Baby > Stillen & ErnährungDurchschlafen lernen bei Babys: Diese 6 Rituale helfenGibt es sie wirklich? Diese Superbabys, die schnell und problemlos durchschlafen? Die gute Nachricht: Jedes Baby findet irgendwann seinen Rhythmus. Die ehrliche dazu: Auch danach wacht es nachts mehrmals auf, und das gehört zum normalen Schlafverhalten. Hier liest du, was Durchschlafen bei Säuglingen überhaupt heisst, welche Rituale helfen und worauf du beim Schlafplatz achten musst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken In den ersten Lebensmonaten bildet sich nachts eine Schlafperiode von sechs und mehr Stunden. © iStock / Getty Images Plus Die ersten Wochen nach der Geburt sind für Eltern und Baby eine neue Erfahrung. Vor allem das Kind muss sich auf einen neuen Rhythmus einstellen. Babys kommen ohne Gefühl für Nacht und Tag auf die Welt. Sie müssen die Unterscheidung erst noch lernen. In den ersten Lebenswochen sind Schlaf und Wachsein noch unregelmässig über den Tag und die Nacht verteilt.[1] Doch aufgepasst: Durchschlafen bedeutet für Säuglinge nicht dasselbe wie für Erwachsene. Der Schlafzyklus ist bei Neugeborenen und kleinen Säuglingen kurz. Ein kurzes Erwachen etwa alle 50 Minuten mit anschliessendem selbstständigem Einschlafen ist deshalb normal.[2] Erst in den ersten Lebensmonaten verschieben sich Schlaf- und Wachphasen so, dass sich nachts eine Schlafperiode von sechs und mehr Stunden bildet. Wie viel Schlaf dein Kind insgesamt braucht, ist sehr individuell: Bei gleichaltrigen Kindern kann die Differenz bis zu sechs Stunden ausmachen.[1] Mehr dazu liest du im Beitrag darüber, wie viel Schlaf Babys wirklich brauchen. Die zwei wichtigsten Ziele beim Durchschlafen sind deshalb, dass dein Baby den Unterschied von Tag und Nacht lernt und nachts wieder alleine einschlafen kann, wenn es aufwacht. Probleme beim Durchschlafen Nächtliches Erwachen ist keine Störung, sondern der Normalfall: Säuglinge und Kleinkinder wachen nachts mehrmals auf.[1] Zwischen sechs und zwölf Monaten erwachen die meisten Kinder sogar wieder häufiger, unabhängig davon, ob sie gestillt werden oder nicht.[3] Für längere Unruhephasen gibt es verschiedene Gründe. Zum Beispiel, dass bei einem Wachstums- und Entwicklungsschub mehr Nahrung gebraucht wird. die ersten Zähnchen kommen. das Kind krank wird und sich nicht wohl fühlt. ein Bäuerchen im Bauch drückt. es unruhig träumt und sich stösst. die Windel voll ist. gelernte Einschlafhilfen das Wiedereinschlafen alleine verhindern.[1] Zur Einordnung: 15 bis 30 Prozent aller Kinder im Vorschulalter haben Ein- oder Durchschlafstörungen. Meist handelt es sich um vorübergehende Störungen ohne Krankheitswert. Sie brauchen keine grosse medizinische Abklärung, wohl aber ein klärendes Gespräch und eine persönliche Beratung.[1] Sicherer Schlafplatz: Das muss vor allen Ritualen stimmen Bevor es um Rituale geht, zählt die Schlafumgebung. Mit einfachen Massnahmen lässt sich das Risiko für einen plötzlichen Säuglingstod deutlich senken. Diese Punkte gelten im ganzen ersten Lebensjahr: Rückenlage: Lege dein Kind zum Schlafen grundsätzlich auf den Rücken. Die Bauchlage kann es geniessen, solange es wach ist. Eigenes Bett im Elternschlafzimmer: Das ist der sicherste Schlafort für einen Säugling. Eine sinnvolle Alternative sind Bettchen, die sich ans Elternbett andocken lassen. Feste Unterlage: Eine feste Matratze, kein Kopfkissen, keine Felle. Achte darauf, dass dein Kind mit dem Kopf nicht unter die Bettdecke rutscht und nicht von Kuscheltieren bedeckt wird. Am sichersten ist ein Schlafsack. Nicht überwärmen: Die ideale Raumtemperatur liegt bei 18 Grad. Mütze und Handschuhe braucht es zum Schlafen nicht. Die Temperatur prüfst du mit dem Handrücken im Nacken. Rauchfreie Umgebung: Zigaretten-, Zigarren- und Pfeifenrauch gefährden dein Kind. Rauchfreiheit gilt bereits während der Schwangerschaft. Schutzfaktoren: Stillen und das Saugen an einem Schnuller während des Schlafens senken das Risiko. Auch die empfohlenen Impfungen wirken schützend.[1][4] Warum die Rückenlage so viel ausmacht, erklären wir ausführlich im Beitrag über Schlafpositionen bei Babys. Diese Rituale fördern den Schlafrhythmus Babys verbinden schnell bestimmte Abläufe mit dem Einschlafen. Vielleicht wird dein Kind getragen, gestillt und schläft an der Brust ein oder bekommt einen Schoppen. Wie es abends einschläft, bestimmt wesentlich sein Verhalten beim nächtlichen Erwachen. Ein Kind, das gelernt hat, abends alleine einzuschlafen, findet auch nachts den Schlaf wieder selber.[1] Legst du dich dagegen jedes Mal dazu, singst oder wiegst es in den Schlaf, wird das Ritual zur Einschlafhilfe. Dann verlangt dein Kind auch nachts danach, und das kann für Eltern sehr ermüdend werden. Ein immer gleich ablaufendes Zubettgeh-Ritual hilft beim Ein- und Durchschlafen. Es soll das Kind zum Schlafen hinführen, nicht in den Schlaf bringen. Vorher ist Zeit zum Schmusen, Bücherlesen, für ein Gute-Nacht-Lied und eine kleine Geschichte. Einschlafen sollte dein Baby dann möglichst selbstständig, allenfalls mit Nuggi oder Nuscheli.[1] Süsse Träume! Ein immer gleicher Ablauf am Abend führt das Baby zum Schlafen hin. © iStock / Getty Images Plus Diese sechs Rituale helfen Baby und Eltern beim Durchschlafen: 1. Dunkelheit Der regelmässige Wechsel von Licht und Dunkelheit hilft deinem Baby beim Einschlafen. Neben dem Licht hilft auch der gesellschaftliche Rhythmus aus Aktivität, Ruhe und Essen, die innere Uhr einzustellen.[1] Wenn du im Kinderzimmer zusätzlich das Licht dimmst und ruhig sprichst, merkt dein Baby, dass es bald ins Bettchen geht. 2. Wach ins Bett Soll dein Baby nachts alleine in seinem Bettchen schlafen, lege es wach hin und lass es dort einschlafen. Genau das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob es nachts ohne dich weiterschläft. 3. Kind im Bett lassen Wird dein Kind in der Nacht unruhig, kannst du es im Bettchen beruhigen. Lege deine flache Hand sanft auf seine Brust oder lass es einfach merken, dass du da bist. Vom Herausnehmen und Herumtragen lernt es nichts über das Wiedereinschlafen. 4. Keine Ablenkung Kann dein Baby nicht wieder einschlafen oder muss es ein Bäuerchen machen, nimm es kurz hoch. Wichtig ist, dabei nicht zu schmusen und keine anderen Aktivitäten zu starten. Sonst hat das Kind das Gefühl, es sei Zeit zum Spielen. 5. Später füttern am Abend Wichtig zuerst: In den ersten Lebenswochen ist das Stillen nach Verlangen diejenige Ernährungsform, die den Bedürfnissen deines Kindes am besten entspricht. Feste Uhrzeiten gehören in dieser Zeit nicht dazu. Erst wenn dein Baby von sich aus einen Rhythmus zeigt, kann eine ausgiebige Mahlzeit am späten Abend die nächste Stilleinheit hinausschieben. Nutze den Moment, um selbst zu schlafen. Im Lauf der ersten sechs Lebensmonate passen Kinder ihr Schlaf-Wach-Verhalten ohnehin dem Tag-Nacht-Wechsel an und verlegen die Nahrungsaufnahme immer mehr in den Tag.[1] 6. Nächtliche Mahlzeiten reduzieren Diesen Schritt gibt es nicht ohne Altersgrenze. Nach dem sechsten Lebensmonat ist ein gesundes, normal gediehenes Kind nicht mehr auf nächtliche Nahrung angewiesen.[1] Vorher ist das Reduzieren der Trinkmenge keine Option. Und auch danach gilt die Bedingung: Wenn du unsicher bist, ob dein Kind gut gedeiht, sprich vorher mit der Kinderärztin oder der Mütter- und Väterberatung. Ist der Zeitpunkt da, hilft ein schrittweises Vorgehen. Beim Schoppen bedeutet das, die nächtliche Trinkmenge langsam zu reduzieren und die Milch zu verdünnen. Beim Stillen ist es für viele Mütter schwieriger, nachts etwas zu verändern. Hilfreich ist, die Stillabstände tagsüber auf vier bis fünf Stunden auszudehnen, damit dein Kind lernt, grössere Mengen auf einmal zu trinken und den Kalorienbedarf möglichst tagsüber zu decken.[1] Wie ein behutsamer Ausstieg aussehen kann, zeigt der Beitrag über das nächtliche Abstillen nach Gordon. Schlafforschung Die Zürcher Longitudinalstudien des Universitäts-Kinderspitals Zürich verfolgen die Entwicklung von Kindern über Jahre hinweg. Eine ihrer Erkenntnisse zum Schlaf: Der Bedarf ist beim einzelnen Kind ziemlich stabil, unterscheidet sich zwischen gleichaltrigen Kindern aber um bis zu sechs Stunden. Kinder, die in den ersten Lebensjahren wenig schlafen, tun das meist auch später. Ein Kind kann nur so viel schlafen, wie es seinem persönlichen Bedarf entspricht – muss es länger im Bett bleiben, entstehen daraus Ein- oder Durchschlafstörungen.[1] Ein natürliches Verhalten und ein bewährtes Einschlafritual ist es, das Baby an der Brust einschlafen zu lassen. Das schreibt die Stillförderung Schweiz. Kritiker halten dagegen, das Kind gewöhne sich daran und wolle auch nachts jedes Mal gestillt werden. Die Stillförderung widerspricht: Ob und wann ein Kind durchschläft, hängt von vielen Einflussfaktoren ab, unter anderem von der emotionalen Entwicklung. Auch Kinder, die nicht in den Schlaf gestillt werden, wachen im zweiten Lebenshalbjahr wieder häufiger auf. Es gibt also keinen Grund gegen das Einschlafen an der Brust, es sei denn, die Mutter fühlt sich dadurch ernsthaft gestört.[3] Jedes Kind ist anders, und auch Eltern verhalten sich unterschiedlich. Meist handeln sie beim Thema Schlaf instinktiv richtig für sich und das Kind. Viele Ratgeber verunsichern mit ihren Methoden und Schlaftechniken mehr, als sie helfen. Warum das so ist, ordnet unser Beitrag darüber ein, wann Babys durchschlafen und was Schlaftrainings bringen. Bewährt hat sich dafür Folgendes: Einfühlungsvermögen, Ausprobieren nach Bauchgefühl und Geduld, um den passenden Rhythmus und die besten Alltagsrituale zu finden. Festgefahrene Einschlafgewohnheiten zu ändern, braucht Zeit und eine konsequente Haltung.[1] Die Veränderungen sollten in kleinen Schritten passieren. Zum Beispiel schrittweise weniger Körperkontakt oder immer längere Abstände zwischen den Schoppen. Wichtig ist dabei, dass beide Elternteile und andere Betreuungspersonen am gleichen Strang ziehen. Wo du Hilfe bekommst Niemand muss das alleine durchstehen. Beratung und Begleitung durch eine Fachperson helfen bei festgefahrenen Schlafgewohnheiten, etwa durch die Kinderärztin, die Mütter- und Väterberatung oder eine Psychologin.[1] Auch Kliniken und Hebammen bieten Schlafberatungen an. Wenn du nachts am Ende deiner Kräfte bist, ist der Elternnotruf unter 0848 35 45 55 rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonberatung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym. Sie richtet sich ausdrücklich auch an Eltern in Überforderung. Zwischen 23 und 8 Uhr nimmt die Dargebotene Hand die Anrufe entgegen.[5] Warte damit nicht, bis gar nichts mehr geht. Quellen Universitäts-Kinderspital Zürich: Elterninformation «Schlafstörungen bei Kindern», 3. Auflage November 2025 (abgerufen am 20.08.2026) pädiatrie schweiz: «Schlafstörungen im Kindesalter», Paediatrica Vol. 14 Nr. 3, 2003 (abgerufen am 20.08.2026) Stillförderung Schweiz: Häufige Fragen zum Stillen, Fragen 13 und 14 (abgerufen am 20.08.2026) Universitäts-Kinderspital Zürich: Elterninformation «Ein sicherer und gesunder Schlaf», Ausgabe 2/2024 (abgerufen am 20.08.2026) Elternnotruf: Beratungsangebot, 24h-Telefonberatung (abgerufen am 20.08.2026)