterninformation Fieber (PDF), Ausgabe 06/2023, abgerufen am 12.08.2026.
  3. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Streptococcus pyogenes-Infektionen, Stand 01.02.2024, abgerufen am 12.08.2026.
  4. sprechzimmer.ch: Scharlach, abgerufen am 12.08.2026.
  5. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Scharlach, abgerufen am 12.08.2026.

Publiziert von der Redaktion, Titelbild: iStock, Thinkstock

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