Armut in der Schweiz: Paare mit Kindern sind gefährdeter

Gemäss der neuen Einkommenserhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) steigt das Armutsrisiko für Alleinstehende und Familien sobald eines oder mehrere Kinder im Haushalt leben und das Bildungsniveau gering ist. Jedes vierte Schweizer Paar mit Kindern ist nicht in der Lage unerwartete Ausgaben zu tätigen.

Familien sind in der Schweiz armutsgefährdeter als Singles.

Jeder vierte Haushalt in der Schweiz muss mit zu wenig Geld auskommen. Foto: © Schlierner - Fotolia.com

Eine unvermeidbare Reise oder versicherungsferne Arztbesuche – für viele Schweizer Familien ein Ding der Unmöglichkeit. Eine unverhoffte Ausgabe von 2000 Franken kann sich ein Viertel der hiesigen Haushalte nicht leisten. Mit dem Urlaub verhält es sich ähnlich: rund ein Achtel aller Schweizer Haushalte mit Kindern kann für die Kosten von einer Woche Ferien nicht aufkommen. 

Für die neue Einkommenserhebung untersuchte das BFS das durchschnittliche Äquivalenzeinkommen aller Schweizer. Das Äquivalenzeinkommen ist das zur freien Verfügung stehende Geld im Verhältnis zur Anzahl der Familienmitglieder. Laut einer Bestimmung der EU ist die Armutsgrenze erreicht, wenn ein Haushalt mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens leben muss. Konkret heisst das für die Schweiz, dass eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren, der weniger als 5000 Schweizer Franken pro Monat zur Verfügung stehen, in Armut lebt.

Dabei sei das Armutsrisiko bei Alleinstehenden oder Paaren ohne Kinder mit 7,6 Prozent deutlich niedriger als das von Paaren mit Kindern. Paare mit Kindern sind mit einem Armutsrisiko von 26 Prozent fast viermal so häufig von Armut betroffen als Singles oder kinderlose Paare. Aber nicht nur der Kindernachwuchs, sondern auch der Bildungsstand hat offenbar einen starken Einfluss auf die Armutsgefährdung. Jeder zweite Erwachsen, der in einem Haushalt mit Kindern unter der Armutsgrenze lebt, verfügt nicht über eine nachobligatorische Ausbildung.

Bei der Erhebung wurde auch der Zufriedenheitsgrad der Bevölkerung gemessen. Während die grosse Mehrheit der Befragten ab 16 Jahren mit sozialen Aspekten wie Arbeitsklima oder persönliche Beziehungen sehr zufrieden war, bezeichnete sich nur etwa die Hälfte mit der eigenen finanziellen Situation zufrieden.

Quelle: BFS

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