Das Gute an schlechtem Sex

Weil die Beziehung nach zehn Jahren und Kindern auf der Strecke geblieben ist, und die Lust sowieso, lässt sich ein Paar auf einen ungewöhnlichen Selbstversuch ein. Es testet ein Jahr lang die wichtigsten 11 Sexratgeber-Bücher und dazu ca. 400 Seiten Tipps in Zeitschriften und Zeitungen. Was dabei herauskam ist ein Brüller, äh, ein ziemlich witziges Buch.

Den Anfang macht ein Tipp des Paartherapeuten Ian Kerner: Zusammen mit seinem Partner von einem Hocker springen und sich dabei eine geheime sexuelle Fantasie zurufen. Ein totaler Misserfolg. Ihm folgen weitere wie: sich vornehmen, total schlechten Sex miteinander zu haben, Ölwrestling auf einem alten Duschvorhang im Wohnzimmer, absichtlich eine Affäre haben, Rollenspiele und 160 Stellungen, die in Lachanfällen, aber auch mal in Buchlandungen und Kopfstürzen enden.

Und die Erkenntnisse aus ihrem Selbsttest? Die eingeschlafene Beziehung wurde reanimiert, das Sprechen über Sex und das sich verständigen über Sex, wie man ihn auf keinen Fall will, wurde wichtig und führte zu neuen Erkenntnissen über den Partner. Beide sagen, sie hätten sich nochmals neu kennen gelernt. Der Sex erhielt wieder einen Stellenwert in der Beziehung. Und alles sei lockerer und offener geworden. Und so könnte auch ein Fazit sein: Vielleicht sind Sexratgeber ziemlicher Schrott. Aber es lohnt sich für die Beziehung, hin und wieder gemeinsam unbekanntes Gelände auszuprobieren.

Das Buch: „Sex zum Selbermachen. Erotikratgeber empfehlen – wir probieren’s aus“ von Ann Wolff und Ben Hase. Knaur Taschenbücher 2009, 224 Seiten, 16.90 Franken.

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