Gewalt in der Familie: Mehr Fälle von Kindesmisshandlung

Gewalt gegen Kinder ist tabu, steht in manchen Schweizer Familien aber an der Tagesordnung. Im letzten Jahr hat es sogar mehr Fälle von Kindesmisshandlung gegeben als 2012.

Gewalt in der Familie: Mehr Fälle von Kindesmisshandlung

Leider gehört Gewalt gegen Kindern in vielen Familien zum Alltag. Foto: iStock, Roger McClean, Thinkstock

Ein Rückgang von Kindesmisshandlungen in der Schweiz kann das Jahr 2013 nicht vermerken. Zu diesem Schluss kommt die Statistik des Kinderspitals Zürich, die am Dienstag publik wurde. Gab es 2012 noch 444 gemeldete Fälle von Gewalt gegen Kinder, registrierten die Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstellen des Kinderspitals laut NZZ im vergangenen Jahr 450 Übergriffe.

Kindesmisshandlung: Nicht immer sprechen Schutzmassnahmen an

Unter den gemeldeten Fällen von Kindsmissbrauch seien den Kinderspital-Fachleuten zwölf Prozent bereits aus dem Vorjahr bekannt gewesen. Einige dieser Kinder seien wegen komplizierter Grunderkrankungen eingeliefert worden, andere weil die Schutzmassnahmen in den oft sozial und/oder emotional schwierigen Situationen der Kinder ohne Erfolg blieben.

Formen der Kindesmisshandlungen

In der Statistik des Kinderspitals sind die Missbrauchsfälle in physischer und psychischer Misshandlung, Vernachlässigungen, Münchhausen Syndrom sowie sexueller Ausbeutung aufgeteilt. Laut dem neuen Leiter der Kinderschutzgruppe, Georg Staubli, handle es sich in den meisten Fällen um sexuell ausgebeutete, physisch und/oder psychisch misshandelte Kinder. Insgesamt fallen vier Prozent der gemeldeten Fälle von Kindesmisshandlung in die Rubrik «Risiko».  

Sexuelle Ausbeutung in jedem dritten Fall
In 154 (34,2 Prozent) Fällen wurden Kinder sexuell misshandelt. Schon 2012 war die Zahl der sexuell missbrauchten Kinder ähnlich hoch. Ein Rückgang ist damit nicht zu verzeichnen.

Psychische Gewalt gegen Kinder
89 (19,8 Prozent) der 450 gemeldeten Fälle waren psychisch misshandelte Kinder. Laut Staubli konnten die Fachleute des Kinderspitals Zürich diese meist daran erkennen, das Eltern ihr Kind auch während des Spitalaufenthalts immer wieder schlecht machten oder am Bett des Kindes einen Streit begannen.

Physische Gewalt gegen Kinder
Körperliche Misshandlungen wurden 129 (28,7 Prozent) vermerkt. Zwei davon seien laut Statistik des Spitals schwere Körperverletzungen gewesen, so dass die Kinderschutzgruppe eine Strafanzeige veranlassen musste.

Misshandlung durch Vernachlässigung
Unter den 450 gemeldeten Kindsmisshandlungen wurden auch 58 Fälle (12,9 Prozent) von Vernachlässigung registriert. Das seltene Münchhausen Syndrom* wurde bei zwei Kindern (0,4 Prozent) bemerkt.

*Hierbei erfinden oder produzieren Eltern, die selbst unter einer psychischen Störung leiden, Krankheitssymptome, die ihr Kind betreffen, obwohl dieses organisch gesehen völlig gesund ist.

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