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Wie lange sollte ich mein Kind stillen? Das sagen Experten dazu

Muttermilch gilt in den ersten Lebensmonaten als die beste Nahrung für einen Säugling. Aber wie lange sollten Mütter ihr Kind ausschliesslich mit Muttermilch ernähren? Wir verraten, wie lange Sie Ihr Kind stillen sollten und welcher Zeitpunkt der beste fürs Abstillen ist. 

Muttermilch ist die beste Nahrung für einen Säugling, aber wie lange?

In den ersten Monaten brauchen Säuglinge keine Nahrungszusätze. Das Kind zu stillen reicht aus. Foto: Eva-Katalin, iStock, Getty Images Plus 

Das Baby liegt entspannt im Arm. Mit regelmässigen Zügen saugt es die Milch aus der Brust seiner Mutter. Keine Frage: Muttermilch ist in den ersten Lebensmonaten nach der Geburt die beste Nahrung für einen Säugling und reicht vollkommen aus.

Muttermilch enthält Eiweiss, Fett, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Vitamine, Eisen, Immun- und Abwehrstoffe. Aus diesem Grund sollten Kinder in den ersten Monaten ihres Lebens ausschliesslich Milch aus der Brust der Mutter trinken. Ob sich die Frau ihre Milch abpumpt oder das Kind die Muttermilch direkt aus der Brust trinkt, spielt dabei keine Rolle. 

Expertenrat: Kinder sechs Monate ausschliesslich stillen

Zurecht fragen sich viele Mütter: «Wie lange soll ich mein Kind stillen?» Aufgrund der besonderen Qualität von Muttermilch raten viele Experten, dass Mütter ihre Babys ein halbes Jahr lang ausschliesslich stillen sollten. «Säuglinge benötigen in den ersten sechs Lebensmonaten keine Nahrungs-Zusätze wie Brei und Pulvermilch», sagt auch Autorin und Pflegeexperin Brigitte Benkert.

Mit dieser Einschätzung folgt sie der Leitlinie der Weltgesundheitsbehörde (WHO). Diese WHO-Empfehlung stützt sich in Fragen rund ums Stillen auf Untersuchungen, die zeigten, dass Babys, die ein halbes Jahr lang ausschliesslich Muttermilch aus der Brust getrunken haben, am besten vor Infektionen geschützt sind. Denn Studien belegen: Sechs Monate mit Milch aus der Brust gestillte Babys haben die geringste Sterberate.

Beikost ab dem vierten Monat verhindert Allergien 

Doch: Langes ausschließliches Stillen nach der Geburt birgt auch gesundheitliche Risiken für Ihr Kind. Während bislang angenommen wurde, dass die Einführung der Beikost erst nach dem sechsten Lebensmonat des Kindes die Entstehung von Allergien verhindere, scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Das belegen neue wissenschaftliche Untersuchungen.

Wissenschaftler vom University College in London kamen zu dem Ergebnis: Kinder, die länger voll gestillt werden, entwickeln leichter Allergien als Babys, deren Mutter früher aufhören zu stillen (British Medical Journal, Band 342, 5955). In Industrienationen, in denen Frauen Zugang zu sauberem Wasser haben und es kaum lebensbedrohliche Magen-Darm-Infektionen gibt, sei es sinnvoll, bereits nach dem vierten Monat das Stillen zu reduzieren, folgern die Wissenschaftler. 

Eine schwedische Studie untermauert diese Empfehlung gegen das übermässige volle Stillen. Sie zeigt: Zöliakie, eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten in Getreide, kann durch frühes Abstillen fast um die Hälfte gesenkt werden. Kinder, die bereits zwischen dem vierten und dem sechsten Lebensmonat neben Milch aus der Brust auch Brei mit einer geringen Menge Getreide bekommen, erkranken seltener an Zöliakie. 

Sechs Monate stillen als Richtwert

Die WHO hat bisher die präferierte volle Stillzeit von sechs Monaten nicht aufgehoben; auch die Nationale Stillkommission in Deutschland empfiehlt nach wie vor sechs Monate nach der Geburt zu stillen. Diese Gremien prüfen publizierte Studien auf Relevanz in Bezug zu anderen Forschungsergebnissen im Bereich Stillen.

Sechs Monate ausschliessliches Stillen gilt daher nach wie vor als sinnvoll und weitgehend normal. Bei Babys, die erblich bedingt an Allergien und Zöliakie erkranken können, kann es sinnvoll sein, dass Mütter früher mit fester Nahrung beginnen.

Mütter und Väter sollten bei der Frage, wann sie die Beikost einführen, auch den Entwicklungsstand ihres Babys berücksichtigen. Hat es bereits Lust, neue Nahrungsmittel zu probieren? Verfolgt mein Kind schon hochinteressiert die Essvorgänge der Eltern und Geschwister am Tisch? Zeigt das Kind kein Interesse mehr an der Brust der Mutter? Dann wäre es allmählich an der Zeit das Stillen zu reduzieren und dem Baby seinen ersten Gemüsebrei zu geben. 

Beikost nicht vor dem fünften Lebensmonat

Gleichgültig, ob sich Eltern entscheiden, Beikost bereits nach dem vierten Monat oder erst nach dem sechsten Monat einzuführen – eines ist unumstritten: In den ersten vier Monaten sollten Babys idealerweise ausschliesslich gestillt werden. Vor dem 5. Lebensmonat können sie normale halbfeste Nahrung wie Gemüsebrei noch nicht verdauen – sie scheiden ihn weitgehend unverdaut wieder aus. Ausserdem kommen sie noch nicht mit dem Löffel zurecht: «Aufgrund des vorhandenen Zungenspitzenstoss-Reflexes stossen sie alle Löffel wieder aus dem Mund», erklärt die frei praktizierende Hebamme Anna Heldstab aus Berneck. 

Die Einführung der Beikost ist kein Grund, abzustillen. Im Gegenteil: Muttermilch zu trinken ist für kleine Kinder sehr gesund und kleidet den Darm mit einer Art Schutzschicht aus und sorgt so für eine gute Verträglichkeit der Beikost. Sie sollten die Einführung von Beikost nicht von einem auf den nächsten Tag durchziehen. Brigitte Benkert kommentiert: «Neben der Beikost kann weiter gestillt werden - so lange Mutter und Kind es wünschen.»

Auch im zweiten Lebensjahr profitieren Säuglinge von gestillter Muttermilch aus der Brust, da diese reich an Abwehr- und Schutzfaktoren ist. Mütter und ihre Babys können also noch lange die innigen Momente beim Stillen ihres Kindes geniessen, da Stillen nicht nur Ernährung bedeutet, sondern auch Nähe zwischen Mutter und Kind.

Folgende Statistik über Frauen, die ihr Kind stillen, zeigt: In der Schweiz werden Kinder knapp 31 Wochen nach der Geburt von ihren Müttern gestillt. Etwa 25 Prozent der Frauen stillen ihr neun Monate altes Baby noch. Nach dem ersten Geburtstag trinken lediglich noch acht bis neun Prozent der Schweizer Kinder Milch aus der Brust der Mutter. Bis ins dritte Lebensjahr stillende Mütter sind selten. 

Fertig gestillt: Was nun?

Wenn die Mutter damit beginnt, ihr Baby abzustillen und es mit fester Nahrung zu füttern, wird es aufregend für Eltern und Kind. Und auch wenn das Kind am Esstisch deutliche Signale macht, dass es dasselbe Essen möchte wie Mami und Papi, muss es sich zuerst noch mit Brei zufrieden geben. 

Entscheidet sich die Frau dafür, ihr Baby nicht mehr zu stillen, sollten sie auf Gemüsebrei zurückgreifen. Süssliche Gemüsesorten wie Süsskartoffeln oder Pastinaken sind dabei besonders beliebt, weil ihr Geschmack das Kind an die süssliche Muttermilch aus der Brust erinnert. Nach dem Gemüsebrei gibt es für Ihr Kind im Abstand von einigen Tagen auch Brei aus Kartoffeln, Reis und Fisch. 

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Stillen Ihres Kindes gemacht? Erzählen Sie es uns im Kommentarfeld. 

Weiterführende Links zum Stillen

  • Informationen rund ums Stillen von La Leche League Schweiz: www.stillberatung.ch
  • Antworten auf häufige Fragen zum Thema Stillen und Kinder vom Schweizerischen Hebammenverband: www.hebamme.ch
  • «Stillen - ein gesunder Start ins Leben», so heisst die Broschüre der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens, die sich Mütter bestellen lassen können: www.stiftungstillen.ch
  • Adressen von Stillberaterinnen vermitteln der Berufsverband der Schweizer Stillberaterinnen (BSS) unter: www.stillen.ch
  • Die Stillförderung Schweiz gibt Tipps und Tricks über das Stillen. 

Text: Sigrid Schulze