Baby > Stillen & ErnährungWann tritt eine Saugverweigerung auf, was ist zu tun – und wann zur Kinderärztin?Wenn dein Baby die Brust verweigert, liegen die Nerven schnell blank. Meist steckt ein vorübergehender Stillstreik dahinter und kein Notfall – trotzdem gibt es Zeichen, bei denen du nicht abwarten solltest. Hier liest du, woran eine Saugverweigerung liegen kann, was hilft und wann du ärztlich abklären lässt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Das Wichtigste in Kürze Eine Saugverweigerung tritt in jeder Phase des Säuglingsalters auf: direkt nach der Geburt, nach erfolgreichem Anlegen oder im Laufe der Stillzeit. Auch Flaschenkinder können das Saugen verweigern. Hinter einem Stillstreik stecken oft harmlose Gründe – manchmal aber Schmerzen, ein Infekt oder ein Soor im Mund.[2] Trinkt dein Baby deutlich weniger als sonst, hat es weniger als vier nasse Windeln pro Tag oder wirkt es teilnahmslos, gehört es ärztlich abgeklärt.[3] Tee und Wasser ersetzen keine Milchmahlzeit.[1] Die Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie – die Fachgesellschaft tritt heute als pädiatrie schweiz auf – schliesst sich der europäischen Fachgesellschaft ESPGHAN an: Nach der Einführung der Beikost soll so lange weitergestillt werden, wie Mutter und Kind das möchten, ohne dass eine bestimmte Dauer festgelegt wird.[1] Wie lange und wie oft Stillen normal ist, liest du im Beitrag Wie lange sollte ich mein Kind stillen?. Aber oft kommt es anders als geplant – etwa, wenn dein Kind die Brust verweigert. Eine Brustverweigerung kann in ganz unterschiedlichen Phasen des Säuglingsalters auftreten. Mit Geduld und den nötigen Massnahmen lässt sich die Stillbeziehung meist wiederherstellen. Ein Stillstreik ist selten der Moment, in dem sich ein Baby von selbst abstillt – falls du dich bewusst fürs Abstillen entscheidest, findest du das Vorgehen im Beitrag Tipps zum Abstillen. Brustverweigerung während der Stillzeit: Gründe und Massnahmen Dein Baby verweigert die Brust, obwohl es nach der Geburt gut angelegt hat? Viele Mütter vermuten dann zuerst, sie hätten zu wenig Milch. Häufiges Schreien, der Wunsch nach mehr Milch, ständiges Getragenwerdenwollen oder eine weich gewordene Brust sind laut La Leche League Schweiz aber keine verlässlichen Hinweise darauf.[2] Verlässlich sind andere Zeichen: fünf bis sechs nasse Windeln in 24 Stunden, in den ersten vier bis sechs Wochen mindestens dreimal Stuhlgang pro Tag, eine gute Hautspannung, Aktivität in der Wachphase und eine Gewichtszunahme entlang der eigenen Perzentile.[2] Stimmen diese Punkte, bekommt dein Baby genug – dann liegt die Ursache der Verweigerung woanders. Richtige und gemütliche Stillpositionen sind kurzfristige Mittel, um die Situation zu verbessern. Längerfristig helfen häufiges Anlegen (rund zwölfmal in 24 Stunden), viel Körperkontakt und das Baby die Mahlzeit selbst beenden zu lassen.[2] Die La Leche Liga Deutschland fasst die wichtigsten Punkte in einem Merkblatt zum Anregen des Milchflusses zusammen. Bleibt die Verweigerung, lohnt sich der Blick auf körperliche Ursachen. Ein verkürztes Zungenband kann deinem Baby das Saugen an der Brust erschweren – La Leche League Schweiz rät, die Beweglichkeit der Zunge prüfen zu lassen.[2] Auch ein Soor im Mund, erkennbar an einem weissen Belag auf Zunge und Backeninnenseite, kommt als Grund infrage.[2] Dazu kommen eine Infektion im Mund- und Rachenraum, Schnupfen oder das Zahnen. Weitere typische Stolpersteine haben wir in der Übersicht der zehn häufigsten Stillprobleme zusammengestellt. Nicht zu vernachlässigen sind ausserdem psychische Ursachen wie Überreizung, Lärm oder Anspannung. Auch sehr stark gewürztes Essen kann den Geschmack der Muttermilch und den Körpergeruch verändern, was beim Baby zur Ablehnung der Brust führen kann. Wann du ärztlich abklären lassen solltest Ein Stillstreik ist meistens harmlos. Heikel wird es, wenn dein Baby dabei zu wenig Flüssigkeit bekommt: Säuglinge trocknen schneller aus als grössere Kinder und sind deshalb besonders gefährdet.[3] Das Kinder- und Jugendnotfallzentrum des Kinderspitals Zentralschweiz nennt als Zeichen einer Austrocknung keine Tränen mehr, weniger als vier nasse Windeln pro Tag und Apathie – das Kind mag gar nicht mehr spielen.[3] Hol dir ärztliche Hilfe, wenn einer dieser Punkte zutrifft: Dein Baby verweigert das Trinken ganz oder ist zu müde zum Trinken.[3] Es zeigt Zeichen einer Austrocknung: keine Tränen mehr, weniger als vier nasse Windeln pro Tag, Teilnahmslosigkeit.[3] Dein Baby ist jünger als drei Monate und hat Fieber, erbricht oder hat Durchfall.[3] Der Zustand verschlechtert sich – oder du machst dir Sorgen.[3] Eine Still- und Laktationsberaterin ziehst du früher bei: La Leche League Schweiz nennt weniger als drei nasse Windeln in 24 Stunden, ausbleibenden Stuhlgang, einen Gewichtsrückgang oder eine Gewichtsstagnation sowie ungewohntes Verhalten deines Babys als Gründe, Kontakt aufzunehmen.[2] Bei einem lebensbedrohlichen Notfall wählst du den Sanitätsnotruf 144.[3] Saugverweigerung bei Schoppenkindern Auch Flaschenkinder verweigern manchmal das Trinken. (Bild: Pilin_Petunyia/iStock, Thinkstock) Aus der Flasche fliesst die Milch meist gleichmässiger als aus der Brust – für dieselbe Menge muss ein Flaschenkind darum weniger arbeiten. Trotzdem kann es auch bei Schoppenkindern zu einer Saugverweigerung kommen, etwa bei einer stark verstopften Nase oder bei Atemwegsbeschwerden. Und weil den Schoppen oft auch der Vater, die Grosseltern oder die Kita geben, bemerkt manchmal jemand anderes zuerst, dass weniger getrunken wird – sprecht euch ab und notiert die Trinkmengen.[3] Wenn dein Baby krank ist, stark zahnt oder in einem Wachstumsschub steckt, nimmt der Appetit ab. Für kranke Kinder empfiehlt das Kinderspital Zentralschweiz, häufige kleine Trinkmengen anzubieten, statt eine grosse Mahlzeit zu erzwingen.[3] Wichtig: Ersetze die Milch nicht durch Tee oder Wasser. Bis zur Beikost sind Muttermilch beziehungsweise Säuglingsmilch die Flüssigkeit, die dein Baby braucht; erst rund um die Beikosteinführung kommt Wasser als zusätzliches Getränk dazu.[1] Gesüsste Getränke, Fruchtsaft und Fruchtnektar sind wegen des hohen Zuckergehalts und drohender Zahnschäden zu vermeiden.[1] Trinkt dein Baby deutlich weniger Milch als sonst, braucht es keinen Ersatzdrink, sondern eine ärztliche Beurteilung.[3] Baby verweigert die Brust von Anfang an Das Baby verweigert das erste Trinken. (Bild: Design Pics/iStock, Thinkstock) Das Kind zu stillen, ist der Wunsch vieler werdender Mütter. Oft passiert es dann aber, dass das Baby die Brust von Anfang an verweigert. War die Geburt sehr anstrengend, insbesondere nach einem Kaiserschnitt, sind die Kleinen meist so erschöpft, dass sie für das Saugen an der Brust zu schwach sind. Und wenn dir während der Geburt auf intravenösem Weg Flüssigkeit zugeführt wird, können die Brustwarzen stark anschwellen oder abflachen. Dein Baby hat es dann schwerer, an der Brust zu saugen, weil es die Warzen nicht mit dem Mund fassen kann. Dasselbe gilt, wenn du von Natur aus Hohl- oder Flachwarzen hast. Du kannst den Such- und Saugreflex deines Babys regelmässig anregen, indem du es immer wieder vorsichtig anlegst. Achte dabei auf frühe Hungerzeichen wie Mundbewegungen, Suchbewegungen und erhöhte Aktivität – Schreien ist ein spätes Hungerzeichen.[2] Auch Bonding hilft, weil dabei viel Körperkontakt entsteht. Drücke aber niemals den Kopf deines Babys an die Brust: Es kann dadurch eine Abneigung gegen die Brust entwickeln. Wie der Start sonst noch gelingt, verrät die Hebamme in unseren Tipps zum Stillen. Weitere Informationen Scheu dich nicht, im Zweifelsfall Hilfe zu holen. Die Stillberatung von La Leche League Schweiz ist kostenlos und auch ausserhalb der Bürozeiten erreichbar; sie ersetzt allerdings keine ärztliche Diagnose.[4] Eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC in deinem Kanton findest du im Verzeichnis des Berufsverbands Schweizerischer Stillberaterinnen (BSS).[5] Quellen Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (heute pädiatrie schweiz), mit BLV und SGE: Empfehlungen für die Säuglingsernährung (2017), PDF (Weiterstillen nach Beikosteinführung «so lange, wie Mutter und Kind dies möchten»; Muttermilch als ideale Flüssigkeitszufuhr, Wasser erst als Ergänzung rund um die Beikost; gesüsste Getränke und Fruchtsäfte zu vermeiden; abgerufen am 11.08.2026) La Leche League Schweiz: Stillwissen – Stillen? Stillen! Fragen und Antworten (Anzeichen für genügend Muttermilch: 5–6 nasse Windeln in 24 h, mindestens 3-mal Stuhlgang in den ersten 4–6 Wochen, Gewichtszunahme entlang der Perzentile; Schwellen für den Kontakt zur Stillberaterin: weniger als 3 nasse Windeln in 24 h, kein Stuhlgang, Gewichtsrückgang oder -stagnation; Hinweise auf Zungenbändchen und Soorinfektion; abgerufen am 11.08.2026) Kinder- und Jugendnotfallzentrum, Kinderspital Zentralschweiz (LUKS): Magen-Darm-Grippe – Was tun, wenn Ihr Kind krank ist?, Merkblatt, PDF (Zeichen der Austrocknung: keine Tränen, weniger als 4 nasse Windeln pro Tag, Apathie; ärztliche Hilfe bei Trinkverweigerung, bei Säuglingen unter 3 Monaten mit Fieber sowie bei Verschlechterung; häufige kleine Trinkmengen; Sanitätsnotruf 144; abgerufen am 11.08.2026) La Leche League Schweiz: Stillberatung (Beratung kostenlos und auch ausserhalb der Bürozeiten, ersetzt keine ärztliche Diagnose und Therapie; abgerufen am 11.08.2026) Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen IBCLC (BSS): Stillberaterin finden (Verzeichnis der Aktivmitglieder nach Kanton und Angebot; abgerufen am 11.08.2026) Publiziert von der Redaktion, Titelbild: iStock, Thinkstock