Die Antibabypille wird in der Schweiz immer unbeliebter

Als die Antibabypille in den 60er Jahren eingeführt wurde, wurde sie schnell zum Symbol für die Autonomie der Frau. Heute wird die Antibabypille in der Schweiz aber oft als Belastung wahrgenommen und nicht mehr als Befreiung. Diese Tendenz zeichnet sich nicht erst seit den Negativ-Schlagzeilen ab.

Die Antibabypille wird in der Schweiz immer unbeliebter.

Die Nachfrage nach der Antibabypille ist in der Schweiz gesunken. Foto: iStockphoto, Thinkstock.

Vor gut 50 Jahren bejubelten vor allem Feministinnen die Antibabypille. Sie stand für Selbstbestimmtheit und Emanzipation. Heute aber erlebt die Antibabypille in der Schweiz eine rückläufige Nachfrage. Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und die Angst vor Risiken stimmen die Frauen nachdenklich.

Die Nachfrage nach der Antibabypille in der Schweiz sinkt

Auch heute benutzen noch 65 Prozent aller Schweizerinnen, die verhüten, die Pille. Laut dem Apothekerverband Pharmasuisse ist die Anzahl der verkauften Pillenpackungen seit 2009 um vier Prozent zurückgegangen, obwohl die Anzahl Frauen im Alter von 15 bis 45 zugenommen hat, berichtete die NZZ am Sonntag gestern. Ob ein Zusammenhang zwischen den Negativ-Schlagzeilen und der Abnahme bestehe, liesse sich aber nicht sagen.

Verdrängen nicht hormonelle Verhütungsmittel die Antibabypille in der Schweiz?

Im Jahr 2009 machte die weltweit am meisten verkaufte Pille, die Yasmine des Pharmakonzerns Bayer, Schlagzeilen. Sie stand im Verdacht, für den Tod  mehrerer Frauen verantwortlich zu sein. In den vergangenen Wochen sorgte Diane 35, ebenfalls von Bayer, für Furore. Ihretwegen seien mindestens vier Frauen an Thrombosen gestorben, berichtete die NZZ am 2. Februar 2013. Die Französische Arzneimittelbehörde verbot darauf hin den Verkauf dieser Pille in Frankreich. Die sinkende Nachfrage nach der Pille gehe aber über die Negativ-Schlagzeilen hinaus, sagen die Gynäkologen der grössten Landesspitäler gegenüber der NZZ am Sonntag. Der Wunsch nach nicht hormonellen Verhütungsmitteln sei da und darüber hinaus eine Gegenbewegung zur Pilleneuphorie in den 60er Jahren. Die Skepsis gegenüber der Pille kommt einerseits von den unerwünschten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen, andererseits von Ängsten bezüglich Fruchtbarkeit und Brustkrebsrisiko.

«Die Pille wird heute oft eher als Belastung denn als Befreiung wahrgenommen», sagt Johannes Bitzer, Chefarzt an der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel gegenüber der NZZ am Sonntag. «Die Anzahl der Frauen bis 25 Jahre, die aus Angst vor Hormonen auf diese Art der Verhütung verzichten, steigt leicht.» Die Nachfrage nach Kupferspirale und Kupferkette steigt ebenfalls – genaue Zahlen dazu gibt es aber noch nicht.

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