Beruf und Freizeit: Sogar beim Sex für den Chef erreichbar

Beantworten Sie Geschäfts-Emails parallel zum Feierabendbier mit Freunden und machen Sie am stillen Örtchen wortwörtlich «das Geschäft»? Dann gehören Sie zu den 57 Prozent der Schweizer Angestellten, die laut einer Studie von Swisscom auch in der Freizeit für geschäftliche Belange erreichbar sind. Wo sind die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit?

Viele Schweizer ziehen keine scharfe Grenze zwischen Beruf und Freizeit

Mehr als die Hälfte der Schweizer sind auch nach Feierabend noch für Ihren Chef erreichbar. Foto: Pixland - Thinkstock

57 Prozent aller Schweizer Angestellten erledigen auch nach Feierabend noch Geschäftliches und sind in der Bar, Badi oder beim Fussball mit Freunden für den Chef erreichbar. 32 Prozent der Arbeiter sind sogar in den Ferien im Stand-by-Modus – eine vollkommene Jobabstinenz scheint für viele undenkbar. Und trotzdem: 86 Prozent der Arbeitnehmer sind der Meinung, dass sie Beruf und Freizeit gut trennen können. Zu diesen Ergebnissen kam eine repräsentative Lifebalance-Studie von Swisscom, wie 20 Minuten gestern berichtete. In der Studie wurden zwischen dem 20. Februar und dem 2. März dieses Jahres 1'977 Angestellte über ein Online-Panel zu ihrer Work-Life-Balance befragt.

Anrufe in der Freizeit sind besonders nervig

Als besonders stressig empfinden die Angestellten während und ausserhalb der Arbeitszeiten persönlichen Kontakt zu ihren Mitarbeitern in Form von Telefonaten, Telefonkonferenzen oder Meetings. Lieber beantworten sie SMS oder Emails. Bei der Wahl der Kommunikationsmittel sind in der Befragung regionale Unterschiede zu erkennen: Deutschschweizer erledigen die meisten Angelegenheiten nach wie vor über das Telefon, während Westschweizer geschäftliche Belange lieber über Emails regeln. Dies lässt sich damit erklären, dass laut Angaben nur 48 Prozent der Westschweizer, aber 73 Prozent der Deutschschweizer von der digitalen Post genervt sind. Deutschschweizer werden während den Arbeitszeiten jedoch auch häufiger kontaktiert.

Toleranzschwelle ist niedrig

Vielen Angestellten scheint es natürlich, auf geschäftliche Angelegenheiten so zeitnah wie möglich zu reagieren. Deshalb geht ein Grossteil der Schweizer auch in privaten Momenten wie auf dem WC ans Telefon – 38 Prozent lassen sich gar beim Liebesspiel mit dem Partner oder der Partnerin stören. Dies scheint im Gegensatz zum Wunsch nach der Trennung von Beruf und Freizeit zu stehen, den 73 Prozent aller arbeitstätigen Deutsch-, und 78 Prozent aller Westschweizer äussern. Miriam Nido vom Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung in Zürich erklärt die Vermischung der beiden Bereiche folgendermassen: «Flexible Arbeitszeitmodelle, Möglichkeit von Home Office und mobile Kommunikationstechniken führen zu einer besseren Vereinbarkeit von Arbeitszeit und sozialen Verpflichtungen», sagte sie gegenüber 20 Minuten. Tatsächlich geben rund 90 Prozent der Befragten an, dass ihre Arbeitszeiten gut mit familiären und sozialen Verpflichtungen vereinbar seien. Die erhöhte Flexibilität bringt aber auch Nachteile mit sich: Die Hälfte der Befragten steht unter Stress und hat das Gefühl, bei einer erhöhten Erwartungshaltung stets erreichbar sein zu müssen.

Jeder Fünfte in psychisch schlechtem Zustand

Trotz Stress im Beruf und der Freizeit sind die Hälfte aller Westschweizer und ein Drittel der Deutschschweizer sehr mit ihrer Arbeitsstelle zufrieden. 38 respektive 48 Prozent sind eher zufrieden, während nur 11 respektive 12 Prozent unzufrieden sind. Trotzdem scheint sich der Stress im Beruf auf die Psyche der Arbeitenden auszuwirken: 18 Prozent der Deutschschweizer und 16 Prozent der Westschweizer befinden sich laut eigener Einschätzung in einem sehr schlechten oder schlechten psychischen Gesamtzustand.

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