Cybermobbing nimmt erschreckende Dimensionen an

Laut einer Befragung der Universität Zürich wurde in den letzten vier Monaten jeder fünfte Siebtklässler im Internet gemobbt. Trotz Prävention und Sensibilisierung nimmt die Anzahl der Cybermobbing-Fälle stetig zu, so die Experten.

Cybermobbing: Die Hänseleien im Netz nehmen zu.

Hänseleien, Belästigung und Drohungen im Internet werden «Cybermobbing» genannt - und nehmen leider zu. Foto: © pressmaster - Fotolia.com

Zwar wird die Problematik «Cybermobbing» heute viel häufiger an Schulen thematisiert, als noch vor wenigen Jahren, die Fälle scheinen deswegen aber nicht abzuflauen. Die Folgen der Hänseleien im Internet seien alles andere als harmlos, berichtet Sébastien Gogniat, Waadtländer Schuldirektor und Experte für Medienfragen im Gespräch mit 20 Minuten. Die Angst vor der Blossstellung im Internet gehe so weit, dass viele Jungen die Unterhosen in der Dusche nach dem Sportunterricht anbehielten. «Aus Angst, ein Nacktfoto von ihnen könnte im Internet auftauchen», so Gogniat, der derzeit die Untersuchung der Uni Zürich gründlich analysiert. Es sei keine Seltenheit, dass ganze Familien wegen den Schikanen im Netz den Wohnort wechseln müssten. Cybermobbing überfordert nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Eltern, Lehrpersonen und nicht zuletzt Politiker.

CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer beklagt sich im Interview mit 20 Minuten über den jetzigen Zustand. «Die meisten Politiker in Bern sind über 50 und können sich nichts unter Cybermobbing vorstellen. Als ich vor vier Jahren diesbezüglich die ersten Vorstösse einreichte, wurde ich nur belächelt.» Das grösste Problem sei für die CVP-Frau, dass das Problem nicht national vom Bund koordiniert würde, sondern jeder Kanton selbst über Präventionsmassnahmen entscheiden könne. So könne keine effiziente Bekämpfung erreicht werden.

Vorbildlich gehe Frankreich mit der Angelegenheit um. Der zentralistische Staat hat diese Woche eine nationale Kampagne gegen Cybermobbing gestartet. Lehrer sind zudem dazu verpflichtet, die Aktivitäten ihrer Schüler im Internet zu verfolgen und zu kontrollieren. Angesichts der ausartenden Problematik, wünschen sich vermehrt auch Schweizer Eltern Massnahmen seitens der Politik. Der Wunsch nach der Einbindung von Medienpädagogik in die Primarschulfächer mache sich breit, so 20 Minuten. Ein erster Schritt wird bereits getan: Bei der Schweizerischen Kriminalprävention liegt der Schwerpunkt im Februar beim Thema Cybermobbing.

 

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