Baby > Stillen & ErnährungWas für eine Erleichterung – Babys GörpsliEin Görpsli, hoffentlich hat es niemand mitbekommen. Was in der Erwachsenenwelt als unhöflich gilt, ist bei Babys nach der Milchmahlzeit gern gesehen. Warum das Aufstossen vielen Babys guttut, wie lange es dazugehört und woran du merkst, dass Spucken einmal nicht mehr harmlos ist. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Das Wichtigste in Kürze Babys schlucken beim Trinken Luft mit. Kommt sie als Görpsli wieder hoch, empfinden das viele Kinder als angenehm. Ein Bäuerchen ist trotzdem kein Muss. In einer kontrollierten Studie schrien Babys mit Bäuerchen nicht seltener, und sie spuckten sogar häufiger. Kommt nach ein paar Minuten nichts, kannst du dein Baby ruhig wieder hinlegen. In die Sprechstunde gehört dein Kind, wenn es mehrmals grössere Mengen erbricht, Schmerzen hat oder nicht an Gewicht zunimmt. Blähungen sind in den ersten Lebensmonaten weit verbreitet. Und so gewöhnlich sie sind: Den Kleinen können sie grossen Kummer machen. Manche Schreiattacke am Abend lässt sich mit einem harten, gespannten Bauch erklären. Schreit dein Baby vor allem in den ersten drei Monaten stundenlang, zieht die Beinchen an und hat einen harten Bauch, spricht man von Dreimonatskoliken.[1] Warum Babys beim Trinken Luft schlucken Trinken will gelernt sein. Gerade am Anfang trinken viele Babys sehr hastig und schlucken dabei Luft mit. Ein Teil davon kommt als Görpsli wieder hoch. Ob die geschluckte Luft tatsächlich die Ursache für das Bauchweh ist, ist allerdings weniger gut belegt, als es der Alltagsratschlag vermuten lässt. Dazu weiter unten mehr. Häufig hängt das Luftschlucken mit dem Tempo zusammen. Beim Stillen kann es helfen, zuerst nur eine Brust zu geben und dann eine Pause zu machen, bevor die zweite drankommt. Bekommt dein Baby den Schoppen, ist vielleicht das Loch im Sauger zu gross: Die Milch sollte tropfenweise aus der Flasche laufen, nicht rinnen.[1] Weitere Tipps von der Hebamme zum Anlegen und Stillen findest du in einem eigenen Beitrag. Wie wohltuend! Baby macht nach dem Stillen ein Bäuerchen. (Bild: vitapix/iStock, Thinkstock) Wie lange ist das Bäuerchen wichtig? Eine allgemeingültige Regel gibt es nicht. Am ehesten lohnt sich das Bäuerchen, solange Milch die Hauptnahrung deines Kindes ist, ob Muttermilch oder Säuglingsnahrung. Die Beikost kommt in der Schweiz frühestens im fünften und spätestens im siebten Lebensmonat dazu.[3] Ab dann verschluckt sich dein Kind an Brei nicht mehr so leicht, und der Verdauungsapparat reift weiter. Muss jedes Baby ein Bäuerchen machen? Das Bäuerchen gehört zu den Ratschlägen, die von Generation zu Generation weitergereicht werden. Geprüft wurde es selten. Eine randomisierte Studie mit 71 Mutter-Kind-Paaren begleitete drei Monate lang zwei Gruppen: Bei der einen wurde nach jeder Mahlzeit auf ein Bäuerchen gewartet, bei der anderen nicht. Die Kolik-Episoden gingen dadurch nicht messbar zurück. Und die Kinder in der Bäuerchen-Gruppe spuckten sogar deutlich häufiger.[2] Für den Alltag heisst das: Ein Görpsli ist ein Angebot, keine Pflicht. Wenn dein Baby sichtlich erleichtert aufstösst, ist alles gut. Kommt nach ein paar Minuten nichts, musst du nicht weiterklopfen. Und wenn dein Kind während des Trinkens einschläft, lass es schlafen. Nach dem Aufwachen ist immer noch Zeit für ein Bäuerchen. Tipps und Tricks rund um das Bäuerchen beim Baby Leg dir ein Tuch über die Schulter. Manche Babys stossen nicht nur Luft auf, sondern auch ein Schlückchen Milch. Nimm dein Baby danach sanft hoch auf den Arm, stütze den Kopf und klopfe vorsichtig auf den Rücken. Es kann durchaus einige Minuten dauern, bis ein Bäuerchen kommt. Manche Kinder tun sich schwer damit, auch wenn es ihnen Erleichterung verschaffen würde. Ein alter Trick aus der Hebammenpraxis: Du legst dein Baby quer über deine Knie, hältst mit der einen Hand den Kopf und hebst mit der anderen Hand die Arme immer wieder hoch. Das öffnet den Brustkorb. Manchmal bietet es sich an, schon während der Mahlzeit auf ein Görpsli zu warten. Trinkpausen und Hochnehmen fördern das Aufstossen. Aber Vorsicht: Wenn dein Kind sehr hungrig ist und auf Pausen mit Weinen reagiert, beende lieber erst die Mahlzeit und warte danach auf das Bäuerchen. Dein Baby spuckt: Wann ist das normal? Dass nach dem Trinken ein Schwall Milch mitkommt, kennen viele Eltern. In der Regel liegt es daran, dass Babys zu schnell und zu viel trinken. Milch zusammen mit geschluckter Luft wieder herauszugeben, ist ein natürlicher Regulationsmechanismus des Körpers. Nimmt dein Kind zu, macht es einen gesunden Eindruck und hat es regelmässig nasse Windeln, ist alles in Ordnung.[1] Melde dich bei deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt, wenn dein Kind mehrmals grössere Mengen erbricht, dabei Schmerzen hat oder nicht an Gewicht zunimmt.[1] Auch wenn du unsicher bist, ob dein Baby genug trinkt, ist das ein guter Grund für einen Anruf in der Praxis. Quellen Ostschweizer Kinderspital, Ernährung & Diätetik: Trinken und Essen im ersten Lebensjahr. Elterninformation (PDF), 15. überarbeitete Auflage, Januar 2023. Abgerufen am 24.08.2026. Kaur R, Bharti B, Saini SK: A randomized controlled trial of burping for the prevention of colic and regurgitation in healthy infants. Child: Care, Health and Development 41(1), 2015, S. 52–56. Abgerufen am 24.08.2026. Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Empfehlungen für die Säuglingsernährung 2017 (PDF). Abgerufen am 24.08.2026. Publiziert von der Redaktion, Titelbild: iStock, Thinkstock