Warum leben Dicke länger als Dünne?

Dicke sterben früher, weil sie ein höheres Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen haben. Falsch: Studien belegen, dass Dicke eine höhere Lebenserwartung haben als Dünne, weil Dicksein möglicherweise eine gesunde Art der Stressbewältigung ist. Aber nicht jedes Fettpölsterchen ist gut.

Dicke Menschen leben länger
Trotz Krankheiten leben Dicke länger. Foto: Stockbyte, Thinkstock

Süddeutsche.de berichtete heute über das «Gewichtsparadoxon.» Fülligere Menschen haben trotz Erkrankungen wie Verengung der Herzkranzgefässe und diversen Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen eine höhere Lebenserwartung. Das zeigen verschiedene Studien. Warum leben dicke Menschen im Durchschnitt länger als Dünne, obwohl zahlreiche Krankheiten auf Übergewicht zurückzuführen sind?

Dick-sein ist eine gesunde Art der Stressbewältigung

Die Beobachtung, dass Dicke – nicht krankhaft fettleibige - länger leben als Dünne, verlangt nach einer Erklärung. «Übergewicht ist aber nicht gleich Krankheit. Es ist sogar etwas Gutes», sagte Hirnforscher Achim Peters gegenüber süddeutsche.de. Achim Peters von der Universität Lübeck hat in Zusammenarbeit mit Stressforscher Bruce McEwen von der New Yorker Rockefeller University eine These zur Erklärung entwickelt: Dicksein ist eine gesunde Art der Stressbewältigung.

Wie Stress, Gehirn und Fettpölsterchen zusammenwirken

Dieser These liegt Hirnforscher Achim Peters’ Theorie des «egoistischen Gehirns» zu Grunde. Der Energiebedarf des Gehirns ist hoch. Um diesen Bedarf zu decken, nutzt das Hirn das körpereigene Stresssystem. Hormone wie Cortisol helfen, Energie aus den Körperreserven für das Gehirn zu mobilisieren. In normalen Zeiten gehen 50 Prozent der Glucose an das Hirn, in Stresssituationen sogar 90 Prozent. Andere Teile des Körpers haben mitunter darunter zu leiden, weil sie weniger Energie bekommen.

Bei Dicken funktioniert dieser Zugriff auf die Fettdepots aber laut der Theorie des egoistischen Gehirns nicht. Das Gehirn hat zuwenig Glucose und verstärkt die Forderung danach. Dicke Menschen müssen also essen. Nur ein kleiner Teil der Kalorien gelangt ins Hirn, der Rest wird für den Aufbau der Fettreserven genutzt. Deswegen können sich Dicke gar nicht dagegen wehren, dick zu werden, es ist ihre – langfristig förderliche - Reaktion auf Dauerstress.

Entgegen allen ärztlichen Ratschlägen, hilft Dicksein Stress zu bewältigen und schützt deswegen möglicherweise vor frühzeitigem Ableben. Chronischer Stress ist dem Leben abträglicher als  Arthrose in den Knien oder Zucker im Blut.

Die Apfelfigur ist lebensbedrohend

Nicht jedes Fettdepot ist aber gut für ein längeres Leben. Fettansammlungen an der Taille sind lebensbedrohend, weil sie die inneren Organe umfassen und deswegen schnell mobilisiert werden können. Sobald der Taillenumfang bei Männern 102 Zentimeter misst und bei Frauen 88 Zentimeter, wird es kritisch.

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