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Geschmackssinn des Babys: was es mag und was nicht – und wie es Neues lernt

Warum liebt dein Baby Karotten, verzieht beim kleinsten Tröpfchen Zitrone aber sofort sein Gesicht? Die Geschmäcker sind bei Babys verschieden, aber lange nicht so ungleich wie bei uns Erwachsenen.

Baby im Hochstuhl mit Lätzchen streckt die Zunge mit orangem Gemüsebrei heraus
Karotte schmeckt süsslich – deshalb ist Gemüsebrei für viele Babys ein leichter Einstieg in die Beikost.

Mund und Zunge deines Babys entwickeln sich in der 9. Schwangerschaftswoche. Die ersten Geschmacksknospen sind bis etwa zur 15. Schwangerschaftswoche ausgereift. Der Fötus trinkt vom Fruchtwasser und schmeckt, was seine Mutter gegessen hat. Sein Geschmackssinn wird so schon vor der Geburt angeregt.

Für die Entwicklung des Babys ist es wertvoll, dass es bereits im Mutterleib verschiedene Geschmäcker kennen und unterscheiden lernt. Ein abwechslungsreicher Speiseplan in der Schwangerschaft und in der Stillzeit ist deshalb eine Chance, den Geschmack des Kindes früh zu prägen [3]. Verzichten musst du dafür auf nichts: Solange du selbst keine Allergie hast, hilft das Weglassen einzelner Lebensmittel nicht dabei, beim Kind einer Allergie vorzubeugen [1].

Babys bevorzugen Süsses

Bei der Geburt deines Babys ist der Geschmackssinn bereits sehr gut entwickelt. Es besitzt etwa 10'000 Geschmacksknospen. Das sind ungefähr doppelt so viele wie beim Erwachsenen. Die Knospen befinden sich in Zunge, Mund, Rachen und auf den Mandeln. Sie sollen herausfinden, was gut ist fürs Baby. Das Kind unterscheidet von Geburt an süss, sauer und bitter voneinander.

Etwa mit vier Monaten reagiert es auch auf salzige Aromen und auf umami – eine fünfte Geschmacksrichtung, die als herzhaft und fleischig beschrieben wird. Den süssen Geschmack bevorzugt das Baby, weil in der Natur süsse Früchte meist essbar sind. Auch Muttermilch schmeckt süsslich. Bitter dagegen kann auf etwas Giftiges hinweisen, sauer auf etwas Verdorbenes.

Schmecken und Tasten in einem: wichtig für die Entwicklung des Babys

Egal ob essbar oder nicht, Babys nehmen alles in den Mund und lutschen mit der Zunge daran. Geschmackssinn und Tastsinn arbeiten dabei zusammen: Ersterer prüft, ob etwas gut, schlecht oder neutral schmeckt und merkt sich diesen Geschmack, letzterer speichert die Beschaffenheit im Gehirn ab. So kann das Baby Dinge schnell wiedererkennen, ohne sich auf den noch unterentwickelten Sehsinn verlassen zu müssen.

Wie die Muttermilch Babys Vorlieben prägt

Nicht alle Kleinkinder bevorzugen die gleichen Lebensmittel. Die Vorliebe für Süsses ist angeboren – welche einzelnen Lebensmittel ein Kind mag, lernt es dagegen. Das beginnt schon im Mutterleib: Je nachdem, was die Mutter zu sich nimmt, schmeckt das Fruchtwasser anders.

Auch der Geschmack der Muttermilch verändert sich mit dem, was die Mutter gegessen hat. Das Kind sammelt beim Stillen also vielfältige sensorische Erfahrungen, was sich auf die spätere Akzeptanz von Lebensmitteln und auf sein Essverhalten positiv auswirken kann [1][3]. Je länger du stillst, desto mehr Aromen lernt es auf diesem Weg kennen.

Diese Aromenvielfalt gibt es nur bei Muttermilch: Säuglingsanfangsnahrung schmeckt bei jeder Mahlzeit gleich. Ein Nachteil für dein Kind ist das nicht – auch mit dem Schoppen ist es bedarfsgerecht ernährt [1]. Die Geschmacksvielfalt holt es dann mit der Beikost nach.

Wie die Beikost den Geschmackssinn prägt

Beikost kommt frühestens zu Beginn des 5. Lebensmonats dazu, also nach dem vollendeten 4. Monat, und spätestens zu Beginn des 7. Lebensmonats [1]. Meist bevorzugt das Baby später jene Nahrungsmittel, die es im ersten Lebensjahr probiert hat. Deshalb soll es mit der Beikost möglichst alle Geschmacksrichtungen und viele verschiedene Texturen kennenlernen [2].

Karotten, Pastinaken oder Kürbis mag dein Kind meist sofort, denn diese Gemüse schmecken süsslich. Mit Gemüse solltest du aber nicht zu lange warten: Gewöhnt sich das Kind zu sehr an den süssen Geschmack von Früchten, lehnt es nicht süsses Gemüse später unter Umständen ab [1].

Andere Dinge muss es mehrmals probieren, bis es sie isst. Bis ein Säugling ein neues Lebensmittel akzeptiert, braucht es teils 10 bis 15 Anläufe [2]. Zwingen bringt dabei nichts – biete das Lebensmittel lieber ein anderes Mal wieder an [1]. Wie du vorgehen kannst, wenn dein Baby den Brei verweigert, liest du in einem eigenen Beitrag.

Einige Eltern schwören darauf, das Baby nur das essen zu lassen, was es selbst in den Mund führen kann – auch Baby-led weaning genannt. Fingerfood gehört allerdings frühestens ab dem 7. Monat auf den Teller und nur dann, wenn dein Kind motorisch so weit ist. Sonst kann es sich verschlucken und daran ersticken. Beaufsichtige dein Kind beim Essen deshalb immer [1].

Salzen solltest du die Beikost im ersten Lebensjahr nicht, denn die Nieren deines Kindes sind dafür noch nicht weit genug entwickelt. Auf Zucker und andere Süssungsmittel verzichtest du ebenfalls, unter anderem, weil Zucker den Zähnen schadet. Honig und Ahornsirup gehören im ersten Lebensjahr gar nicht auf den Speiseplan: Sie können mit Bakterien belastet sein [1]. Von reiner Kuhmilch als Getränk wird in den ersten zwölf Monaten abgeraten; kleine Mengen zum Anrühren eines Breis sind ab dem 7. Monat unproblematisch [2].

Der Brei mag für uns fad schmecken, doch das Baby empfindet den Geschmack als intensiv. Verwende deshalb nicht ausschliesslich Fertigbreie, sondern wechsle mit selbst zubereiteten Mahlzeiten ab [1]. Und achte darauf, dass die Gläschen frei von zugesetztem Zucker, Salz und Aromen sind: Zugesetzte Aromen prägen den Geschmack des Säuglings einseitig [2].

Quellen

  1. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Ernährung des Säuglings im ersten Lebensjahr, Merkblatt, aktualisiert 2024 (abgerufen am 17.08.2026)
  2. pädiatrie schweiz, Ernährungskommission: Empfehlungen für die Säuglingsernährung 2017 (abgerufen am 17.08.2026)
  3. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: Handbuch «Essen und Trinken in der Stillzeit», 2018 (abgerufen am 17.08.2026)

Publiziert von der Redaktion, Titelbild: sdominick/E+,GettyImages

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