Ernährung Kleinkind: (Fast) so essen wie die Grossen

Schnell ist das erste Lebensjahr verflogen. Vorbei ist auch die Zeit, in der das Kind noch vorsichtig an Lebensmittel herangeführt wurde. Nun darf es vom Familientisch mitessen – wie die Grossen! Damit keine Mangelernährung auftritt, sind dennoch einige Eckdaten zur gesunden Ernährung beim Kleinkind zu beachten.

Ernährung Kleinkind: Der Vater löffelt ein

Das erste Mal feste Nahrung: Das Baby ist noch ein wenig skeptisch.
Foto: Banana Stock, Thinkstock

Im ersten Lebensjahr lernen Eltern, spezielle Breie für ihr Baby zu kochen. Doch sobald es seinen ersten Geburtstag gefeiert hat, braucht das Kleinkind zur gesunden Ernährung keine Babykost mehr. Nun darf es am Familientisch mitessen. Das normale Familienessen ist aber nur dann geeignet, wenn sich die Eltern gesund und ausgewogen ernähren.

Vorsicht: Mangelernährung!

Nicht immer bekommen Kinder alle Nährstoffe, die sie für eine gesunde Ernährung benötigen. «Zwar gibt es in der Schweiz noch keine Verzehrstudie, so dass wir keine Daten zu Mängeln haben», teilt die Ernährungsberaterin Steffi Schlüchter mit, die als dipl. Ernährungsberaterin HF bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE den Informationsdienst für Ernährungsfragen «Nutrinfo» leitet. «Dennoch weiss man, dass der Obst- und Gemüsekonsum zu klein ausfällt.» Auch in Deutschland beklagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) seit Jahren, dass Kleinkinder zu wenig Gemüse und Früchte essen. So fehlen ihnen oft wichtige Vitamine, auch Folsäure, notwendig für die Zellteilung und damit für die Zellneubildung.

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Nicht nur Früchte und Gemüse, auch kohlenhydrat- und eisenreiche pflanzliche Lebensmittel wie Reis, Teigwaren, Kartoffeln und Brot kommen bei Kleinkindern zu kurz. «Darüber hinaus erreichen Kleinkinder die täglich empfohlenen Mengen von Milch und Milchprodukten nach dem ersten Lebensjahr nicht», beklagt die DGE. Doch die in der Milch enthaltenen Mineralstoffe Kalzium und Phosphor sind für den Aufbau und Erhalt von Knochen und Zähnen und damit für die gesunde Ernährung bei einem Kleinkind unentbehrlich.

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Das sollten Kleinkinder essen

Längst hat die SGE in Anlehnung an die Richtlinien des Forschungsinstitutes für Kinderernährung (FKE) in Dortmund Ernährungsempfehlungen für Kinder herausgegeben. «Die angegebenen Mengen und Portionen wurden dem kindlichen Nährstoff- und Energiebedarf angepasst», erklärt die SGE. «Dennoch», betont sie, «stellen sie nur Durchschnittswerte dar.» Der tatsächliche Bedarf hänge stark von der Grösse des Kindes und seiner körperlichen Aktivität ab.

Gesunde Ernährung von Kleinkindern

Die folgenden Werte müssen nicht jeden Tag, sollten aber im Wochendurchschnitt erreicht werden:

Ernährung nach dem ersten Lebensjahr pro Tag

Früchte und Gemüse
Gemüse: 3 Portionen (je 40 Gramm)
Früchte: 2 Portionen (je 60 Gramm)
Eine Früchte- oder Gemüseportion kann durch 1 dl ungezuckerten Frucht- oder Gemüsesaft ersetzt werden.

Getreideprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte
3-4 Portionen
1 Portion entspricht: 40 g Brot/Teig oder 30 Gramm Hülsenfrüchte (Trockengewicht) oder 120 g Kartoffeln oder 25 g Knäckebrot, Vollkornkräcker, Flocken, Mehl, Teigwaren, Reis, Mais, andere Getreidekörner

Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier, Tofu
3-4 Portionen Milch oder Milchprodukte
1 Portion entspricht: 1 dl Milch oder 100 g Joghurt oder 15 g Halbhart- oder Hartkäse oder 30 g Weichkäse.
Zusätzlich 1 Portion (50 g) eines eiweissreichen Lebensmittels (Fleisch, Fisch, Eier, Tofu, Quorn, Seitan)

Öle, Fette und Nüsse
2 Kaffeelöffel (10 g) Pflanzenöl, davon mindestens die Hälfte als Rapsöl
1 Kaffeelöffel ungesalzene Nüsse
Zusätzlich können sparsam Butter, Margarine, Rahm etc. verwendet werden.

Ernährung vom 2. Lebensjahr bis zum Ende des dritten Lebensjahres

Früchte und Gemüse
Gemüse: 3 Portionen (je 50 Gramm) pro Tag
Früchte: 2 Portionen (je 75 Gramm) pro Tag
Eine Früchte- oder Gemüseportion kann durch 1 dl ungezuckerten Frucht- oder Gemüsesaft ersetzt werden.

Getreideprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte
3-4 Portionen.
1 Portion entspricht: 45 g Brot/Teig oder 35 Gramm Hülsenfrüchte (Trockengewicht) oder 140 g Kartoffeln oder 30 g Knäckebrot, Vollkornkräcker, Flocken, Mehl, Teigwaren, Reis, Mais, andere Getreidekörner

Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier, Tofu
3-4 Portionen Milch oder Milchprodukte
1 Portion entspricht: 1 dl Milch oder 100 g Joghurt oder 15 g Halbhart- oder Hartkäse oder 30 g Weichkäse.
Zusätzlich 1 Portion (50 g) eines eiweissreichen Lebensmittels (Fleisch, Fisch, Eier, Tofu, Quorn, Seitan).

Öle, Fette und Nüsse
Täglich 3 Kaffeelöffel (15 g) Pflanzenöl, davon mindestens die Hälfte als Rapsöl
1 Kaffeelöffel ungesalzene Nüsse (bis zum Ende des 2. Lebensjahres in gemahlener Form)
Zusätzlich können sparsam Butter, Margarine, Rahm etc. verwendet werden.

(Quelle: Merkblatt Ernährung von Kindern. Herausgeber: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung.)

 

Weniger Fett und Zucker für ein Kleinkind

«Kann ich was Süsses haben?» Zu oft sagen Eltern «ja». Schon knabbern die Kleinen wieder Schoggiguetzli und lutschen Gummibärchen. Schon kleine Kinder nehmen zu viel Zucker und Fett auf – mit fatalen Folgen. «Die Ernährungsfehler, die schon bei den Kleinen gemacht werden, setzen sich im späteren Kindes- und Jugendalter fort», warnt die DGE. Dann führen sie schnell zu Übergewicht. Doch Kinder essen nicht nur zu viel Fett und Zucker, auch zu viel Salz, das in vielen Snacks und Fertigprodukten versteckt ist. «Zwei-und Dreijährige sollten am Tag maximal eine kleine Süssigkeit oder einen kleinen Snack konsumieren», rät deshalb die SGE. Als Beispiele führt sie eine Reihe Schokolade, ein kleines Stück Kuchen, 3 Stück petit beurre, 1 kleine Glacekugel, 20 g Chips oder ein Glas Süssgetränk (1 dl) an.

Weniger Fleisch

Auch der Fleischkonsum ist hoch. «Zwar erhalten 19 Prozent der Kleinkinder weniger als die Hälfte der empfohlenen Fleischmenge, dagegen essen 19 Prozent der Jungen und 14 Prozent der Mädchen sogar mehr als das Doppelte», so die DGE. Kinder, die viel Fleisch essen, nehmen zu viele gesättigte und zu wenig mehrfach ungesättigte Fettsäuren auf.

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Das bekommt Kindern nicht

Zwar dürfen Kinder bereits im zweiten Lebensjahr alles mitessen, doch es gibt Ausnahmen. «Ganze Nüsse sollten wegen der Verschluckungs- und Erstickungsgefahr nicht gegeben werden», sagt Steffi Schlüchter. Auch zähes Fleisch könne beim Kauen Schwierigkeiten bereiten. Aber ansonsten dürfe alles ausprobiert werden. «Wichtig ist, dass die Ernährung abwechslungsreich und ausgewogen zusammengestellt ist. Die individuellen Möglichkeiten und Vorlieben des Kindes sollten dabei beachtet werden.»

Tipps für eine gesunde Ernährung von Kleinkindern der DGE:

  • Mehr pflanzliche Lebensmittel, vor allem Gemüse, Früchte, Brot, Kartoffeln in den täglichen Speisenplan integrieren
  • Mehr Vollkornmehl, -brot, -nudeln oder -reis anstelle von niedrig ausgemahlenen Getreideprodukten essen
  • Trink- bzw. Mineralwasser und ungesüsste Früchte- bzw. Kräutertees anstelle energiereicher Limonaden anbieten
  • Fettreduzierte Milchprodukte (1,5 Prozent Fettgehalt) gegenüber Vollmilchprodukten oder mit Rahm angereicherten Produkten bevorzugen
  • Fettreichere Wurst- und Fleischsorten durch fettärmere ersetzen und insgesamt die Menge reduzieren
  • Vermehrt Rapsöl anstelle von anderen Ölen und Fetten im Haushalt verwenden

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