Baby > Stillen & ErnährungStillmythen im Faktencheck: 14 Ratschläge und was wirklich dahintersteckt Melina Maerten Kaum hat sich das Stillen halbwegs eingespielt, kommen die Ratschläge. Von der Nachbarin, von der Schwiegermutter, aus dem Elternforum. Manche stimmen. Viele nicht. Und einige verunsichern genau dann, wenn du eigentlich Ruhe bräuchtest. Hier sind 14 verbreitete Stillmythen und das, was stattdessen gilt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Vieles, was über das Stillen erzählt wird, hält der Nachprüfung nicht stand. © KI generiert von ChatGPT Mythen über deinen Körper Kaum ein Thema zieht so viele Behauptungen an wie die Brust. Die meisten davon schreiben dem Stillen zu, was eigentlich die Schwangerschaft gemacht hat. 1. «Vom Stillen bekommst du einen Hängebusen» In der Schwangerschaft nimmt das Drüsengewebe zu. Die Brust wird grösser. Dabei verdrängt sie einen Teil des Binde- und Fettgewebes. Nach dem Abstillen finden viele Frauen ihre Brust kleiner oder schlaffer, doch meistens geht das über einige Monate und Zyklen zurück, weil sich wieder Fettgewebe einlagert. Was bleibt, geht auf die Schwangerschaft und aufs Älterwerden zurück. Auch bei Frauen, die nie gestillt haben, verliert die Brust mit den Jahren an Festigkeit. Einer Brust ist im Nachhinein nicht anzusehen, ob eine Frau gestillt hat. Ob sie schwanger war, dagegen schon.[1] 2. «Kleine Brüste geben weniger Milch» Für die Milchbildung zählt das Drüsengewebe, nicht die Körbchengrösse. Auch mit kleiner Brust lässt sich stillen, sofern genügend Drüsengewebe vorhanden ist. Sehr grosse Brüste brauchen einen guten Halt, und bei grossen Brustwarzen hat ein Neugeborenes manchmal Mühe, richtig zu fassen. Flachwarzen und Hohlwarzen sind dagegen kein Ausschlussgrund: Die Form der Brustwarze entscheidet nicht darüber, ob das Stillen gelingt. Wichtig ist etwas anderes: Dein Baby öffnet den Mund weit und nuckelt nicht nur an der Spitze. Auch nach einer Brustoperation kann je nach Verfahren gestillt werden.[1] 3. «Stillen lässt die Pfunde purzeln» Pro Tag entstehen rund 780 Milliliter Muttermilch, und das kostet Energie. Einen Teil davon holt sich dein Körper aus den Reserven, die er in der Schwangerschaft angelegt hat; so unterstützt das Stillen das Abnehmen in der Stillzeit tatsächlich. Die restlichen rund 500 Kilokalorien brauchst du zusätzlich auf dem Teller, zum Beispiel als Müesli mit Flocken, Früchten und Nüssen. Stillst du nur teilweise, fällt der Zuschlag entsprechend kleiner aus.[3] Schnell geht das Abnehmen trotzdem nicht. Bis der Bauch kleiner wird, vergehen Monate, und das Gewicht von vor der Schwangerschaft ist meist nach etwa einem Jahr wieder erreicht.[2] 4. «Mit Rückbildung und Sport wartest du bis nach dem Abstillen» Rückbildungsgymnastik gehört in die Stillzeit und nicht erst danach. Ein täglicher Spaziergang von mindestens einer halben Stunde, den du nach und nach verlängerst, dazu Übungen für Beckenboden und Bauch. Wann du mit den Übungen beginnst, sagt dir deine Hebamme. Etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt kannst du wieder an der Kondition arbeiten, etwa mit Velofahren, Schwimmen oder zügigem Gehen.[2] Mythen über die Milchmenge Zu wenig Milch zu haben, ist die häufigste Sorge stillender Mütter. Fast alle Hausmittel dagegen zielen auf das Falsche. 5. «Du musst viel trinken, sonst hast du zu wenig Milch» Genug trinken sollst du. Mindestens zwei Liter am Tag, am besten Wasser oder ungesüssten Tee. Mehr bringt aber nicht mehr Milch: Von Mengen über drei Litern täglich wird abgeraten, weil sie die Milchproduktion eher stören.[3] Und für all die Getränke, denen eine milchbildende oder milchhemmende Wirkung nachgesagt wird, fehlen die wissenschaftlichen Belege.[4] 6. «Meine Milch reicht nicht» Die Milchbildung folgt dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je häufiger und wirksamer dein Baby Milch entnimmt, desto mehr bildet dein Körper. Dabei zählt die Häufigkeit der Mahlzeiten mehr als ihre Dauer. Lange Pausen dazwischen bremsen. Gerade in den ersten Wochen möchten viele Babys abends sehr oft und lange an der Brust sein. Das ist normal und kein Hinweis auf zu wenig Milch; dieses Verhalten heisst Clusterfeeding.[1] Auch dass die Brust mit der Zeit wieder kleiner und weicher wird, heisst nicht, dass zu wenig Milch da ist. Gute Zeichen sind fünf bis sechs nasse Wegwerfwindeln in 24 Stunden, eine zufriedenstellende Gewichtszunahme und ein waches, an seiner Umgebung interessiertes Baby.[1] Nimmt dein Baby nicht genügend zu, melde dich gleich bei einer Fachperson.[2] Fehlen nur die anderen Zeichen, leg dein Baby tagsüber mindestens alle zwei Stunden an und weck es dafür notfalls; nachts richtet sich der Abstand nach seinem Schlafbedarf und liegt bei drei bis vier Stunden. Oft zeigt sich nach zwei bis drei Tagen mehr Milch. Wenn nicht, melde dich ebenfalls.[1] Woran du im Alltag erkennst, ob dein Baby genug trinkt, steht ausführlich im Artikel zur richtigen Trinkmenge. 7. «Die Milch ist zu dünn» und «die Brust muss leer getrunken werden» Muttermilch besteht zu 88 Prozent aus Wasser, und ihre Zusammensetzung ändert sich während der Mahlzeit. Häufige, kurze Mahlzeiten an beiden Brüsten liefern eine wasserreichere Milch mit wenig Fett, die den Durst löscht. Je länger dein Baby an einer Brust trinkt, desto fetthaltiger und sättigender wird die Milch.[1] Dünn ist sie also nie. Wie lange dein Baby an einer Brust trinkt, darf es deshalb selbst bestimmen. Und einen Punkt, an dem die Brust «leer» wäre, gibt es ohnehin nicht. 8. «Nach sechs Monaten bringt Muttermilch nichts mehr» In den ersten vier bis sechs Monaten liefert Muttermilch die Nährstoffe, die dein Baby braucht. Danach steigt sein Bedarf, und Beikost kommt dazu: frühestens ab dem fünften und spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats. Wertlos wird die Muttermilch dadurch nicht. Gestillt wird parallel weiter, so lange ihr beide möchtet.[4] Mehr zum Nebeneinander von Stillen und Beikost steht im Artikel darüber, wie lange Stillen sinnvoll ist. Mythen über Essen und Trinken in der Stillzeit Rund um die Ernährung in der Stillzeit kursieren lange Verbotslisten. Zwei Punkte davon lohnen den genaueren Blick, weil der eine zu locker und der andere zu streng ist. 9. «Koffein ist unbedenklich» Verzichten musst du nicht, unbegrenzt zugreifen aber auch nicht. Massvoll heisst ein bis zwei Tassen Kaffee oder vier Tassen Schwarz- oder Grüntee am Tag. Ab etwa 200 Milligramm Koffein täglich wird der Säugling unruhig und findet schlechter in den Schlaf. Energydrinks gehören nicht in die Stillzeit, weil sie sehr grosse Mengen Koffein enthalten, und auch chininhaltige Getränke wie Tonic oder Bitter Lemon meidest du besser.[3] 10. «Bloss keine blähenden Lebensmittel!» Kohl, Zwiebeln, Hülsenfrüchte. Kaum eine Liste hält sich hartnäckiger. Blähungen und Unwohlsein deines Babys haben aber nur sehr selten mit deiner Ernährung zu tun. Fällt dir auf, dass dein Kind jedes Mal nach einem bestimmten Lebensmittel reagiert, kannst du es eine Zeit lang weglassen. Eine Verbotsliste, die für alle gilt, gibt es nicht. Wichtiger ist, dass du vielfältig isst, denn dein Bedarf an Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen ist in der Stillzeit erhöht.[1] Mythen über Stillprobleme und Alltag Diese vier Sätze haben einen wahren Kern. Nur sind die Schlüsse daraus falsch. 11. «Bei einer Brustentzündung musst du abstillen» Eine Brustentzündung, fachlich Mastitis, fühlt sich an wie eine Grippe: müde und erschöpft, dazu Fieber und Kopfschmerzen. Zusätzlich schmerzt die Brust, und eine Stelle ist heiss und gerötet. Eine Brustentzündung ist eine ernsthafte Komplikation, und du solltest innerhalb von 24 Stunden eine wirksame Behandlung bekommen. Melde dich deshalb sofort bei deinem Arzt oder deiner Ärztin und anschliessend bei einer Stillberaterin.[1] Abstillen musst du deswegen in der Regel nicht, auch nicht, wenn du Medikamente bekommst. Im Gegenteil: mindestens alle drei Stunden stillen, im Bett bleiben und nach dem Stillen kühle Wickel auflegen.[2] Häufig geht ein Milchstau voraus. Seine Ursachen sind zu lange Pausen zwischen den Mahlzeiten, Stillen nach der Uhr statt nach Bedarf, zu rasches Abstillen oder Druck auf die Brust.[1] Bessert sich ein Milchstau innert 24 Stunden nicht, melde dich ebenfalls bei einer Fachperson.[2] 12. «Stillen ist ein sicheres Verhütungsmittel» Wann der erste Eisprung nach der Geburt kommt, lässt sich nicht vorhersagen. Bei 5 Prozent der Frauen ist er sechs Wochen danach wieder da, bei 25 Prozent nach zwölf Wochen und bei 65 Prozent nach 24 Wochen. Beim vollen Stillen wird trotzdem etwa eine von 200 Frauen schwanger, beim teilweisen Stillen nach dem sechsten Monat sind es zwei von 100. Zusätzlich verhüten solltest du, sobald du länger als sechs Monate stillst, nicht mehr voll stillst oder die Periode wieder eingesetzt hat. Dasselbe gilt, wenn du schon nach drei Monaten sichergehen willst.[5] Welche Methode in der Stillzeit für dich passt, besprichst du am besten mit deiner Frauenärztin oder deiner Hebamme. 13. «Nur ein sattes Baby schläft durch» Die kindliche Schlafentwicklung verläuft wellenförmig, und sie hängt kaum davon ab, wie satt dein Kind am Abend ist. Zwischen sechs und zwölf Monaten wachen die meisten Kinder sogar wieder häufiger auf, ob sie nun gestillt werden oder nicht. Hinter unruhigen Nächten stecken meist Wachstumsschübe, Infekte, das Zahnen oder Entwicklungsschritte.[1] 14. «Stillen funktioniert ganz von selbst» Stillen ist natürlich, aber nicht automatisch. Es will gelernt sein, von euch beiden. Viele Anfangsschwierigkeiten lassen sich mit der richtigen Information und fachlicher Begleitung lösen.[1] Und wenn es trotz Unterstützung nicht klappt: Das ist kein Scheitern. Welche Wege es dann gibt, steht im Artikel darüber, wenn du nicht stillen willst oder kannst. Wo du verlässliche Antworten bekommst Sobald sich eine Frage nach mehr anfühlt als nach einem gut gemeinten Ratschlag, lohnt sich der Weg zu einer Fachperson: zu einer Still- und Laktationsberaterin, zu deiner Hebamme oder zur Mütter- und Väterberatung in deiner Gemeinde. Dort lässt sich dein Baby auch wiegen, wenn du bei der Gewichtszunahme unsicher bist.[1] Einen Überblick über die Beschwerden, die am häufigsten vorkommen, findest du bei den häufigsten Stillproblemen. Quellen Stillförderung Schweiz: «Häufige Fragen zum Stillen», aktualisiert 2024. stillfoerderung.ch (abgerufen am 22.09.2026) Stillförderung Schweiz: «Stillen – ein gesunder Start ins Leben», Broschüre, 2026. stillfoerderung.ch (PDF) (abgerufen am 22.09.2026) Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: «Ernährung während der Stillzeit», Merkblatt, aktualisiert 2026. sge-ssn.ch (PDF) (abgerufen am 22.09.2026) Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: «Fragen und Antworten zu Ernährung während Schwangerschaft und Stillzeit», November 2018. blv.admin.ch (PDF) (abgerufen am 22.09.2026) Gundula Hebisch, Kantonsspital Frauenfeld: «Sexualität in Schwangerschaft und Stillzeit aus medizinischer Sicht», Weltstillwoche-Symposium vom 20.09.2018. stgag.ch (PDF) (abgerufen am 22.09.2026)