«Das bisschen Haushalt»: Schweizer Hausmann stirbt aus

Immer seltener entscheiden sich Männer in der Schweiz dafür, Vollzeit-Hausmann zu werden. Warum die Zahl der Hausmänner vor allem 2013 rapide abgenommen hat und weshalb sich Männer vor einer Teilzeitarbeit fürchten.

«Das bisschen Haushalt»: Schweizer Hausmann stirbt aus

Immer seltener entscheiden sich Schweizer Vollzeit-Hausmann zu werden. Foto: iStock, tetmc, Thinkstock

Laut aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik sind rund 9‘000 Männer in der Schweiz Vollzeit-Hausmann, heisst es heute bei 20 Minuten. Das sind nicht viele, vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Zahl im letzten Jahr fast um die Hälfte zurückgegangen ist. Die Jahre zuvor lag die Zahl aller in der Schweiz wohnhaften Vollzeit-Hausmänner konstant bei circa 0,4 Prozent. Aber wie kommt es trotz der seit Jahren betriebenen intensiven Gleichstellungsarbeit zu dieser rapiden Abnahme?

Warum immer weniger Männer Hausmann werden

Zum einen mögen es die Bedingungen in der Arbeitswelt sein, zum anderen das Image-Problem der Hausarbeit, vermutet Marlies Zumbühl von der Hausfrauen- und Hausmänner-Gewerkschaft gegenüber 20 Minuten. Aber auch die Tatsache, dass der Hausmann in der Schweiz ohnehin sehr selten sei, ist ihrer Meinung nach Grund dafür, dass die Zahl der Männer, die Hausmann werden, schrumpft. «Vollzeit-Hausmann zu sein, ist so einseitig wie das Vollzeit-Hausfrau-Sein», ergänzt Markus Theunert, Präsident des Dachverbandes der Schweizer Männer- und Väterorganisationen gegenüber 20 Minuten. Er rät Männern und Frauen daher von dieser einseitigen Tätigkeit ab und spricht sich für die Vorteile der Teilzeitarbeit aus.

Teilzeit-Hausmann: Vor(-ur)teile einer Teilzeitbeschäftigung

Nicht nur immer weniger Männer, sondern auch immer weniger Frauen entschieden sich für eine Vollzeitbeschäftigung als Hausmann oder Hausfrau, wie Sabine Baumgartner, Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit des Eidgenössischen Büros für Gleichstellung von Mann und Frau, feststellt. Sie glaubt, dass sich dieser Trend in Zukunft fortsetzen wird. Doch sei es schwerer Männer für eine Teilzeitstelle zu erwärmen als Frauen, ergänzt Theunert. «Viele Männer getrauen sich nicht, Teilzeit zu arbeiten. Sie haben Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden.» Dabei habe eine Teilzeitanstellung gleich mehrere Vorteile. So seien Teilzeitkräfte viel produktiver und seltener krank, so dass sie mehr leisten könnten.

Teilzeit-Hausmann: Diskriminierung von Teilzeitarbeitenden

Doch einen Haken hat das Teilzeit-Arbeitsmodell: «Die Lohndiskriminierung der Teilzeitarbeitenden ist bei Männern noch grösser als bei Frauen.» Laut einer Studie liegt die statistisch bereinigte Benachteiligung bei Männern mit Teilzeitarbeit bei rund 16 Prozent, bei Frauen bei 6 Prozent. Der Dachverband plant nun mit der Kampagne «Der Teilzeitmann» die Quote der Männer ohne Vollzeitpensum bis zum Jahr 2020 von derzeit etwa 14 auf 20 Prozent zu erhöhen.

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